Etwa 200 Demonstranten haben am Sonntagnachmittag in Biblis gegen einen weiteren Betrieb des dortigen Atomkraftwerks protestiert. Sie zogen dazu vor das Tor des Atomkraftwerks. Zwar hatte der Betreiber-Konzern RWE vor wenigen Tagen angekündigt, auf ein Wiederanfahren des Atommeilers Biblis B verzichten zu wollen.
Atomkraftgegner protestieren gegen Biblis B als mögliche Kaltreserve
Biblis (dapd-hes). Etwa 200 Demonstranten haben am Sonntagnachmittag in Biblis gegen einen weiteren Betrieb des dortigen Atomkraftwerks protestiert. Sie zogen dazu vor das Tor des Atomkraftwerks. Zwar hatte der Betreiber-Konzern RWE vor wenigen Tagen angekündigt, auf ein Wiederanfahren des Atommeilers Biblis B verzichten zu wollen. Aber es gibt nach Ansicht der Atomkraftgegner Pläne, wonach das Kraftwerk als sogenannte Kaltreserve am Netz bleiben soll.
"Dagegen werden wir uns massiv wehren", sagte Ingo Hoppe von der Initiative AK.W.Ende, die neben anderen Gruppen zu der Demonstration aufgerufen hatte. Die Bundesregierung hatte sich Anfang Juni bei den Verhandlungen mit den Bundesländern beim Thema "Kaltreserve" durchgesetzt.
Demnach soll für eine gewisse Zeit ein AKW für den Fall eines Stromengpasses vorgehalten werden. Als einer der Meiler, die im "Standby-Modus" betrieben werden könnten, wurde während der vergangenen Wochen immer wieder Biblis B genannt. Ob der umstrittene Reaktor tatsächlich zwei weitere Jahre als Reserve-Kraftwerk vorgehalten wird, will die Politik in den kommenden Wochen entscheiden.
"Es geht um den Profit"
Wie am Sonntag ein Aktivist in Biblis sagte, fürchten die Atomkraftgegner, die Bundesregierung könne versucht sein, RWE entgegenzukommen und die Kaltreserve im südhessischen Biblis "sozusagen als Trostpflaster" für die Einnahmeausfälle durch den beschlossenen Atomausstieg anbieten: "Die Gelddruckmaschine soll erhalten bleiben. Pro Tag eine halbe Million Euro für ein abgeschriebenes AKW. Darum geht es."
Aus Sicht von Atomkraftgegner Hoppe könnte dies im Fall Biblis bedeuten, dass weiterhin Gefahr vom ältesten deutschen Atomkraftwerk ausgehen wird. "Abgesehen davon, dass Biblis ohnehin veraltet ist, wird der Betrieb durch ein mögliches An- und Abfahren nicht sicherer. Es ginge dann nur darum, RWE entgegenzukommen, also um Profite", sagte Hoppe. Das Ziel der Demonstranten sei klar: "Die Brennstäbe müssen raus, das Kraftwerk muss so schnell wie möglich zurückgebaut werden."
Anders als Block A erhält Block B des südhessischen Kraftwerks eine vollständige Revision und bleibt einsatzbereit für den Fall, dass die Bundesregierung tatsächlich einen Meiler in Reserve halten will. Ob das notwendig ist, um mögliche Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden, prüft aktuell die Bundesnetzagentur. Außer Biblis kämen auch andere AKW für einen solchen Fall infrage.
Trotz der relativ geringen Zahl von AKW-Gegnern am Sonntag gab sich Hoppe zuversichtlich, den Protest aufrechterhalten zu können. "Sollte es eine Entscheidung geben, Biblis B tatsächlich als Kaltreserve weiterhin nutzen zu wollen, wird es ein heißer Herbst", kündigte er an. Bei der bislang letzten großen Demonstration im April waren mehrere Tausend Menschen nach Biblis gekommen.
dapd
