Wärmepumpen-Hochlauf Auf Augenhöhe mit Habeck: Minister stellt sich SHKlern

Der Bundeswirtschaftsminister informierte sich in der SHK-Innung München über die Hürden beim Wärmepumpen-Hochlauf. Diese Fragen stellten ihm die angehenden Meister.

Minister Habeck unterhält sich mit Meisterschülern im Wärmepumpencampus der SHK-Innung München
Keine Berührungsängste: Bundesminister Robert Habeck tauscht sich mit angehenden Meistern im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk über ­Wünsche und Probleme der Betriebe aus. - © Matthias Balk/SHK-Innung München

Ein wenig nervös sind die angehenden Meister im Wärmepumpencampus der SHK-Innung München schon, als Robert Habeck auf sie zugeht. "Müsst ihr nicht sein, fragt einfach los, das ist die Gelegenheit, sich auszutauschen", sagt der Minister und mischt sich unter die Meisteranwärter.

Drei Stunden Zeit hatten die jungen Männer in der Innung Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik München, um sich auf den Besuch des Ministers vorzubereiten. Die erste Frage kommt entsprechend schnell. In der Gesellschaft gebe es immer noch große Unsicherheit im Hinblick auf die Wärmepumpe; theoretisch müsste man jeden Kunden einen halben Tag lang beraten. Das könne aber kein Betrieb leisten, beschreibt einer der Meisterschüler und fragt, wie der Minister das sehe.

"Ich hoffe, dass sich die Debatte um Heizsysteme jetzt beruhigt", reagiert Habeck. Viele Gerüchte zur Wärmepumpe seien als Falschinformationen erkannt worden. Die Wärmepumpe funktioniere in der Regel auch im Altbau und in Etagenwohnungen. Aktuell sehe er wieder steigende Zahlen beim Wärmepumpeneinbau. Sofern politisch nicht erneut alles infrage gestellt werde, rechne er mit einem schnellen Hochlauf. Deutschland hole damit nur auf, was im europäischen Ausland schon Standard sei.

Fördermittel sind sicher bis 2028

Habeck nimmt sich viel Zeit für diesen Besuch in der Innung. Die angehenden Meister treiben dabei ähnliche Fragen um wie den Obermeister Olaf Zimmermann und den Geschäftsführer Ralf Suhre, die sich vorab hinter verschlossenen Türen mit dem Minister austauschten: über Förderung, Unsicherheiten im Markt, Unruhe aufgrund von Aktivitäten der örtlichen Versorgungsunternehmen sowie Aus- und Weiterbildung.

Die Fördermittel, so versichert Habeck, seien bis 2028 sicher. Ausbilder Michael Engel hält dagegen, dass deren Höhe nicht ausreiche, um eine alte Heizanlage auf eine Wärmepumpe umzustellen. Statt einer Zuschusshöhe von maximal 30.000 Euro sei eine Verdoppelung wünschenswert. Zudem, so ergänzt Geschäftsführer Suhre, gebe es im Förderwesen durch den Wechsel vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zur Kreditanstalt für Wiederaufbau bürokratische Hürden. Da komme eine Überarbeitung, signalisiert der Minister.

Auf den Hinweis der Meisteranwärter, dass Energieberater regelmäßig sechs bis zehn Monate auf die Auszahlung der Fördergelder warten müssten, reagiert Habeck sofort. Er bittet um konkrete Fälle, anhand derer sein Ministerium nachverfolgen könne, was diesen Vorgang so verlangsamt.

Höhere Standards machen Wärmepumpen in Deutschland teurer

Auf Habecks Frage, warum in Deutschland der Einbau von Wärmepumpen deutlich höhere Kosten verursache als im Ausland, wird es lebhaft im Raum. Höhere Anforderungen durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) führten zu technisch aufwendigeren Lösungen, sind sich die anwesenden Handwerker einig. Sie verweisen auf Einzelraumlösungen und Pufferspeicher, stellen aber gleichzeitig fest, dass diese Anforderungen ihren Sinn haben. Oft genug würden sie von Fremdkunden zu Anlagen gerufen, weil diese nicht effizient liefen; in der Regel, weil der einbauende Betrieb die Anforderungen nicht korrekt erfüllt habe, bestätigen die Handwerker reihum.

"Und damit reden wir dann über Aus- und Weiterbildung", betont Suhre. Im Münchner Bildungszentrum, das sich "Europas modernstes Ausbildungszentrum für das Spengler-, Sanitär- und Heizungsbauerhandwerk" nennt, vermittele man unter anderem die notwendigen hydraulischen Grundlagen für die Umrüstung auf die Wärmepumpe. Auch diesen Lernaufwand müssten die Betriebe in ihre Kosten einpreisen.

Bedeutung guter Ausbildung im SHK-Handwerk

Angesprochen auf den hohen Strompreis in Deutschland verweist Habeck auf den offenen Markt. "Es gibt genug Anbieter, die Tarife für Wärmepumpenstrom anbieten." Zudem müssten Stromversorger ab dem kommenden Jahr variable Stromtarife im Portfolio haben. Die Anschaffung der Wärmepumpe sei teurer. Aber mit der Förderung, mit Pufferspeichern und mit einer PV-Anlage im Hintergrund rechne sich die Investition, so Habeck. "Wenn man das klug aufsetzt, spart man am Ende Geld. Und dafür gibt es ja Meister, die das alles gut machen."

Hinterher sind die angehenden Meister zufrieden mit dem Besuch. "Es war cool, Habeck mal persönlich zu treffen. Der ist ja ein total lockerer Typ", sagt Felix Spatschek, der einen Betrieb in München führt. Ob das Gespräch etwas gebracht habe, könne er nicht sagen. "Aber grundsätzlich finde ich so einen Austausch wichtig."