Wenn Simon Schrempf sagt, er sei technischer Modellbauer, denken viele an Modelleisenbahnen. Aber: Die Modelle, die Schrempf und die Firma Schübel Prime Parts in Talheim herstellen, kommen in Autos, Yachten oder Flugzeugen zum Einsatz. Dass er seinen Traumberuf überhaupt "entdeckt" hat, ist maßgeblich seiner beharrlichen Mutter zu verdanken. Jetzt krönte er seine Ausbildung mit einer besonderen Ehrung – und Begegnung.

Auch wenn sich viele anfangs nur wenig unter seinem Beruf vorstellen können, hat Simon Schrempf seine Entscheidung für den technischen Modellbau nie bereut. Und der Erfolg gibt ihm recht: Bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk (DMH) ließ er die Konkurrenz hinter sich und wurde Bundessieger.
Seltener Ausbildungsberuf
Dass er zu diesem Beruf gefunden hat, ist ein Stück weit seiner Mutter zu verdanken. Die habe ihn nämlich während der Schulzeit zu einem Tag der offenen Tür bei Porsche "mitgeschleppt". Das meiste dort Gezeigte habe ihn wenig interessiert, erinnert er sich. Das hat sich geändert, als er den Raum betrat, in dem der Prototypenbau vorgestellt wurde. "Ich war sofort gefesselt und blieb eineinhalb Stunden."
Kurze Zeit darauf folgte ein einwöchiges Praktikum bei Porsche. Eine Ausbildung wollte er beim Hersteller für Luxusautos allerdings nicht machen: "Dort werden technische Modellbauer gar nicht mehr ausgebildet. Ich hätte also zuerst Industriemechaniker lernen müssen." Dieser Umweg kam für ihn nicht infrage. Außerdem wollte der Ellhofener auch in seiner Heimatregion bleiben und "auf jeden Fall etwas Handwerkliches machen". Im Internet stieß er auf die Schübel GmbH. Er schickte eine Bewerbung, hatte ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch und begann dort seine Ausbildung.
Kooperation mit Schulen
Dass die Ausbildung als technischer Modellbauer immer seltener angeboten wird, weiß Schrempfs Chefin Christine Schübel. "Es ist leider nach wie vor ein Nischenberuf", bedauert sie. Dementsprechend unbekannt sei der Beruf. Um qualifizierte Bewerber zu bekommen sei viel eigenes Engagement gefragt, erklärt Schübel und erzählt von Kooperationen ihrer Firma mit Schulen. Schübel Prime Parts habe daher aktuell keine Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden. "Wir sind zufrieden mit der Bewerberzahl."

Auch Simon Schrempf ist zufrieden. Nach seiner Ausbildung bekam er bei Schübel einen unbefristeten Arbeitsvertrag und arbeitet seitdem im Fachbereich Zerspanen. Dort wird vorwiegend Aluminium bearbeitet. Aber auch Kunststoff kommt häufig zum Einsatz. An seinem Arbeitsalltag schätzt der DMH-Bundessieger vor allem die Abwechslung. "Es ist nicht jeden Tag das Gleiche."
Keine Serienfertigung
Die Teile, die er und seine Kollegen bearbeiten, seien keine Serienfertigung und sie werden nur in kleinen Stückzahlen gefertigt. Und genau hier liegt auch die Herausforderung. "Man muss sich jedes Mal etwas Neues einfallen lassen." Das sei nicht immer einfach. Wenn er aber selbst nicht auf die Lösung kommt, helfen die Kollegen weiter. Das schätzt auch Christine Schübel an ihren Mitarbeitern. "Keiner ist hier ein Einzelkämpfer, alle arbeiten als Team", sagt sie stolz.
Auf den Millimeter genau
Die Kunden kommen aus unterschiedlichen Branchen, vom Autohersteller über den Küchenbauer bis hin zur Luft- und Raumfahrt ist alles vertreten. An Autoteilen hat Simon Schrempf besondere Freude. "Ich habe sowieso ein Faible für Luxusautos", erzählt er. "Ich habe eine ganz andere Wertschätzung, weil ich weiß, was dahintersteckt. Und zwar jede Menge Arbeit, unzählige Einzelschritte und sehr viel Knowhow." Im Modellbau sei sehr exaktes Arbeiten erforderlich. Ein Millimeter sei da schon eine massive Abweichung. Und hat ein Teil nur die kleinste Macke, ist es Ausschuss.
Sport als Ausgleich
Neben dem Modellbau ist Handball die große Leidenschaft von Simon Schrempf. Er spielt beim TSV Weinsberg in der Oberliga Baden-Württemberg. "Beim Handball kann ich den Kopf freibekommen." Der Sport ist für ihn ein Ausgleich zum Berufsleben. Die DMH-Feier in Berlin, auf der alle Bundessieger ausgezeichnet wurden, war für ihn nicht nur aus beruflicher Sicht ein Highlight. Er traf dort nämlich Handball-Bundestrainer Alfreð Gíslason und hat sich kurz mit ihm unterhalten. "Das war eine tolle Begegnung." Simon Schrempf will jetzt erstmal als Geselle Berufserfahrung sammeln. Dann soll es aber weitergehen. "Ich will auf jeden Fall noch den Meister machen." Sein Arbeitgeber unterstützt diese Pläne.