Die konjunkturellen Sorgen der Industrie ziehen auch das Baugewerbe weiter nach unten: Im Wirtschaftsbau spitzt sich die Lage weiter zu – mit Folgen für die Beschäftigung. Immerhin: Im Wohnungsbau scheint der Abwärtstrend allmählich sein Ende zu finden.

Der Bauwirtschaft fehlen in vielen Bereichen die Aufträge. "Nach dem Wohnungsbau belastet nun auch die konjunkturelle Schwäche der verarbeitenden Industrie zunehmend den Wirtschaftshochbau", sagte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Im Wirtschaftsbau läuft es dagegen noch besser. Er profitiert von erhöhten Investitionen in das Schienen- und Stromnetz sowie den Breitbandausbau. Insgesamt rechnet der Verband für das Baugewerbe für 2025 mit einem realen Umsatzrückgang von 2,5 bis drei Prozent auf knapp 160 Milliarden Euro – nach einem Minus von vier Prozent im laufenden Jahr.
Unternehmen investieren weniger und bauen Stellen ab
Der Mangel an Aufträgen bleibt nicht ohne Folgen: Viele Baubetriebe investieren weniger und bauen Personal ab. "Fünf Jahre realer Umsatzrückgang schlagen sich hier nieder", sagte Schubert-Raab. So werde 2024 die Zahl der Beschäftigten um 15.000 auf rund 912.000 sinken. Dabei werde es aber nur eine "ganz kleine Zahl von Kündigungen" geben. Der Großteil werde über die natürliche Fluktuation erfolgen. Für 2025 werde ein weiterer Rückgang um 7.000 auf 905.000 Beschäftigte erwartet. Daneben rechnet der Zentralverband für 2024 mit insgesamt 1.650 Insolvenzen, ein Plus von 17 Prozent gegenüber 2023. Von den drastisch hohen Werten von jährlich rund 5.000 Insolvenzen um die Jahrtausendwende sei man aber weit entfernt.
Im Wohnungsbau scheint Abwärtstrend gestoppt
Ganz schwarz malen will Schubert-Raab nicht. Insgesamt zeichne sich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau ab. "Die Unternehmen blicken nicht mehr tiefer ins Tal der Krise, sondern orientieren sich zunehmend entlang der Talsohle", erklärte er. Im Wohnungsbau stagnierten die Baugenehmigungen nach seinen Worten zuletzt auf niedrigem Niveau. Insgesamt bleibe man auch wegen der unzureichenden Neubauförderung vom ursprünglichen Ampel-Ziel von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr weit entfernt. Für 2024 werde mit 250.000 bis 255.000 Fertigstellungen gerechnet, nach 294.000 im Vorjahr. Insgesamt werde der Umsatz im Wohnungsbau 2024 real um 14 Prozent und 2025 um sieben Prozent zurückgehen.
Wirtschaftshochbau spürt Krise zusehends
Im Wirtschaftsbau schlägt sich nach Einschätzung des Verbands zunehmend die schwierige wirtschaftliche Lage großer Industriezweige wie der Automobilindustrie nieder. So rechnet der ZDB im Wirtschaftshochbau mit einem Umsatzminus von sieben Prozent auf 31 Milliarden Euro in diesem und vier Prozent im nächsten Jahr. Im Wirtschaftstiefbau sei dagegen mit einem Plus von real 9,0 Prozent beziehungsweise mit einem Plus von real 4,5 Prozent zu rechnen. Insgesamt erwarte man im Wirtschaftsbau 2024 ein leichtes Plus von real 0,4 Prozent auf 61,5 Milliarden Euro und 2025 eine weitere Stabilisierung.
Kommunen werden weniger investieren
Deutlich mehr Finanzmittel bräuchte nach den Worten Schubert-Raabs der öffentliche Bau. Der Einsturz der Carola-Brücke in Dresden sei nur ein Beispiel dafür. Allerdings werde der Investitionsstau durch unzureichende öffentliche Budgets weiter verschärft. Diese gelte auch für die Kommunen, die nach Angaben der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände einen Rückgang der Budgets für Bauinvestitionen in den nächsten Jahren von 34 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf unter 30 Milliarden Euro im Jahr 2027 erwarten. Hinzu kämen Herausforderungen durch die aktuelle vorläufige Haushaltsführung ab 2025. Insgesamt rechnet der ZDB für 2025 mit einer Stagnation der Umsätze nach einem realen Plus von drei Prozent auf 47 Milliarden Euro in diesem Jahr.
Verband fordert von neuer Regierung mehr Verlässlichkeit
Angesichts der anhaltend schwierigen Lage fordert der Verband von der nächsten Bundesregierung vor allem verlässliche Rahmenbedingungen. Nötig seien Maßnahmen, um die Bau- und die Baunebenkosten zu senken. So sollte der Gebäude-Typ E, der einfacheres Bauen mit niedrigeren Kosten ermöglichen soll, weiter verfolgt werden. Auch sollte man auf eine weitere Verschärfung der Baustandards verzichten. Zudem sollte die Förderpolitik nach Angaben des ZDB verlässlich und auskömmlich sein und der Zinsabstand zwischen Förderprogrammen und Marktzins nicht kleiner werden, wie dies zuletzt der Fall gewesen sei.