Wowereit bezeichnet übereilten Abriss als falsch Auftakt für Erinnerung an Mauerbau vor 50 Jahren in Berlin

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält Kritik an der nahezu flächendendeckenden und schnellen Beseitigung der Berliner Mauer für durchaus gerechtfertigt. Zum Auftakt der Gedenkprogramme aus Anlass des 50. Jahrestages des Mauerbaus sagte er am Dienstag über den Abriss: "Vielleicht war das falsch - aus Zwecken der Erinnerung, aber auch aus touristischen Zwecken."

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Auftakt für Erinnerung an Mauerbau vor 50 Jahren in Berlin

Berlin (dapd-bln). Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält Kritik an der nahezu flächendendeckenden und schnellen Beseitigung der Berliner Mauer für durchaus gerechtfertigt. Zum Auftakt der Gedenkprogramme aus Anlass des 50. Jahrestages des Mauerbaus sagte er am Dienstag über den Abriss: "Vielleicht war das falsch - aus Zwecken der Erinnerung, aber auch aus touristischen Zwecken." Es dürfe aber nicht die Stimmungslage nach dem Mauerfall vergessen werden.

Wowereit enthüllte am Dienstag an der Puschkinallee in Treptow die ersten zwei von insgesamt 24 "Mauerbildern". Auf ihnen wird an elf historisch bedeutsamen Standorten im Stadtgebiet die Geschichte der Grenzbefestigung gezeigt. Die großformatigen Bildtafeln werden nachts beleuchtet.

Bis zum 13. August und darüber hinaus sind in der ganzen Stadt und an der Landesgrenze zu Brandenburg Ausstellungen, Tagungen, Diskussionen und Kunstprojekte geplant. Organisiert wird das Programm von der landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH und der Stiftung Berliner Mauer. Gefördert werden die Projekte vom Land Berlin und von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 hatten Armee und weitere Einsatzkräfte der DDR den Ostteil Berlins von den drei westlichen Sektoren abgeriegelt. Der 160 Kilometer lange Grenzwall wurde seitdem bis 1989 systematisch ausgebaut. Hunderte Menschen starben bei dem Versuch, in den Westen zu gelangen. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 fiel die Mauer.

"Der 50. Jahrestag des Mauerbaus ist ein Tag des Schreckens für die Berliner", sagte Wowereit. "Die Stadt wurde geteilt, es wurden Familien auseinandergerissen, es hat viele, viele Tote gegeben." Daher sei dieser Tag ein "Tag der Schande und Tag der Trauer". Mit den verschiedenen Aktionen werde die jahrelang in Berlin geübte Praxis des Nach-Außen-Gehens zum Mauergedenken fortgesetzt. Die Erinnerung werde nicht an einem Ort, sondern an vielen Stellen wach gehalten.

Wowereit warb um Verständnis für den Umgang mit der Mauer ab 1989/90. "Viele werfen uns vor, dass nach der Wende die Mauer zu schnell abgerissen wurde", sagte er. Es dürfe aber nicht die Stimmungslage nach dem Mauerfall vergessen werden. Damals habe das Gefühl "Die Mauer muss weg" dominiert. Insofern sei der schnelle und flächendeckende Abriss folgerichtig gewesen.

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, erinnerte an den 15. Juni 1961. An diesem Tag sagte DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen." Aus diesem Anlass werde am 16. Juni in der Gedenkstätte Bernauer Straße das Buch "Ulbrichts Mauer" präsentiert, das zugleich den Auftakt für eine Expertentagung bildet. Ab Samstag, 19. Juni, wird Klausmeier zufolge in der Orangerie von Schloss Glienicke an die deutsche Teilung erinnert.

Im Ort Klein-Glienicke an der Stadtgrenze zu Potsdam befand sich während der Mauerzeit "die engste Stelle der DDR". Sie markierte einen Durchgang für die rund 500 Bewohner aus dem Dorf zum Staatsgebiet in Potsdam-Babelsberg. Von Samstag bis zum 3. Oktober werden speziell erarbeitete Führungen durch den Ort angeboten.

Für die Morgenstunden des 13. August kündigte Klausmeier eine Lesung zum Gedenken an die Mauertoten in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße in Berlin an. Am Vormittag ist dort die zentrale Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Christian Wulff geplant. Wulff soll anschließend am nahe gelegenen Denkmal einen Kranz nieder legen. Parallel singen Chöre auf der Straße das deutsche Volkslied "Die Gedanken sind frei". Für diese Aktion werden laut Klausmeier noch Mitstreiter gesucht.

r Förderverein Berliner Mauer und die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) riefen am Dienstag für den 13. August zu einer Schweigeminute auf.

dapd