Was über die Arbeitssicherheit entscheidet Arbeitsunfälle: Tödliche Fehler

90 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle entstehen durch Verhaltensfehler der Beteiligten. Stürze, gerade am Bau, sind besonders häufig. Schon aus geringen Höhen können die Folgen verheerend sein. Wie Chefs sich und ihre Mitarbeiter schützen können.

Oft sind es Kleinigkeiten, die über die Arbeitssicherheit entscheiden. Eine Abdeckung über diesem Schacht kann Stolperunfälle verhindern. - © BG Bau

772 Menschen verglückten 2014 tödlich bei ihrer Arbeit oder auf ihren Arbeitswegen. Über 880.000 verletzten sich so schwer, dass sie für mehrere Tage krankgeschrieben wurden, meldet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).

Über 20 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle in Deutschland ereignen sich auf dem Bau. Zusammengerechnet mit Ausbau- und Bauhilfsgewerbe (8,8 %) und Zimmerei und Dachdeckerei (5,7 %) steht jeder dritte tödliche Arbeitsunfall im Zusammenhang mit Bautätigkeiten, gibt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin an.

Tödliche Stürze schon aus geringen Höhen

Jeder dritte tödliche Unfall geht auf einen Sturz zurück, stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) in einer Analyse zu Unfallursachen für die Jahre 2001 bis 2010 fest. Dabei müssen die Sturzhöhen nicht groß sein, um verheerende Wirkung zu zeigen. Bei fast 18 Prozent der tödlichen A bsturzunfälle fielen die Betroffenen aus weniger als drei Metern Höhe.

Im Baugewerbe machen Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle mehr als 20 Prozent der Unfälle aus, hat die Berufsgenossenschaft Bau (BGBau) ermittelt. Im Schnitt verunglücken pro Arbeitstag 100 Menschen auf diese Weise. Wie sich Stürze vermeiden lassen, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung in ihrer Broschüre "Maßnahmen zum Schutz gegen A bsturz am Bau" zusammengefasst.

Verhaltensfehler Unfallursache Nr. 1

Tatsächlich werden 90 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle durch Verhaltensfehler ausgelöst, beweist die Analyse der baua. Meist arbeiteten die Betroffenen mit technischen Arbeitsmitteln (68,9 Prozent), in der Hälfte der Fälle waren Förder- oder Transportmittel beteiligt: Kraftfahrzeuge, Krane, Gabelstapler, Hoch- und Tiefbaumaschinen sowie Gerüste, Leitern und Bühnen. Nur in knapp 20 Prozent versagte die Technik.

Doch nicht alle Unfälle haben spektakuläre Auslöser. Unordnung und Unachtsamkeit sind typische Unfallquellen, zeigt die Statistik der DGUV. Hauptauslöser sind:
  • Stress, Hektik, Müdigkeit, Ablenkung, Unachtsamkeit, Bequemlichkeit
  • herumliegende Kabel
  • herumliegende Schläuche
  • ungeeignete Schuhe
  • Alkohol

Besonders unfällträchtig ist das Treppensteigen. Gerade, wer Material oder Werkzeug transportiert, ist gefährdet. Der Blick auf die Stufen ist oft durch die getragenen Gegenstände versperrt, der Mensch kann sich wegen seiner Last weniger gut bewegen und schlechter auf Unvorhergesehenes reagieren.

Nicht nur für Treppen gilt also:

  • Freier Blick auf den Boden
  • Gute Lichtverhältnisse, im Zweifelsfall künstliche Beleuchtung einrichten
  • Trockener, sauberer, eisfreier Grund: ausgelaufenes Öl, Fett, Wasser oder Putzmittel sofort beseitigen; im Winter Streumittel verwenden, wenn Eis, Reif oder Schnee drohen
  • Freie Verkehrswege: die häufigsten Stolperfallen sind unebene Böden, herumliegende Gegenstände am Boden oder Kabel und Schläuche, die den Weg versperren.
  • Geländer an Podesten und Gerüsten
  • Hohlräume, Ausschachtungen oder Baugruben sollten durch Absperrungen, Abdeckungen, Schutzdächer oder Fangnetze gesichert werden
  • Keine Sprünge: Springt ein Mann mit 80 Kilogramm Körpergewicht aus einem Meter Höhe nach unten, muss sein Körper das sechsfache des Gewichts auffangen – 480 Kilogramm.
  • Persönliches Verhalten: Gutes Schuhwerk tragen, aufmerksam bleiben, die Ruhe bewahren.

Vision Zero will weltweit Unfälle vermeiden

Im internationalen Vergleich zählt Deutschland zu den sichereren Arbeitsorten. Nach dem Unglück von "Rana Plaza", wo im vergangenen Jahr in Bangladesch bei einem Fabrikeinsturz mehr als 1.100 Menschen starben, haben die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten sich zur Vision Zero bekannt.

Diese Idee, wonach sich weltweit niemand mehr bei der Arbeit schwer verletzten soll, berechnet Fehler von Menschen mit ein. Änderungen in der Organisation sollen bewirken, dass diese Fehler nicht tödlich enden. bst