Etliche Kammern im Print-Verbreitungsgebiet der DHZ melden ein Plus bei den Ausbildungsverträgen, dennoch sind noch tausende Lehrstellen unbesetzt. Je nach Beruf und Region ist die Situation unterschiedlich.

Für einen Ausbildungsstart ist es noch nicht zu spät. "Auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart gibt es weiter tausende Ausbildungschancen im Handwerk, weil noch zahlreiche von den Betrieben angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt sind", sagte Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Jugendliche, die unentschlossen seien, könnten noch im September, Oktober oder November eine Ausbildung im Handwerk beginnen. Allein in Bayern gab es zum Ausbildungsstart am 1. September noch rund 5.700 Ausbildungsangebote in den Lehrstellenbörsen der bayerischen Handwerkskammern. Gleichzeitig haben aber auch 19.073 junge Menschen ihre Ausbildung im bayerischen Handwerk angefangen. Ein Plus von 3,5 Prozent zum Vorjahr.
"Tag des Handwerks" an Schulen
Um junge Menschen zu kontaktieren, nutzen die Kammern in Bayern verschiedene Kanäle, wie etwa ein Influencer-Netzwerk. Ebenso dazu gehört der "Tag des Handwerks" an allen allgemeinbildenden und weiterführenden Schulen. "So sind bereits viele neue Kontakte zu Schulen und Lehrkräften entstanden", betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages.
In Baden-Württemberg gibt es ebenfalls noch Startchancen im Handwerk. "In vielen Branchen wird immer noch händeringend nach Nachwuchs gesucht", sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. Erfreut zeigt er sich, dass das Handwerk im Südwesten mit 16.203 neuen Ausbildungsverträgen ein Plus von 1,6 Prozent verzeichnen kann.
Gute Zwischenbilanz, aber weiter viele offene Ausbildungsplätze
In Hessen lagen zu Redaktionsschluss die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge noch nicht für alle Kammerbezirke vor. Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main kann zum Stichtag ein Plus von 5,6 Prozent auf 2.837 Neuverträgen vermelden. "Wir hoffen, dass wir unter dem Strich das Niveau des Vorjahres von über 9.500 Neuverträgen halten", sagt Stefan Füll, Präsident des Hessischen Handwerkstages mit Blick auf die Gesamtzahlen in Hessen zum Start des Ausbildungsjahres. Und wie überall gibt es auch in Hessen noch Startchancen.
Dies gilt auch für Sachsen. "Trotz der guten Zwischenbilanz gibt es nach wie vor hunderte offene Ausbildungsplätze", heißt es beim Sächsischen Handwerkstag. Gleichzeitig konnte das sächsische Handwerk die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse um 5,6 Prozent auf 5.201 erhöhen. Zugelegt hat auch der Kammerbezirk Halle in Sachsen-Anhalt mit 1.276 (Vorjahr: 1.245) neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen bis Ende August. In Thüringen konnten bis Anfang September 2.630 (Vorjahr: 2.596) neue Ausbildungsverträge im Handwerk unterzeichnet werden.
Klimaberufe sind gefragt
Dabei unterscheidet sich die Situation in den Gewerken und auch regional. "In bestimmten Berufen steigen die Ausbildungszahlen erfreulich und kontinuierlich, insbesondere in den sogenannten Klimaberufen wie Elektrotechniker, Anlagenbauer im Bereich Sanitär-Heizung-Klima, Zimmerer und Dachdecker", heißt es beim ZDH. Dies gelte auch für Bestatter. In einigen Berufen, etwa bei den körpernahen Dienstleistungen wie Friseuren, aber auch in den Gesundheitshandwerken sowie den Lebensmittelhandwerken hätten es die Ausbildungsbetriebe schwerer, geeignete Bewerber und Bewerberinnen zu finden und ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.