Fachkräftemangel Ausbildungspakt: Ohne Migrantenkinder geht es nicht

Wegen eines drohenden Fachkräftemangels muss das Potenzial an Schulabgängern besser genutzt werden. Von Karin Birk

Ausbildungspakt: Ohne Migrantenkinder geht es nicht

Die Wirtschaft will sich noch stärker als bisher um Jugendliche mit Migrationshintergrund küm-mern. "Uns bleibt gar nichts anderes übrig als uns um junge Ausländer und Schulabgänger mit Migrationshintergrund zu bemühen“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, im Anschluss an eine Sitzung des Lenkungsausschusses des Ausbildungspaktes mit Vertretern aus Wirtschaft und Regierung. Dies gelte insbesondere auch für das Handwerk. Als Grund nannte Kentzler den demographischen Wandel und den drohenden Fachkräftemangel.

Auch 2009 werden rund vier Prozent weniger Jugendliche die Schule verlassen als 2008, warnen Politik und Wirtschaft. Dabei werde der Rückgang mit minus 1,5 Prozent in den alten Bundesländern noch relativ gering, mit minus 15,5 Prozent in den neuen Bundesländern weitaus stärker ausfallen. Ziel müsse deshalb sein, alle Potenziale zu erschließen und die Integration zu fördern. So sollte die Schulabbrecherquote von Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlich verringert und die Berufsorientierung für junge Migranten verbesserte werden, denn ihre Ausbildungsbeteiligung sei aus unterschiedlichen Gründen noch un-befriedigend, wie Kentzler sagte.

Das Handwerk bekam den Rückgang der Schülerzahlen schon mit Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres zu spüren. So lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk im Herbst 2008 bei 170.159 Ausbildungs-plätzen. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 180.000. "Insbesondere in den neuen Bundesländern konnten zahlreiche Lehrstellen nicht mehr besetzt werden“, sagte Kentzler. Wie es beim ZDH weiter heißt, ist es besonders schwierig gewesen, sehr anspruchsvolle Lehrstelen, wie Elektrotech-niker oder Kfz-Mechatroniker zu besetzten.

Insgesamt ist die Zahl der abgeschlossenen Aus-bildungsverträge in der Wirtschaft zum Beginn des laufenden Ausbildungsjahres um 9.600 auf 616.300 zurückgegangen. Damit seien zu Beginn des Ausbildungsjahres rund 14.500 Bewerber unversorgt gewesen. Durch Nachvermittlungsaktionen seien es im Januar 2009 weniger als ein Prozent gewesen, berichtete Raimund Becker, Vorstandsmitglieder der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.