Das Handwerk sucht weiter nach Lehrlingen. Steigende Ausbildungszahlen verzeichnen seit Jahren die Hörgeräteakustiker. Dabei sind mittlerweile 50 Prozent der Auszubildenden Abiturienten. Hörgerätemeister Udo Maurer aus dem baden-württembergischen Salach berichtet, wie er vier Auszubildende für seinen 30-Mitarbeiter-Betrieb gefunden hat.
Christina Geimer

Rund 750 Lehrlinge bilden die Hörgeräteakustiker in Deutschland pro Jahr aus. Die Hälfte davon tritt ihre Lehrzeit mit dem Abitur in der Tasche an. "Die handwerklichen, sozialen, technischen und betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten, die durch eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker erworben werden, sind eine ideale Grundlage für den weiteren Berufsweg", sagt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker.
Doch gerade die hohen Anforderungen in Naturwissenschaften und kommunikativer Ausdrucksweise machen es den Hörgeräteakustiker ist es nicht leicht, geeignete Ausbildungskräfte zu finden.
Hörgerätemeister Udo Maurer aus Salach in Baden-Württemberg macht vor wie es gehen kann. In seinem 30-Mitarbeiter Betrieb mit neun Filialen hat er zum ersten August wieder vier neue Azubis eingestellt: Sie sind zwischen 16 und 19 Jahren alt, einer hat Abitur, die anderen einen Realschulabschluss.
Neben Anzeigen in der Lokalpresse hat Udo Maurer in einen professionellen Internetauftritt investiert. Unter Ohrenlauscher-gesucht.de wirbt Hörakustik Betrieb Maurer um Jugendliche. In einem Video lässt der Betrieb seine damalige Auszubildende Sandra Wagner die Inhalte der Ausbildung vorführen. "In vielen Vorstellungsgesprächen haben die Bewerber mir gesagt, dass sie durch unsere Internetseite einen gute Einblick in die Arbeit bei uns bekommen haben", sagt Maurer.
Die übersichtliche Website zeigt die Vorzüge der Ausbildung auf. Maurer hebt sich in diesen Punkten ab…

Damit die Ausbildung der Lehrlinge im Betriebsalltag nicht zu kurz kommt, muss jeder Auszubildende einen Laufzettel ausfüllen – so stellt Maurer sicher, dass jeder Azubi sich ausreichend mit allen Themen rund um den Beruf des Hörgeräteakustikers beschäftigt, neben der normalen Ausbildung. Zusätzlich übt jeden Mittwochnachmittag eine der Meisterinnen mit allen Auszubildenden beispielsweise Fräsen, Löten und Beratungsgespräche. Gerade den Umgang mit der Kundschaft, die häufig über 60 Jahre alt ist, müssen viele Auszubildende erst lernen. "In den Mantel helfen und die Tür aufhalten, sollte selbstverständlich sein", meint Maurer.
Ansprechpartner für persönliche Probleme
Neben der Meisterin für die zusätzliche Mittwochs-Übung, hat Maurer auch eine Beauftragte für Auszubildende ernannt. "Für persönliche Probleme ist es gut, wenn die Auszubildenden jemanden neben ihrer Führungskraft und dem Chef haben, dem sie etwas anvertrauen können", erklärt der Hörakustikmeister. Denn Maurer weiß aus seiner 15-jährigen Ausbildungserfahrung, dass auch Probleme in der Familie oder mit Freunden die Arbeit im Betrieb belasten können…
Um auch neben der Arbeit einen Zusammenhalt zwischen den Beschäftigten zu fördern, organisiert der Betrieb von Zeit zu Zeit Ausflüge, zum Beispiel in ein Musical.
Bonus für Notenverbesserung
Im Hörgeräteakustiker-Handwerk findet die überbetriebliche Ausbildung zentral an der weltweit größten Bildungseinrichtung für Hörgeräteakustik in Lübeck statt. Doch der wochenlange Blockunterricht schreckt auch junge Schulabgänger ab. "Wir hatten schon Bewerber, die die Ausbildung wegen des Blockunterrichtes in Lübeck nicht angetreten sind", sagt Maurer. Er übernimmt einen Teil der Fahrtkosten und der Unterbringung, um den Aufenthalt den Auszubildenden zu erleichtern.

Auch wenn er Mängel in schulischen Vorbildung sieht, greift der Hörakustikmeister ein: "Es gibt immer wieder Auszubildende die Probleme mit der Rechtschreibung und dem Prozentrechnen haben." Eine der Meisterinnen bietet abends zusätzlich Nachhilfe für diese Lehrlinge an.
Damit die schulische Motivation steigt, setzt Maurer auch auf finanzielle Anreize: "Wir haben eine Formel erstellt, nach der die Auszubildenden für eine Noten- und Schnittverbesserung einen Bonus bekommen." Damit sie sich anstrengen und nicht vergessen das Zeugnis im Betrieb vorzuzeigen, müssen sie einen Antrag auf die Prämie stellen und den Bonus selbst ausrechnen. Bis zu 100 Euro können die Lehrlinge dadurch bekommen.
Festanstellung für Meisterfortbildung
Handwerksmeister Maurer bildet mit dem Ziel aus, die Nachwuchskräfte zu übernehmen. Dabei bietet er ihnen die Möglichkeit berufsbegleitend den Meister zu machen. Das Gehalt läuft während dieser Zeit weiter. Der Betrieb unterstützt die Meistervorbereitung mit zusätzlichen Urlaubstage, welche die Gesellen später wieder ausgleichen können. Auch stellt er ihnen die Prüfungsmaterialien. Im Moment nehmen vier Mitarbeiter an einem Meisterkurs teil.