Für Ausbilder -

8 Tipps für Ausbildungsbetriebe Wie Sie die Generation Z erfolgreich führen und motivieren

An Greta Thunberg scheiden sich die Geister: Den einen geht die 16-jährige Schwedin und Initiatorin der "Fridays-for-Future"-Streiks auf die Nerven mit ihren Forderungen und der Chuzpe, in der ersten Riege der Weltpolitik mitsprechen zu wollen. Den anderen imponiert dieses selbstsichere Auftreten in so jungen Jahren. Thunberg steht für die Generation Z und eine Haltung, die auch Ausbildern oft das Leben schwer macht. Tipps von Jugendforscher Klaus Hurrelmann.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Zukunft Bildung

Selbstbewusstsein, klare Vorstellungen, wie die Dinge zu laufen haben, unverhohlene Kritik auch gegenüber Höhergestellten – all das sind typische Züge der Geburtenjahrgänge ab 1997.

Durch die geänderte wirtschaftliche und demografische Lage hat sich innerhalb weniger Jahre die Chancenstruktur am Arbeitsmarkt gedreht. Die Jugendlichen sind jetzt Anbieter, die Unternehmer Nachfrager. "Und das kommt der Jugend entgegen“, erkennt Klaus Hurrelmann, Professor of Public Health and Education an der Hertie School. Aus seinen Forschungen zu Gesundheit und Sozialisation von Jugendlichen weiß er: "Von zu Hause ist diese Jugend gewohnt, gleichberechtigt behandelt, behütet und positiv bestärkt zu werden.“

Hurrelmann: "Diese Jugend ist es gewohnt, gleichberechtigt behandelt zu werden."

Sabine Bleumortier nähert sich dem Thema von der praktischen Seite. Sie coacht Ausbilder und Azubis und bestätigt: "Für diese Generation ist es normal, überall mitreden zu dürfen.“ Entsprechend empfindlich reagiere sie auf einen rauen Umgangston, fehlende Wertschätzung oder Kritik. Hurrelmann wie Bleumortier sind sich einig: Wer die Generation Z ausbilden will, muss umdenken. Folgende Punkte sind zentral:

  1. Arbeitszeiten:
    Die Generation Z will sich nicht von der Arbeit auffressen lassen. "Während der festgelegten Arbeitszeit ist sie leistungsbereit, aber nicht darüber hinaus“, so Bleumortier. Die Arbeitszeit muss berechenbar sein. Soll der Azubi mal länger bleiben, müsse der Chef ihm das frühzeitig sagen und einen Ausgleich anbieten. "Diese Generation erwartet Deals auf Gegenseitigkeit“, ergänzt Hurrelmann. Der Verweis auf flexible Arbeitszeit, der bei vorhergehenden Generationen noch als Pluspunkt galt, ist für die Generation Z eher abschreckend. Sie vermutet dahinter verdeckte Überstunden oder ein Vermischen der Arbeits- mit der Privatsphäre. Motivierend wirkt Flexibilität erst dann, wenn die jungen Leute eine Familie gründen und ihnen das Unternehmen durch flexible Zeiten entgegenkommt.
  2. Hierarchien:
    Ob Chef, Meister oder Geselle – die Generation Z betrachtet sich als gleichberechtigt. Sie will auf Augenhöhe behandelt werden, will in ihrer Arbeit Sinn erfahren und ist nicht bereit, nur Handlangerdienste oder niedere Arbeiten auszuführen.
  3. Konzentriertes Arbeiten:
    Die Generation Z ist schnell – schnell informiert, da 24 Stunden online, aber auch schnell abgelenkt, aus demselben Grund. Wer als Unternehmer diszi­pliniertes Arbeiten fördern will, kommt mit Anordnungen nicht weiter. "Er muss sie mitnehmen, ihnen nachvollziehbar machen, warum es wichtig ist, an einer Aufgabe dranzubleiben“, rät Hurrelmann und empfiehlt, sich die nötigen pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten durch Weiterbildungen anzueignen.
  4. Motivation:
    Karriere um der Karriere willen oder um mehr Geld zu verdienen, lockt die Generation Z nicht. Sie will sich bei der Arbeit wohl fühlen, ähnlich wie im Elternhaus sichere Rahmenbedingungen bekommen, eine angenehme Atmosphäre, positives Feedback und eine intensive Betreuung vorfinden: "Das Unternehmen übernimmt eine Familienrolle“, fasst Hurrelmann die Erwartungen zusammen. Wer die Generation Z zu mehr Leistung motivieren will, sollte ihr den tieferen Sinn und Zweck jeder Aufgabe erklären, statt nur Aufträge zu erteilen.
  5. Nachfolge:
    Wenige junge Leute interessieren sich dafür, den Betrieb ihrer Eltern oder ihres Chefs eines Tages zu übernehmen. Das gelebte Vorbild der Älteren mit 60-Stunden-Wochen ohne Pausen und Urlaube widerspreche ihren Vorstellungen von Work-Life-Balance. "Da muss ich als Unternehmer meinen ganzen Betrieb durchleuchten und prüfen, ob ich Arbeitszeiten anders organisieren kann“, bestätigt Bleumortier. Hier gehe es um grundsätzliche Strukturen des Betriebs und die Vorbildfunktion des Chefs.
  6. Smartphone:
    Wollen Unternehmer den ständigen Blick aufs Smartphone unterbinden, braucht es klare Regeln – die für alle gleichermaßen gelten, vom Azubi bis zum Chef. Wird das Smartphone auch dienstlich genutzt, z.B. zum Ausfüllen des Berichtshefts, sollten feste Zeiten dafür vereinbart werden.
  7. Umgang mit Kritik:
    Während die Jugendlichen ihre Meinung gern unverblümt äußern, reagieren sie selbst empfindlich auf Kritik. Hurrelmann empfiehlt, unaufgeregt und pädagogisch zu handeln und auf gleichberechtigte Kommunikation zu achten: Äußert der Azubi seine Meinung, lohne es sich, diese offen anzuhören und ihm die Möglichkeit zu bieten, seine Überlegungen auch im Team vorzustellen, um sie dann sachlich zu besprechen. Umgekehrt müsse Kritik am Verhalten oder an der Arbeit des Azubis ebenfalls auf Augenhöhe stattfinden. "Der Ausbilder sollte jede autoritäre, dozierende Komponente herausnehmen“, rät Hurrelmann. Die Generation Z will selber nachvollziehen, warum eine Arbeit nötig ist und ob die eigene Leistung den Anforderungen entspricht.
  8. Verantwortung:
    Während es noch bis vor kurzem hieß, Mitarbeiter ließen sich motivieren, indem sie eigenverantwortlich arbeiten dürften, gilt das für die Generation Z nicht. Die Aussicht, aufzusteigen und den Laden eines Tages zu übernehmen, wirkt auf sie regelrecht abschreckend. "Man darf ihnen gerade nicht sagen, dass man sie binden will und ihnen Verantwortung übertragen möchte“, warnt Klaus Hurrelmann. Eher gelinge es, im Jugendlichen über Erfolgsgefühle und Freude an der Arbeit Interesse an einem Aufstieg zu wecken.
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