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Professionalisierung des Kosmetikhandwerks Kosmetiker fordern: "Unser Berufsbild gehört auf den Prüfstand"

Unter dem Hashtag #beautybranchestehtauf wehrten sich Kosmetikerinnen gegen die Schließung ihrer Betriebe während des Corona-Shutdowns. Jetzt engagieren sie sich für mehr Anerkennung und eine Professionalisierung ihres Handwerks.

Die Kosmetikerinnen haben es satt. "Wir haben niemanden, der für uns spricht", stellt Karin Huber-Ittlinger fest. Die Kosmetikerin aus Baindlkirch, einem kleinen Ort zwischen Augsburg und Fürstenfeldbruck, ist Mit-Autorin eines Positionspapiers, mit dem Kosmetikerinnen aus ganz Deutschland für eine Professionalisierung des Kosmetikhandwerks eintreten.

Qualität der Ausbildung variiert

Dieses Handwerk ist zutiefst zersplittert. Es gibt Unternehmerinnen, die ihr Wissen in einer dreijährigen dualen Ausbildung erworben und zusätzlich den Meister gemacht haben. Es gibt Selbstständige, die ein Jahr lang eine Fachschule besucht und ein weiteres Jahr ein Praktikum gemacht haben, bevor sie ihr Studio öffneten. Und es gibt Selbstständige, die nach kurzem Crashkurs – teils von der Bundesagentur für Arbeit per Bildungsgutschein gefördert – ein Studio öffnen. Jeder darf sich Kosmetiker nennen, denn der Beruf rangiert in der Handwerksrolle in der Anlage B2; ein zulassungsfreies, handwerks­ähnliches Gewerbe.

Diesen Zustand möchte Victoria Zimmermann aus Speyer nicht länger akzeptieren. "Wir arbeiten am größten menschlichen Organ, der Haut. Ich finde schon, dass es dafür eine entsprechende Grundausbildung braucht", sagt die Kosmetikerin. Sie hatte während des Corona-Shutdowns die Initiative zu #beautybranchestehtauf ergriffen. Mittlerweile haben sich ihrem Netzwerk auf Facebook knapp 1.400 Unternehmerinnen angeschlossen. Bereits in 13 Bundesländern hat sie Kolleginnen, die das Positionspapier an alle relevanten Stellen senden: Sie fordern eine Modernisierung der Ausbildung und Abschlüsse, die Meisterpflicht und eine eigene berufsständische Interessenvertretung – innerhalb des Handwerks und frei von Fördermitgliedern aus der Industrie.

Kosmetiker zählen zu Friseurinnungen

Zwar sind die Kosmetiker offiziell den Friseurinnungen zugeordnet, tatsächlich fehlt es in vielen Regionen aber an einer echten Vertretung. "Das ist ein Henne- und Ei-Problem. Wir können der Innung nicht beitreten, weil es keine Vertretung für uns gibt. Und es gibt keine Interessenvertretung für uns, weil niemand von uns in der Innung ist", so Huber-Ittlinger.

Auf regionaler Ebene tut sich schon etwas. Elke Städtler-Steinig aus Dresden hat mit viel Engagement bewiesen, wie sich das Gewerk von unten reformieren lässt. Die Kosmetikmeisterin hat ihren Beruf von der Pike auf gelernt, so, wie es nur in der DDR möglich war. "Von 1981 bis 1983 habe ich eine duale Kosmetikausbildung an der medizinischen Fachschule in Dresden gemacht", erinnert sich die 56-Jährige. "Damals war das ein mittlerer medizinischer Beruf." Acht Wochen der Ausbildung fanden in einer Hautklinik statt, weitere vier Wochen in einer Hautambulanz.

Kosmetiker waren mittlerer medizinischer Beruf

Dann folgte 1990 der Meister, der letzte Jahrgang vor der Wende. Mit der Wiedervereinigung kam die Degradierung des Berufs. Seither kämpft Städtler-Steinig um das Ansehen ihrer Branche. Sie bildet intensiv aus und erreichte, dass in Dresden wieder eine Kosmetikklasse an der Berufsschule eingerichtet wurde. Dort unterrichtet sie und sitzt in der Prüfungskommission für die Gesellenprüfung. "Und ich bin dabei, eine Kosmetikinnung in Dresden aufzubauen." Das sei gar nicht so schwierig gewesen. Zusammen mit der Friseurinnung und der Handwerkskammer Dresden habe sie eine Satzung aufgestellt, die demnächst verabschiedet werde. Victoria Zimmermann wünscht sich, dass dieses Vorbild in ganz Deutschland Schule machen kann und auf lange Sicht eine Bundesinnung möglich wird.

Bisher allerdings existiert eine Vielzahl an Einzelinteressen. Etwa 30 Verbände gibt es derzeit in der Kosmetikbranche, ein neuer ist im August dieses Jahres hinzugekommen: Der Bundesberufsverband der KosmetikerInnen in Deutschland (BBVKD). Er verfolgt ähnliche Ziele wie #beautybranchestehtauf: Die Ausbildung müsse an den heutigen Stand angepasst werden. Immer mehr Technik habe in den Kosmetikstudios Einzug gehalten, darunter Geräte, die nichtionisierende Strahlung verwenden, beispielsweise Ultraschall oder Laser. Ab 2021 verlangt der Gesetzgeber hierfür einen eigenen Fachkundekurs, "doch das gehört von Anfang an in die Ausbildung", fordert BBVKD-Geschäftsführer Nicolai Haase.

Aufstieg in der Handwerksordnung

Doch nicht alle Berufsverbände sehen die Initiative #beautybranchestehtauf so positiv wie der BBVKD, gerade weil sie den Zugang zum Markt regulieren möchte. Daisy Nancy Horn von der Kosmetik & Beauty Gesellschaft betont, dass es viele Möglichkeiten gebe, den Zugang zum Beruf zu reglementieren, nicht nur über den Aufstieg in der Handwerksrolle, sondern auch beispielsweise über Fach- und Sachkundenachweise.

Wie es nun weitergeht, steht und fällt mit einem gemeinschaftlichen Vorgehen. Aus dem Zentralverband des Deutschen Handwerks heißt es: "Der Schritt hin zu flächendeckenden regionalen und bundesweit tragfähigen Strukturen muss in erster Linie von den Betrieben selbst gewollt, initiiert und getragen sein." Immerhin: Mit der nächsten Änderung der Handwerksordnung rückt das Gewerk wohl auf; von der Anlage B2 in die Anlage B1, zu einem zulassungsfreien Handwerk.

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