Aufschwung mit Energie

Rollladen und Sonnenschutz: Während der Bundesverband sein 50-jähriges Bestehen feiert, haben die Betriebe volle Auftragsbücher

Georg Nüssgens, Betriebsinhaber und Vizepräsident des BVRS.+#x21e5;Foto: Nüssgens

Aufschwung mit Energie

Das Thema hilft“, sagt Manfred Lutz. Der 57-jährige Diplomingenieur, der einen Betrieb für Rollladen und Sonnenschutz in Urbach bei Stuttgart hat, spricht von der Energiewende. Er meint, dass die Kunden inzwischen zu ihm kommen und eine energetische Sanierung auch bei den Rollläden vornehmen. Seit einigen Jahren ist Lutz bereits in dem Segment tätig, doch die endgültige Abkehr vom Atomstrom und die aktuelle Diskussion um die mit hohen Einsparungen verbundene Sanierung haben der Nachfrage nochmal zusätzlichen Schwung verliehen.

Sanierung oft nur sinnvoll
im Ganzen

Lutz saniert für seine Kunden hauptsächlich ab September bis ins darauffolgende Frühjahr hinein die Rollläden und ihre Kästen. Denn vor allem bei Häusern, die vor 1975, also vor Erlass der ersten Energieeinsparverordnung, gebaut worden waren, gibt es so gut wie keine Isolierung. Zur Energieeinsparung beseitigt Lutz diese Wärmebrücken. Gleichzeitig versorgt er seine Kunden auch mit neuen Rollläden und wenn gewünscht mit neuen Fenstern. Denn Lutz hält nichts von Stückwerk. Eine Sanierung sei oft nur sinnvoll, wenn das ganze Fensterelement gewechselt würde. Im Zuge dieser Sanierungstätigkeit hat er 2006 sogar ein prämiertes Renovierungssystem entwickelt.

Auch Christoph Silber-Bonz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Rollladen + Sonnenschutz (BVRS) ist sich sicher, dass die Energiewende die Anzahl der Aufträge wachsen lässt. Zwar lasse sich anhand der in Umfragen erhobenen Daten der Grund für Auftragszuwächse nicht genau zuordnen, doch die Zahlen seien vielversprechend. Die Kapazitäten der Betriebe sind nach Auskunft des BVRS mit 98 Prozent praktisch ausgeschöpft. Der Auftragsbestand liege im Durchschnitt schon seit Jahresbeginn bei fünf Wochen. In diesem Umfeld sei es nicht erstaunlich, dass 54 Prozent der Betriebe für das zweite Halbjahr 2011 Investitionen geplant hätten. 23,8 Prozent der Unternehmen wollen ihr Personal aufstocken. Jeweils 73 Prozent der Betriebe vermelden gestiegene Nachfrage und ansteigende Umsätze.

Die Anzahl der Betriebe wächst ebenfalls. Derzeit sind 3.514 Unternehmen in die Handwerksrollen eingetragen. Damit habe sich die Anzahl der Betriebe seit Rückstufung des Handwerks in die Anlage B1 der Handwerksordnung nahezu verdoppelt, so der Verband. Doch die Mehrzahl der Gründungen ohne Meisterbrief verfüge nicht über das fachlich-technische Niveau, das für die energetische Gebäudesanierung nötig sei, sagt der Verband und fordert deshalb gerade wegen der Gefahrengeneigtheit der Arbeiten, die Branche wieder meisterpflichtig zu machen.

Weiterbildung ist zentrales Anliegen

Auch deshalb hat sich der Verband im Jahr seines 50-jährigen Bestehens ausdrücklich zur unbedingten Qualitätssicherung bei seinen Mitgliedern verpflichtet. Christoph Silber-Bonz sieht die Fort- und Weiterbildung als ein zentrales Angebot des BVRS an seine Betriebe. Der Organisationsgrad der Innungen lasse sich gerade mit solchen Dienstleistungen verbessern, ist er sich sicher. Sie müssten nur mehr bekannt gemacht werden.

Vizepräsident Georg Nüssgens hebt die politische Lobbyfunktion des Verbands hervor. „Wir präsentieren gegenüber den Politikern die Fähigkeiten und Leistungen unserer Betriebe“, sagt der 45-jährige Betriebsinhaber aus Aachen. Das sei gerade im Zusammenhang mit der Diskussion um die Gebäudesanierung wichtig. Nüssgens, der ebenfalls auf diesem Markt tätig ist, sieht hier noch Potenzial. Die Unternehmen sollten sich darauf spezialisieren, die Kunden auch außerhalb der eigentlichen handwerklichen Tätigkeiten zu unterstützen. Etwa durch die Beratung über Fördermöglichkeiten. „Wir arbeiten das für die Leute aus“, sagt er. Auch Manfred Lutz unterstreicht, dass diese Leistungen noch insgesamt zu wenig kommuniziert würden. Denn auch er ist sich sicher: „Die Kombination aus all diesen Angeboten führt zu lukrativen Aufträgen.“