Videogespräch mit Bundespräsidenten Ausbildung während der Krise: "Mache mir große Sorgen"

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender wollen im Gespräch mit Azubis genau wissen, wie Ausbildung in der Pandemie funktioniert und wie es weiter geht.

Karin Birk

Eine Ausbildung im Handwerk läuft aktuell in mehrerlei Hinsicht anders ab als gewohnt. - © Sascha Schneider

Die Corona-Krise stellt die duale Ausbildung vor große Herausforderungen. "Ich mache mir ganz, ganz große Sorgen für dieses Jahr", sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer in einem Videogespräch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender mit Auszubildenden aus verschiedenen Branchen. Schon im vergangenen Jahr habe das Handwerk 7,5 Prozent beziehungsweise rund 10.000 Ausbildungsverträge weniger abschließen können als im Vorjahr. Er habe Sorge, dass dies in diesem Jahr nicht wieder aufgeholt werden könne. Dies sei nicht nur für die Wirtschaft schlecht. Das sei auch für die jungen Menschen schlecht, die in der beruflichen Bildung noch immer tolle Karrierechancen hätten.

Wollseifer: Wir werden auch nach Corona Fachkräfte brauchen

Denn eines steht für den Handwerkspräsidenten außer Frage: "Wir werden auch eine Zeit nach Corona haben, und da werden wir gut ausgebildete Fachkräfte ganz, ganz dringend in unserem Land brauchen." Das hat sich wohl auch der Chef von Marco Schmider aus Landsberied in Bayern gedacht. "Ich wurde übernommen", erzählt der junge Maler- und Lackierergeselle. Erst vor kurzem hat er seine Prüfung gemacht. Als Vertreter einer "verlorenen Generation" fühle er sich absolut nicht, antwortete er dem Bundespräsidenten. Der Betrieb habe volle Auftragsbücher, es gebe genug zu tun und Perspektiven in seinem Beruf sehe er auch.

Ohne überbetriebliche Bildungsstätten geht es nicht

Wie bei Schmider setzt das Handwerk nach den Worten Wollseifers alles daran, dass die Auszubildenden ihre Prüfungen rechtzeitig ablegen können. "Wir wollen den jungen Leuten nicht auch noch Zeit wegnehmen", sagt er. Schwieriger sei es mit den Kursen in den Berufsschulen und den überbetrieblichen Bildungsstätten. "Wir brauchen eine Öffnung unserer Berufsbildungsstätten", fordert Wollseifer deshalb. Nur so gebe es eine Chance, die ausgefallenen Kurse noch nachzuholen.

Auf die Frage des Bundespräsidenten, inwieweit auch Ausbilder flexibel auf die schwierigere Ausbildungssituation reagieren könnten, verwies der Handwerkspräsident insbesondere auf die Gewerke, die ihre Betriebe ganz schließen mussten, wie Friseure, Kosmetiker, aber auch Messebauer und andere. Dort die Ausbildung vollinhaltlich durchzubringen sei eine Herausforderung.

Friseur-Azubi Imhof freut sich auf Neustart im Salon

Vanessa Imhof, Auszubildende im Friseurbetrieb ihrer Mutter in Schneeberg in Sachsen, kann das nur bestätigen. Bei ihr ist nicht nur regelmäßig die Lernplattform mit der Berufsschule zusammengebrochen, sie konnte auch ihre beiden Kinder nicht wie gewohnt zur Kita bringen. Auch fehlte ihr vor ihrer Abschlussprüfung im Frühsommer ausreichend Praxis. "Ich bin froh, dass wir am Montag wieder aufmachen dürfen", sagt sie. Erleichtert sei sie auch, dass sie seit kurzem wieder in die Berufsschule gehen könne. Anders als geplant werde sie sich jetzt aber zwischen Gesellen- und Meisterprüfung mehr Zeit lassen und ausreichend Praxis nachholen.

Wollseifer: Azubi-Prämie hängt die Latte noch zu hoch

Mit Blick auf das von der Bundesregierung im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachte Programm "Ausbildungsplätze sichern", hofft Handwerkspräsident Wollseifer auf die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigte Verlängerung und Erhöhung der Förderung. "Die Latte hängt immer noch zu hoch", sagt er. Noch profitierten zu wenige Betriebe im Handwerk davon. "Außerdem sollten Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen gefördert werden, damit die Auszubildenden in diesem Jahr trotz Schul- und Betriebsschließungen das erforderliche Kompetenzniveau erreichen", fordert er.