Vergütung wird doch nicht gekürzt - Boom flaut zu Jahresbeginn ab - Trotzdem gute Prognose für 2011 Auch nach dem 1. Juli die volle Solarstromförderung

Neue Solaranlagen werden auch nach dem 1. Juli ohne Abstriche gefördert. Die angekündigte Senkung der Vergütung fällt aus, wie die Bundesnetzagentur am Donnerstag bestätigte. Hintergrund ist eine Delle beim Zubau neuer Photovoltaikanlagen zu Jahresbeginn.

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Auch nach dem 1. Juli die volle Solarstromförderung

Berlin (dapd). Neue Solaranlagen werden auch nach dem 1. Juli ohne Abstriche gefördert. Die angekündigte Senkung der Vergütung fällt aus, wie die Bundesnetzagentur am Donnerstag bestätigte. Hintergrund ist eine Delle beim Zubau neuer Photovoltaikanlagen zu Jahresbeginn. Für das gesamte Jahr 2011 erwartet die Branche aber gute Zahlen: Vermutlich würden Anlagen mit 5.000 Megawatt Leistung neu gebaut, sagte Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft der Nachrichtenagentur dapd.

Damit hätte die deutsche Solarbranche zwar nur zwei Drittel des Werts von 2010 erreicht, als Anlagen mit 7.400 Megawatt neu gebaut wurden, aber immer noch deutlich mehr als 2009 (3.800 Megawatt). Die Bundesregierung hatte zuletzt versucht, das Marktwachstum zu drosseln. Denn die Solarstromanlagen werden über eine Umlage auf den allgemeinen Strompreis gefördert, und diese war zu Jahresbeginn um 70 Prozent auf 3,5 Cent je Kilowattstunde in die Höhe geschnellt.

Deshalb schrieb Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Erneuerbare-Energien-Gesetz einen Mechanismus fest, der die Verteuerung bremsen sollte: Sofern im ersten Halbjahr 2011 für das Gesamtjahr der Bau von Anlagen mit mehr als 3.500 Megawatt absehbar wären, sollte die Vergütung für den Solarstrom bereits zum 1. Juli erneut gekürzt werden.

Tatsächlich rechnet die Bundesnetzagentur auf Grundlage bisheriger Zahlen aber nur mit 2.800 Megawatt Zubau für dieses Jahr, wie sie in Bonn mitteilte. Basis für die Prognose sind die Monate März bis Mai, in denen nur 700 Megawatt Leistung installiert worden sei. "Mit den jetzt veröffentlichten Daten verschaffen wir allen Marktakteuren schnellstmöglich Klarheit", erklärte Behördenchef Matthias Kurth.

Sonderkonjunktur im vergangenen Jahr

Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet aber, dass der Markt in den nächsten Monaten wieder anzieht. Bei aller Unsicherheit der Prognose ließen sich etwa 5.000 Megawatt Zubau absehen, sagte Hauptgeschäftsführer Körnig der dapd. Die Abkühlung zu Jahresbeginn erklärte er damit, dass 2010 wegen der damals diskutierten scharfen Kürzung der Solarförderung besonders viele Anlagen gebaut wurden. Körnig sprach von Vorzieheffekten und einer Sonderkonjunktur.

Zudem seien mit den Einschnitten bei der Vergütung die Margen der Investoren schmaler geworden seien, sagte Körnig. Binnen zweieinhalb Jahren seien die Fördersätze um 45 Prozent gesunken. Derzeit liegen sie - je nach Anlagengröße - bei etwa 22 bis 29 Cent je Kilowattstunde.

Würde tatsächlich der von Körnig erwartete Zubau von 5.000 Megawatt erreicht, brächte dies nach Röttgens Plan automatisch weitere Einschnitte bei der Förderung mit sich - nur nicht zum 1. Juli, sondern erst zum 1. Januar 2012, wie der Verbandsmanager sagte. Absehbar wäre dann eine Kürzung um weitere 15 Prozent.

CDU-Wirtschaftsflügel will Deckel bei einem Gigawatt

Auch der CDU-Wirtschaftsfachmann Michael Fuchs erwartet ein Anziehen des Solarstrommarkts in den nächsten Monaten. "Die Flaute ausgerechnet in den Referenzmonaten kommt nicht zufällig", sagte Fuchs der "Financial Times Deutschland". "Danach wird es wieder einen Ansturm geben. Diesen Effekt gab es bereits in der Vergangenheit." Der Wirtschaftsflügel der Union wolle den Zubau von Solarstrom auf ein Gigawatt pro Jahr beschränken.

Derzeit deckt Solarstrom rund zwei Prozent des deutschen Strombedarfs. Bis 2050 will die Branche jede vierte Kilowattstunde für deutsche Haushalte und Unternehmen liefern.

dapd