Die Spitzenverbände der Wirtschaft und die Bundesregierung konnten sich bei ihrem jährlichen Spitzentreffen angesichts der Wirtschaftskrise auf keine gemeinsame Zielmarke für die Ausbildung einigen. Von Karin Birk, Berlin
Ausbildungspakt bleibt ohne genaue Zielmarke
"Der Ausbildungspakt lässt sich nicht in einer Zahl zusammenfassen und ist auch kein politisches Schaulaufen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie-und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, im Hinblick auf die Forderungen von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD), der schon im Vorfeld des Spitzentreffens auf das quantitative Ziel von 600.000 neuen Ausbildungsverträgen gedrängt hatte. Erstmals seit seinem fünfjährigen Bestehen endete das Spitzentreffen ohne eine gemeinsame Erklärung aller Beteiligten. Die Wirtschaft bekräftigte allerdings ihr Ziel, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung machen und generell am Ausbildungspakt weiter festhalten zu wollen.
Arbeitsminister Scholz sagte, dass die rückläufigen Schülerzahlen kein Argument dafür sein dürfen, die angebotenen Ausbildungsplätze in gleichem Maße zu reduzieren. "Wenn mit der Zahl der jungen Leute, die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt, werden immer Leute ohne Ausbildung bleiben", warnte er und verwies auf die bisher nur 580.000 prognostizierten Ausbildungsverträge und die große Zahl von Altbewerbern.
Verstärkt Lehrstellen werben
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zeigte dagegen Verständnis, dass sich die Wirtschaft angesichts der Krise auf keine konkrete Zahl festlegen wollte. Seiner Ansicht nach drohe "keine Lehrstellenkrise". Dies sei aber auch kein Grund sich zurückzulehnen. Vielmehr müsse man nach Kräften für Lehrstellen werben.
Ähnlich sieht Handwerkspräsident Otto Kentzler die Situation. Auch er sieht im Handwerk keine Lehrstellenkrise. Gleichwohl könne das Handwerk noch besser werden. Die Tatsache, dass manche Betriebe bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen noch zögerlich seien, hänge auch mit der Wirtschaftslage zusammen. Viele Betriebe warteten ganz einfach ab, bis die Konjunkturpakete griffen. Darüberhinaus gebe es Städte und Regionen, wie etwa Potsdam, in denen auch wegen der stark abnehmenden Schülerzahlen noch viele Ausbildungsplätze unbesetzt seien.
230.000 Bewerber auf Lehrstellensuche
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind von rund 442.000 gemeldeten Bewerbern rund 227.000 aktuelle Schulabgänger und circa 220.000 Altbewerber. Im Vorjahr waren es noch 270.000 Altbewerber. Wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker sagte, seien allerdings Ende Mai noch immer 230.000 Bewerber noch nicht versorgt gewesen. Davon allein rund 117.000 aus dem aktuellen Jahrgang.