Reisende Bauhandwerker Auf der Walz: "Sachen packen, weiterziehen und neue Leute treffen"

Mirco König und Rico Gosch sind auf Wanderschaft. Der eine ist schon seit sieben Jahren unterwegs, der andere startet gerade. Bislang sind sie quer durch Deutschland gereist. Das nächste Ziel steht auch schon fest.

Zwei Gesellen auf der Walz
Unterwegs für ihr Handwerk (v. l.): Rico Gosch aus Kiel und Mirco König aus Aschaffenburg gehören der Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen an. Auf ihrer Wanderschaft machten sie vor den Osterfeiertagen einen kurzen Stopp in Würzburg. - © Nadine Heß

Ein wenig müde sehen sie aus, als sie in der Hauptverwaltung der Handwerkskammer für Unterfranken vorsprechen. Die beiden Wandergesellen Mirco König und Rico Gosch sind in den letzten Tagen einmal quer durchs Land gereist. Aus dem Süden Deutschlands ging es über Leipzig bis an die dänische Grenze, danach nach Hamburg und schließlich nach Würzburg. Ihr Aufenthalt hier sei nur ein Zwischenstopp, erzählen sie. Das nächste Ziel, eine Baustelle in Niederösterreich, haben die Maurer bereits fest auf der Karte markiert.

"Das Schöne an der Walz ist für mich, dass ich frei bin. Ich kann von heute auf morgen meine Sachen packen und weiterziehen, neue Leute treffen, etwas Neues lernen", erzählt Mirco König. Der 30-Jährige genießt diese Freiheit jetzt schon seit über sieben Jahren. Gestartet ist er 2015 in Aschaffenburg und hat nach eigener Rechnung in der Zwischenzeit über 40 Firmen in Europa kennengelernt. Zum Beweis holt er sein Wanderbuch aus der Innentasche seiner Kluftjacke, worin die Stationen der Wanderschaft mit Datum und Arbeitsnachweisen, Siegeln der durchreisten Orte und teils auch persönlichen Widmungen festgehalten werden. Es hat nur noch wenige freie Seiten.

Weltweit verbunden

Mirco König und sein Begleiter Rico Gosch gehören der Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen an. Sie ist die älteste Vereinigung reisender Bauhandwerker und traditionell mit Wandergesellschaften in anderen europäischen Ländern vernetzt, etwa in Frankreich, Luxemburg, Belgien, Österreich und der Schweiz oder auch in Skandinavien. Viele dieser Länder hat Mirco König auf seiner Wanderschaft schon bereist. Für Rico Gosch sind sie mögliche Anlaufpunkte. Denn im Gegensatz zu seinem Begleiter ist der 21-Jährige aus Kiel erst seit kurzer Zeit unterwegs.

Stempel im Wanderbuch
Stationen im Wanderbuch: Die Siegel und Widmungen sind für Mirco König lebenslange Erinnerungen an seinen Weg auf Wanderschaft. - © Nadine Heß

Nach den traditionellen Regeln der Walz hat er sich verpflichtet, mindestens drei Jahre und einen Tag lang auf Wanderschaft zu gehen. Ihn treibt dabei an, was schon seit vielen Jahrhunderten der Kern der Walz ist: Er möchte Neues lernen und seine handwerklichen Fähigkeiten verfeinern. Während der Wanderjahre lernt er aber nicht nur neue Arbeitsweisen, sondern vor allem auch andere Denkweisen und Kulturen kennen. Die Zeit der Walz ist somit auch eine Reifezeit, die ein Leben lang prägt. Dass sie sich während der Wanderschaft immer mindestens 50 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt aufhalten müssen, ist für Rico Gosch und Mirko König kein Problem. Denn: "Wir haben die 50 Kilometer gegen den Rest der Welt eingetauscht", formuliert es der Aschaffenburger Mirco König.

Für die beiden geht es dann auch schon weiter. Bevor sie aber die nächste Arbeitsstelle ansteuern, soll erst noch einmal gefeiert werden. "Wir wollen zum Nürnberger Volksfest", sagt Mirco König und ergänzt mit einem Lachen: "Vielleicht treffe ich dort die Liebe meines Lebens, dann bleibe ich einfach dort." Nach sieben Jahren denkt er nun doch ab und zu an das Ende seiner Wanderschaft – die restlichen Seiten in seinem Wanderbuch will er aber erst noch füllen.