DIW sagt 3,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr voraus - Kräftige Lohnerhöhungen erwartet Aufschwung geht fast ungebremst weiter

Die deutsche Wirtschaft ist weiter kräftig im Aufschwung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Prognose am Mittwoch angehoben und erwartet für dieses Jahr 3,2 Prozent Wachstum, eine halbe Million mehr Erwerbstätige und durchschnittlich 2,4 Prozent mehr Lohn.

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Aufschwung geht fast ungebremst weiter

Berlin (dapd). Die deutsche Wirtschaft ist weiter kräftig im Aufschwung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Prognose am Mittwoch angehoben und erwartet für dieses Jahr 3,2 Prozent Wachstum, eine halbe Million mehr Erwerbstätige und durchschnittlich 2,4 Prozent mehr Lohn.

Auch im nächsten Jahr werde die Konjunktur mit 1,8 Prozent immer noch kräftig zulegen, und die Arbeitnehmer könnten sogar eine Lohnerhöhung von 2,8 Prozent und damit "endlich mal wieder eine spürbare Reallohnsteigerung erwarten", sagte der DIW-Kuratoriumsvorsitzende Bernd Rürup in Berlin.

Motor des Aufschwungs blieben die Exporte. "Doch auch von den inländischen Investitionen gehen starke Impulse aus", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. "Die Wachstumsdynamik schwächt sich zwar ab, steht aber auf einer zunehmend breiteren Basis. Denn aufgrund der günstigen Arbeitsmarktlage und steigender Löhne dürfte der Aufschwung mehr und mehr auch beim privaten Konsum ankommen."

Die Abkühlung der Weltwirtschaft werde die deutsche Exportindustrie weniger stark treffen, sagte der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung. Die USA litten zwar zunehmend unter ihren Strukturproblemen, die japanische Wirtschaft schrumpfe, in China gingen die Wachstumsraten auf acht Prozent zurück, und Italien und Spanien stagnierten. Aber die deutsche Wirtschaft profitiere von der Spezialisierung auf hochwertige Industriegüter, die von wachstumsstarken Schwellenländern kräftig nachgefragt würden.

Der Aufschwung verliere kaum an Fahrt und verbessere auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter. Die Arbeitslosigkeit werde dieses Jahr auf 2,97 Millionen und nächstes Jahr auf 2,85 Millionen sinken, sagte DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. Mit den Unternehmensgewinnen stiegen auch die Löhne. Der durchschnittliche Zuwachs von 2,4 Prozent in diesem Jahr werde zwar von der Inflation in gleicher Höhe aufgefressen, aber nächstes Jahr hätten die Arbeitnehmer mit 2,8 Prozent Lohnerhöhung bei 1,8 Prozent Inflation tatsächlich mehr im Geldbeutel.

Steuersenkungen lehnte das DIW ab. "Jetzt die Steuern zu senken, ist angesichts der hohen öffentlichen Verschuldung, der Vorgaben der Schuldenbremse, aber auch angesichts zukünftiger Belastungen zum Beispiel für die Euro-Rettung oder die Energiewende kaum zu verantworten", sagte Fichtner.

Das öffentliche Defizit werde dieses Jahr zwar auf 1,7 Prozent halbiert und nächstes Jahr auf 0,9 Prozent sinken. Aber "die Verbesserungen des Staatshaushalts sind fast nur der guten Konjunktur zu verdanken. Die Politik hat bisher durch Konsolidierungen nur sehr wenig beigetragen", erklärte Fichtner. Rürup sagte: "Die kalte Progression ist ein Problem", aber "es gibt keinen Spielraum für Steuersenkungen". Besser wäre eine Korrektur der Steuertarife.

dapd