Bestandsinvestitionen gewinnen immer mehr an Bedeutung
Ausbaugewerbe gut beschäftigt
Baugewerbe: Die Bauwirtschaft ist nach dem moderaten Produktionsrückgang 2009 wieder auf einen Wachstumspfad eingeschwenkt. Hierbei entwickelten sich vor allem die Wohnungsbauinvestitionen zur treibenden Kraft. Innerhalb dieser Bausparte haben sowohl die Neubauaktivitäten als auch die Modernisierungsmaßnahmen zugenommen. Gestützt wurde der Aufwärtstrend durch niedrige Hypothekenzinsen, die stetige Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sowie das energetische Gebäudesanierungsprogramm. Von den gestiegenen Wohnungsbauinvestitionen profitierte in erster Linie das mittelständisch geprägte Bauhandwerk, denn es erbringt fast 90 Prozent der Leistungen in diesem Bausegment. Die gewerblichen Bauinvestitionen haben im Zuge der allgemeinen Konjunkturerholung wieder angezogen. Zum Teil wurden dabei Projekte verwirklicht, die man während der Wirtschafts- und Finanzkrise zurückgestellt hatte. Im öffentlichen Bau hielt dank der staatlichen Konjunkturpakete die Expansion an. Allerdings fiel der Zuwachs merklich schwächer aus als erhofft. Eine wesentliche Ursache für diese herbe Enttäuschung war die Aufgabe des sogenannten Zusätzlichkeitskriteriums durch die Bundesregierung, so dass die Kommunen ihre Investitionen außerhalb der Förderprogramme entsprechend reduziert haben.
Kraftfahrzeuggewerbe: Im Neuwagengeschäft machten sich nach dem Ausnahmejahr 2009 erwartungsgemäß die vorgezogenen Autokäufe bemerkbar, wobei im Jahresverlauf eine allmähliche Normalisierung festzustellen war. Insgesamt dürfte die Zahl der Pkw-Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf 2,9 Millionen gesunken sein. Besonders hohe Minusraten wiesen Autos bis zur Kompaktklasse auf, die 2009 sehr stark gefragt waren. Dagegen konnte das umsatzträchtige Segment ab der oberen Mittelklasse moderat zulegen. Das gedämpfte Interesse der Privathaushalte an Neuwagen hat den Preisdruck am Automarkt wieder erhöht. So räumten viele Händler und Hersteller den Käufern Rabatte von über 15 Prozent ein. Der Gebrauchtwagenmarkt zeigte 2010 einen ansteigenden Trend: Von Januar bis November wurden bereits sieben Prozent mehr Halterwechsel registriert als vor einem Jahr. Diese Entwicklung bestätigt eine Studie der Nürnberger GfK, wonach die deutschen Kunden beim Pkw-Kauf wieder Gebrauchtautos bevorzugen. Als Indiz für die Nachfragebelebung sind auch die anziehenden Verkaufspreise zu interpretieren, wenngleich diese immer noch unter dem Niveau vor der Krise lagen. Das Servicegeschäft präsentierte sich in recht robuster Verfassung. Darauf lässt zumindest die im Vorjahresvergleich leicht verbesserte Werkstattauslastung schließen.
Lebensmittelhandwerke: Im Jahr 2010 konnte dieser Handwerkssektor seine konjunkturelle Lage weiter festigen. Die Umsätze bewegten sich in etwa auf Vorjahresniveau. Gestützt wurde die Verkaufstätigkeit der Bäcker und Metzger von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sowie von verbesserten Einkommensperspektiven der Privathaushalte. Zudem haben die Betriebe die neuen Absatzwege – wie Außer-Haus-Verzehr und Partyservice – weiter erfolgreich forciert und damit flexibel und innovativ auf das veränderte Konsumverhalten der Kundschaft reagiert. Andererseits bekamen sie im traditionellen Ladengeschäft weiterhin den scharfen Preiswettbewerb durch Discounter und Billiganbieter zu spüren. Auch die Mitarbeiterzahl der Branche blieb insgesamt nahezu unverändert. Wobei allerdings die Bäckereien einen leichten Personalanstieg und das Metzgerhandwerk leichte Beschäftigungsverluste gegenüber dem Vorjahresstand meldeten. Die Brauereien mussten auch 2010 sinkende Absatzzahlen verbuchen. Immerhin dürfte der Rückgang des Bierkonsums – nach den bisher vorliegenden Daten für die ersten drei Quartale – moderater ausgefallen sein als 2009.
Gewerbe für privaten Bedarf: Das Gesundheitshandwerk registrierte nach einem stagnierenden Geschäftsjahr 2009 im Berichtszeitraum bescheidene Zuwächse bei Beschäftigung und Umsatz. Dabei erreichten die orthopädietechnischen Betriebe die besten Ergebnisse. Die Zahntechniker konnten ihre Umsätze ebenfalls vergleichsweise deutlich ausweiten. Allerdings haben die Dentallabors nach dem Einbruch infolge der letzten Gesundheitsreform noch erheblichen Nachholbedarf. Dagegen meldeten die Augenoptiker bei leicht gestiegener Beschäftigung ein fast unverändertes Umsatzergebnis. Während die Friseure Mühe hatten, einigermaßen Anschluss an die Entwicklung des Vorjahres zu halten, erzielten die meisten übrigen verbrauchernahen Dienstleister – wie z.B. Schneider, Textilreiniger und Schuhmacher – leichte Einnahmensteigerungen. Die Uhrmacher sowie insbesondere die Gold- und Silberschmiede schlossen das Jahr – wegen der stark erhöhten Edelmetallpreise – sogar mit zweistelligen Zuwachsraten ab.
dhz