Anders als in der Gesamtwirtschaft, die gerade den wirtschaftlichen Sinkflug etwas stoppen konnte, laufen die Geschäfte bei den Selbstständigen und Kleinstunternehmen weiter schlecht. Mittlerweile fühlt sich fast jeder fünfte Selbstständige durch den Auftragsmangel in seiner Existenz bedroht.

Droht nun eine neue große Krise bei den Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen? In der Zeit der Pandemie ging ihre Anzahl stark zurück. Allein zwischen 2019 und 2020 hat die Anzahl der kleinen Firmen um elf Prozent abgenommen. Und das könnte wieder geschehen, wenn man den Ergebnissen des neuen Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex aus dem Oktober 2024 folgt. Denn dort zeigt sich eine starke Existenzbedrohung, die die Selbstständigen besonders stark spüren.
Knapp die Hälfte der Selbstständigen leidet unter Auftragsmangel
Die Befragung von Betrieben mit weniger als neun Mitarbeitern zeigt aktuell, dass diese derzeit mit der Herausforderung kämpfen, genügend Aufträge zu bekommen. Stärker als die großen Firmen sehen sie sich dadurch gefährdet – denn auch die Erwartungen für die Zukunft versprechen nichts Gutes. Knapp die Hälfte der
Selbstständigen gibt an, unter einem Auftragsmangel zu leiden. Dieser hat dem Index zufolge im Oktober erneut zugenommen. In Folge fühlt sich mittlerweile fast jeder fünfte Selbstständige in seiner Existenz bedroht.
Matthias Henze, CEO des Internetdienstleisters Jimdo, der den Index gemeinsam mit dem ifo Institut herausgibt, warnt deshalb davor, dass der deutschen Wirtschaft nun das Gleiche drohen könnte wie zur Zeit der Coronakrise. Nötig wäre jedoch das Gegenteil, also wieder mehr kleine Firmen, die die Wirtschaft stützen: "Was wir jetzt brauchen, ist eine Regierung, die diesen Unternehmergeist anfacht und den Selbstständigen den Rücken stärkt", sagt er. Doch bereits seit vielen Jahren geht die Entwicklung nach unten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts nimmt die Zahl der Selbstständigen bereits seit zwölf Jahren stetig ab. Neugründungen können dies nicht auffangen, denn auch ihre Zahl ist gering.

Auftragsmangel bringt Selbstständige in Existenznot
Aktuell zeigt sich bei den kleinen Firmen auch eine gegenläufige Entwicklung zur Gesamtwirtschaft, denn "die Gesamtwirtschaft konnte den Sinkflug vorerst stoppen", sagt Katrin Demmelhuber vom ifo Institut. Dort verbesserte sich das Geschäftsklima erstmals wieder nach vier Rückgängen in Folge. Bei den Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen sieht es anders aus.
Das Geschäftsklima, bei dessen Werten die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen zusammengenommen werden, liegt im Oktober mit minus 22 Punkten auf dem drittschlechtesten, jemals gemessenen Wert. Nach Angaben der Wirtschaftsforscher liegt der Hauptgrund dafür bei der aktuellen Geschäftslage. Die kleinen Firmen bewerten sie mit minus 14,1 Punkten nochmals deutlich schlechter bewerteten als im Vormonat (minus 11,2 Punkte). jtw
