Zum 250. Geburtstag von Friedrich von Schiller Auf den Spuren des großen Dichters und Denkers

Baden-Württemberg ist für vieles bekannt: schöne Landschaften, prächtige Schlösser, hervorragende Weine, gutes Essen – die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Aber vor allem einer unserer ganz großen Dichter und Denker lebte hier. Und ihm zu Ehren wird allenthalben seines 250. Geburtstages gedacht.

  • Bild 1 von 3
    ©
    Das Schillermuseum in Mannheim. Foto: B. Reibel
  • Bild 2 von 3
    ©
    Fachwerkhäuser in Marbach. Foto: B. Reibel
  • Bild 3 von 3
    ©
    Fröhliche Gesellschaft auf Schloss Ludwigsburg. Foto: B. Reibel

Auf den Spuren des großen Dichters und Denkers

Veranstaltungen in Mannheim, Marbach am Neckar, Ludwigsburg und Stuttgart zeigen die Spuren auf, die uns am Leben des jungen Schiller teilnehmen lassen.

In Marbach, einer der ältesten schwäbischen Landstädte mit wunderschön restaurierten Fachwerkhäusern, steht Schillers Geburtshaus. Ärmlich wuchs hier der kleine Friedrich auf; ein Zimmer und Küche – beide winzig – mussten genügen für Mutter und zwei Kinder, da die Familie verarmt war. Das ausgestellte Taufkäppchen bezeugt jedoch, dass die Mutter aus einer geachteten Marbacher Familie stammte. Der Vater, der sich als Wundarzt in der kleinen Stadt niedergelassen hatte, und nach dem Tode seines Schwiegervaters vergeblich auf eine Erbschaft hoffte, kehrte nach Lorch in den Militärdienst des Herzogs zurück.

In Frau Schillers neuer Bleibe in Marbach selbst eröffnete in diesem Frühjahr Ministerpräsident Öttinger eine neue Dauerausstellung, die sehenswert ist. Der Einsatz der neuen Medien ermöglicht einen Überblick über das Leben Schillers. Damit nicht genug: Die Marbacher haben es geschafft, der Literatur hier eine Heimstätte zu geben. Auf der Schillerhöhe steht das Literaturmuseum der Moderne, das europaweit das einzige Museum ist, das sich ausschließlich der Literatur widmet. Man findet hier auf 600 qm Ausstellungsfläche ungeahnte Schätze, u.a. Original-Manuskripte von Kafka, Rilke, Döblin, Hesse und Kästner. Unmittelbar daneben befindet sich das Schiller-Nationalmuseum. Die Ausstellungsstücke beider Museen werden im Deutschen Literaturarchiv, das auch hier zu Hause ist, gesammelt. Insgesamt 750.000 Bände der Primär- und Sekundär-Literatur zur deutschsprachigen Literatur seit 1750 nennt das Institut sein eigen. In allen drei Häusern werden ganzjährig Führungen veranstaltet.

Nun aber wieder zu Schiller. Mit vier Jahren verließ er Marbach, um nie wieder zurück zu kehren. Die Familie zog von Lorch nach Ludwigsburg, da der Vater sich in die neue Residenz des Fürsten Carl Eugen versetzen ließ. Begeistert von dem Prunk und dem Aufwand in der barocken Stadt und den Opernaufführungen in dem wunderschönen kleinen Theater, besuchte Friedrich sechs Jahre die dortige Lateinschule und soll als 13-jähriger sein erstes Stück "Die Christen" verfasst haben.

Das Schillerjahr brachte die Ludwigsburger auf die Idee, unter dem Motto "Schillers Orte – Schillers Worte" eine Stadtführung anzubieten, die zu gefallen weiß. Stadtführer Könninger und Schauspieler und Literatur-Performer Gerald Friese kombinieren historische Fakten mit Textrezitationen . Das Ganze macht Akteuren und Publikum einen Heidenspaß. Termine sind der 15. Juli, 15. August und 1. November dieses Jahres.

Da der Herzog von den guten Leistungen des jungen Schillers gehört hatte, verfügte er, dass der Schüler, der eigentlich Pfarrer werden wollte, auf die militärische Pflanzschule , die sogenannte Karlsschule zu gehen hatte, wo er dem Unterordnungszwang seines Fürsten ausgeliefert war und sogar das Schreiben verboten bekam.

Als der Herzog auf seinem Schloss Solitude nahe Stuttgart zu Ehren des späteren Zaren Paul und dessen Frau, einer Nichte des Fürsten, ein großes Fest veranstaltet, nimmt Schiller dies zum Anlass, mit seinem Freund, Andreas Streicher aus Württemberg in das kurpfälzische Mannheim zu fliehen. Vorher hatte der Herzog Carl Eugen ihm unter Gefängnisstrafe verboten, "Litteratisches" zu schreiben.

In Mannheim hatte der pfälzische Kurfürst das Sagen. Er war ein Förderer der Kunst und so fand Schiller hier seine Chance und konnte am 13. Januar 1783 die Uraufführung der Räuber mit einem legendären Erfolg feiern. Friedrich Schillers Wohnung im Quadrat B5 wurde im letzten Krieg zerstört, jedoch ist noch ein kleines Gebäude aus dem 18. Jahrhundert vorhanden. So kann man sich gut eine Vorstellung von den Wohnverhältnissen in dieser Zeit machen. Hier ist das Museum Schillerhaus eingerichtet, Mannheims erstes und bisher einziges Literaturmuseum. Auch sonst lassen sich seine Spuren leicht verfolgen. Heute noch gibt es den "Fliegenden Holländer", ein Gasthaus, das Schiller gerne aufsuchte. Überliefert ist, dass sein Lieblingsplatz eine Laube im Hof des Anwesens war.

Die Stadt Mannheim wirbt für "Radfahren auf den Spuren Schillers". Nicht, dass es zu Zeiten Schillers je Räder gegeben hätte, aber der Dichter machte sich an manchen Abenden auf den etwa einstündigen Fußweg nach Oggersheim, und sei es nur, um im "Silbernen Schlüssel" einzukehren und den Unterschied zwischen baden-württembergischen und pfälzischen Weinen zu probieren.

dhz