Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima fordert auch für alte Heizungen eine Umweltprämie – als Anschub für die Konjunktur
Von Frank Muck
Auch Heizungsbauer wollen abwracken
Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) fordert für veraltete Heizungen ebenfalls eine Abwrackprämie. Hauptgeschäftsführer Michael von Bock und Polach sieht sich vor allem durch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts EMNID bestätigt, wonach fast jeder zweite Eigenheimbesitzer in Deutschland seine Heizungsanlagen modernisieren würde, wenn es dafür eine staatliche Prämie gäbe. Neben dieser Forderung an die Politik präsentierte der Verband vergangene Woche die jüngsten Konjunkturdaten zur Jahrespressekonferenz in Berlin.
Nur 12 Prozent aller Anlagen sind effizient
Die Zeit für eine Modernisierung sei in jedem Fall überfällig, so von Bock und Polach. Denn nach Verbandsangaben arbeiten nur 12 Prozent aller Heizungsanlagen energieeffizient und umweltschonend. „Eine Abwrackprämie für alte Heizungskessel wird nach unserer Überzeugung den Modernisierungsstau im Heizungskeller schlagartig auflösen“, sagt der Hauptgeschäftsführer. 39 Prozent der Befragten würden bei Aussicht auf eine staatliche Prämie ihre alte Heizungsanlage modernisieren. Das wären hochgerechnet 4,7 Millionen neue Heizungen. Die Umsetzung dieser Investitionen würde nicht nur die Umsätze des SHK-Handwerks steigen lassen, sondern auch eine große Menge CO2 einsparen. Bei einer Reduzierung um 18 Milliarden Kilowattstunden Energie würden 10 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr weniger ausgestoßen, so der Verband.
Doch nicht nur die fehlende Förderung der Heizungsmodernisierung lasse die Eigenheimbesitzer an alten Anlagen festhalten. Auch die falsche Einschätzung über die Energieeffizienz ihrer Heizungen verzögere die Erneuerung der Technik. 48 Prozent der von EMNID Befragten haben angegeben, eine effiziente Heizungsanlage zu besitzen. Drei von vier lägen jedoch falsch mit dieser Annahme. Von Bock und Polach favorisiert deswegen die Prämie als psychologischen Anstoß für ausstehende Investitionen und verweist auf den Erfolg der Abwrackprämie für Altautos. Sie habe bewiesen, wie moderne Konjunkturpolitik erfolgreich funktioniere. Eine Kesselprämie schaffe kurzfristig einen Konjunkturimpuls von 50 Milliarden Euro. Trotz dieses ausstehenden Marktpotenzials konnte das SHK-Handwerk im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 1,2 Milliarden Euro auf 25,6 Milliarden Euro steigern – und das vor allem im Geschäftsfeld Heizung. Die 50.000 Betriebe hätten gerade auf diesem Markt und beim Kundendienst von einer stabilen Nachfrage profitiert. Rund 61 Prozent des Jahresumsatzes seien durch Leistungen für Privatleute und Hauseigentümer erwirtschaftet worden.
Von Bock und Polach konnte demzufolge von einer allgemein positiven Stimmung bei den Unternehmen berichten. „Von Krise merken unsere Betriebe noch nichts“, bestätigte er. Alle wichtigen Geschäftsfelder würden von den Innungsfachbetrieben positiv eingeschätzt. Mit einem Indikator +56,3 Prozent, also dem Verhältnis von positiven und negativen Antworten bei der Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage, ergäben sich für das Geschäftsfeld Kundendienst und Wartung mit Abstand die besten Umsatzaussichten. Heizung (+24,2 Prozent) und Sanitär (+13,4 Prozent) folgen auf den weiteren Plätzen. Die zukünftige Geschäftslage werde dagegen nicht ganz so positiv gesehen. Jeder vierte Betrieb gehe von einer deutlich weniger Aufträgen in den nächsten 6 Monaten aus.
Ausbaufähig sei dagegen in jedem Fall der Markt der Energiedienstleistungen. Der ZVSHK hält es für bemerkenswert, dass der Umsatzanteil der Energiedienstleistungen inzwischen auf 11,1 Prozent gewachsen ist. „Diese Zahl bestätigt den Wandlungsprozess unserer Betriebe vom Verarbeiter zum Dienstleister“, sagt von Bock und Polach. Die Zahl der Energiedienstleistungen, wie etwa der Heizungs-Check, würden in den kommenden Jahren sicher weiter steigen. Der Heizungscheck, für den im vergangenen Jahr 1.000 Betriebe geschult worden seien, sei das beste Instrument, um Folgeaufträge zur Heizungsmodernisierung zu erhalten.