Ausbildungsserie Ausbildungsstart: So unterstützen Ausbilder unsichere Jugendliche

Viele Jugendliche glänzen in der Schule – doch in der Arbeitswelt tun sie sich schwer. Ausbildungsberater Peter Braune macht in seiner Ausbildungsserie einen zentralen Grund aus: die Unsicherheit junger Menschen. So können Ausbilder ihre Azubis optimal in das berufliche Umfeld einführen.

Mehrere junge Handwerker am Tüfteln
Patenschaften mit erfahrenen Auszubildenden können eine Lösung sein, um neuen Azubis den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. - © Rithor - stock.adobe.com

Schon 2015 kritisierten Zeitungsartikel, dass Schulen Jugendliche zu wenig auf den Berufsalltag vorbereiten. Strenge Regeln, Prüfungen oder klare Vorgaben gebe es dort oft nicht mehr. Ein Meister, der einen Stapel alter Zeitungen aus diesem Jahr durchforstet, berichtet auch heute davon, dass sogar Schüler mit guten Zeugnissen Schwierigkeiten haben, sich an betriebliche Abläufe anzupassen.

Jugendliche sind oft unsicher

Beim nächsten Meisterstammtisch spricht dieser Meister mit einem Kollegen über das Thema. Dieser bestätigt seine Wahrnehmung, dass die Schule nicht ausreichend auf das Arbeitsleben vorbereitet.

Er erklärt: Die Jugendlichen sind unsicher. Sie wissen nicht, welche Anforderungen im Betrieb auf sie warten. Viele zweifeln an sich, sind schnell verunsichert und reagieren empfindlich auf Kritik. Sie wünschen sich Anerkennung, haben aber oft ein schwaches Selbstwertgefühl.

Erste Schritte im Betrieb

Der Meister will darauf reagieren und neue Lehrlinge im Betrieb stärker unterstützen. In der ersten Woche des neuen Ausbildungsjahres organisiert er ein Einführungsseminar. Die Azubis arbeiten dort mit der Gruppe zusammen und üben selbstständiges Lernen. So sollen sie Sicherheit gewinnen und auf den Alltag vorbereitet sein.

Tipps für Ausbilder, um Unsicherheiten bei Azubis zu überwinden

Diese Punkte sollten Ausbilder im Ausbildungsalltag umsetzen:

  • Klare Informationen: Merkblätter mit den wichtigsten Informationen helfen beim Einstieg und können in Einführungsgesprächen genutzt werden.
  • Azubi-Patenschaften: Erfahrene Lehrlinge begleiten die Neuen und stehen bei Problemen und Fragen zur Verfügung.
  • Feedback-Kultur: Positive Rückmeldung stärken das Selbstbewusstsein. Dazu sind alle Beschäftigten angehalten.
  • Praxisnähe: Die Azubis sollen früh in Arbeitsabläufe eingebunden, bei denen sie Kontakt zur Kundschaft haben.
  • Methodenmix: Auszubildende lernen unterschiedlich. Deshalb sollten Ausbilder mehrere Methoden anwenden.
  • Individuelle Förderung: Ausbildungsstand, Lerntempo und persönliche Voraussetzungen berücksichtigen.
  • Respekt und Empathie: Mitarbeiter, die mit Auszubildenden arbeiten, sollen im richtigen Umgang geschult werden. Das fördert gegenseitiges Verständnis.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.