Ausbildungspakt Ausbildungsplätze sind da, aber die Bewerber fehlen

Ein Jahr nachdem der Ausbildungspakt zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft geschlossen wurde, ziehen die Paktpartner eine positive Bilanz. Sie haben viele neue Projekte auf den Weg gebracht und Engagement bei Schulen und Betrieben geweckt. So stehen den Bewerbern aktuell viele neue Ausbildungsplätze zur Verfügung. Doch die Zahl der Bewerber nimmt insgesamt ab.

Ausbildungspakt hat Erfolg: Viele Betriebe würden gerne mehr Lehrlinge einstellen, doch in vielen Handwerksberufen mangelt es an Nachwuchs. - © Fotolia

Das Fazit der Paktpartner – darunter auch der Zentralverband des deutschen Handwerks – ist eindeutig: Die Ausbildungschancen für junge Menschen haben sich im Jahr 2011 weiter verbessert. Doch für die Betriebe verschärft sich die Lage zusehends, denn es wird viele immer schwieriger alle Lehrstellen besetzen zu können. Natürlich ist dies abhängig von Branche, Standort und den für den Beruf benötigten Qualifikationen – trotzdem blieben nach dem Start des aktuellen Ausbildungsjahrs mehr freie Stellen übrig als Bewerber vorhanden wären.

Große Bereitschaft auszubilden

Nach der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl der zum 30. September 2011 unversorgten Bewerber verringert. 11.400 Bewerber haben keinen Ausbildungsplatz bekommen. Im Gegenzug sind in Deutschland jedoch insgesamt 29.700 Ausbildungsplätze übrig geblieben, die nicht besetzt werden konnten.

Wie die Paktpartner melden, konnten im vergangenen Jahr 71.300 neue Ausbildungsplätze und 43.600 neue Ausbildungsbetriebe von den Kammern und Verbänden eingeworben werden. Es gibt also eine große Bereitschaft auszubilden, doch neben dem Mangel an Bewerbern passen Unternehmen und Bewerber auch nicht immer zusammen. Hier eine bessere Quote zu erreichen, ist eines der Ziele, die der Ausbildungspakt vorgibt.

Der "Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs", wie er offiziell heißt, wurde erstmals im Jahr 2004 zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft geschlossen und sowohl 2007 als auch 2010 für weitere Jahre verlängert. Der aktuelle Pakt gilt noch bis ins Jahr 2014 hinein.

Viele Projekte zur gezielten Berufsorientierung

Nach dem ersten Jahr des neuen Pakts zeigt sich nun, welche konkreten Projekte nun auf den Weg gebracht wurden. Im Vordergrund steht dabei eine bessere Aufklärung über die Berufe an sich und die Schritte hin zu einer Berufsausbildung. Dazu wurden an 2.000 Schulen Berufseinstiegsbegleiter für rund 38.000 Schüler eingesetzt. Ab April steht dafür für weitere Schulen eine Fördermöglichkeit bereit. Zusätzlich hat die Bundesregierung bislang weitere 120.000 Schüler ab der 8. Klasse in Berufsorientierungsmaßnahmen gefördert. Die Bundesagentur für Arbeit hat dafür im Jahr 2011 rund 61 Millionen Euro eingesetzt.

Damit die Schulen auch gezielt im Unterricht auf die späteren Berufschancen vorbereiten können, wurde eine gemeinsame Förderstrategie der Länder für leistungsschwächere Schüler umgesetzt. Hier geht es um eine praxisnähere Gestaltung des Unterrichts, die möglichst individuell an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden soll.

"Alle Potenziale erschließen" ist ein Motto, das sich der Ausbildungspakt auf die Fahnen geschrieben hat. Ein Ziel war es deshalb jeden Jugendlichen, der zu den Nachvermittlungen von Kammern und Agenturen für Arbeit erschien, mindestens ein Angebot auf Ausbildung oder betriebliche Einstiegsqualifizierung unterbreiten zu können. Das ist geglückt, melden die Paktpartner. Da für den neuen Ausbildungspakt als neues Mitglied auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer gewonnen wurde, hat auch sie sich dem Problem angenommen, auch schwächere Bewerber zu fördern. Sie hat im Rahmen des Pakts mehrere Ausbildungskonferenzen zur Verbesserung der Eingliederung junger Migranten in Ausbildung gestartet. Diese haben ihren Schwerpunkt bei der interkulturellen Elternkooperation.

Weniger Schulabgänger, weniger Bewerber

Der zweite neu hinzugekommene Partner ist die Kultusministerkonferenz. Sie setzt sich im Rahmen des Pakts besonders für Kinder und Jugendliche mit Behinderung ein und treibt hierzu den Ausbau praxisorientierter Angebote zur Berufsfindung voran. Berufsfindung ist zudem das Thema der gemeinsamen Informationsoffensive "Berufliche Bildung - praktisch unschlagbar" von Bundesregierung und Wirtschaft. Sie möchte damit die Attraktivität der beruflichen Aus- und Weiterbildung stärker verdeutlichen.

Insgesamt wurden im Jahr 2011 2,2 Prozent mehr neue Verträge geschlossen worden als 2003, dem letzten Jahr vor dem Ausbildungspakt, obwohl die Zahl der Schulabgänger deutlich abgenommen hat. Die Zahl der nicht studienberechtigten Schulabgänger nahm nach Angabe der Bilanz zum Ausbildungspakt sogar um 21,3 Prozent ab.

Die Ausbildungschancen sind in Deutschland grundsätzlich sehr gut. Dass es vermehrt Probleme gibt, die zunehmende Zahl der Ausbildungsplätze mit passenden Bewerbern zu besetzen scheint also zur nächsten Herausforderung für die Partner des Ausbildungspakts zu werden. dhz