Arbeitsschutz in der Ausbildung Arbeitsschutz: Die Jugend will klare Regeln

Gesundheits- und Arbeitsschutz kommen in der Ausbildung zu kurz, finden Jugendliche. Dabei machen sich Investitionen in Prävention durch geringere Fehlzeiten bezahlt.

Ein Ausbilder mit Schutzbrille erklärt einem Azubi ein Gerät
Berufsanfänger sind besonders unfallgefährdet. Aber sie haben auch großes Interesse an Gesundheitsschutz. Das können Ausbilder für ihre Präventionsarbeit nutzen. - © industrieblick-stock.adobe.com

Berufsanfänger und routinierte Kräfte jenseits der 50 erleiden am häufigsten Unfälle bei der Arbeit. Während bei den Älteren nachlassende Wachsamkeit die größte Gefahr birgt, ist es bei den Jüngeren die fehlende Erfahrung. Um so wichtiger ist es, Arbeits- und Gesundheitsschutz von Anfang an und das ganze Berufsleben hindurch zum Thema zu machen.

Jugend wünscht sich mehr Arbeitsschutz

Bei den Jüngeren rennen Unternehmer mit dem Thema Arbeitsschutz offene Türen sein. Eine Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die 16- bis 20-Jährigen mehr über Unfall- und Gesundheitsschutz erfahren möchten. Befragt worden waren gut 1.000 Personen im Auftrag von "Jugend will sich erleben" (JWSE), einem Präventionsprogramm der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Rund 40 Prozent von ihnen gaben an, dass der Gesundheitsschutz in ihrer schulischen beziehungsweise betrieblichen Ausbildung nicht ausreichend behandelt werde. "Dies ist ein klarer Appell an Berufsschullehrkräfte und Ausbildende: Neben der reinen Wissensvermittlung ist ein Austausch mit den Jugendlichen und jungen Beschäftigen zu den Themen Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Erhalt der Gesundheit zielführend und unabdingbar", kommentiert Christoph Preuße, verantwortlich für die fachliche Koordination von JWSE. Denn in Detailfragen zeigten sich weitere Defizite:

  • 64 Prozent der befragten 16- bis 39-Jährigen wünschten sich mehr Austausch zu den Themen Schutz vor Arbeitsunfällen und Gesundheitsschutz.
  • Die Kommunikation von klaren Regeln war zwei von drei Befragten wichtig.
  • Dreiviertel erhofften sich mehr Vertrauen in ihre Fähigkeit, ihre Gesundheit zu schützen.
  • Nahezu alle Befragten bestätigten ihren Wunsch nach guter Kommunikation und konstruktivem Umgang mit Fehlern.

Berufsanfänger lernen am liebsten per Videoclip

Für Präventionsarbeit in diesen Bereichen müssen Chefs und Ausbilder weniger Aufwand betreiben, als es zunächst scheint. Die befragten Berufsanfänger gaben an, am liebsten per Videoclip oder mit Hilfe digitaler Medien in das Thema eingewiesen zu werden. Ausbilder können für nicht betriebsspezifische Themen auf zahlreiche virtuelle Angebote zurückgreifen (s. Linkliste am Ende).

Der Wunsch der Berufsanfänger nach mehr Informationen zum Arbeitsschutz deckt sich mit der Rechtslage. Das Arbeitsschutzgesetz, die Gefahrstoffverordnung und die Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (DGUV Vorschrift 1) verlangen regelmäßige Unterweisungen.

Unterweisungen einmal pro Halbjahr

Bei Jugendlichen gelten laut Jugendarbeitsschutzgesetz weitere Regeln. Sie müssen vor Beginn der Beschäftigung – also am ersten Tag ihrer Ausbildung – und immer bei wesentlichen Änderungen der Arbeitsbedingungen über die Unfall- und Gesundheitsgefahren unterwiesen werden (§29 JArbSchG), außerdem immer dann, wenn sie zum ersten Mal mit gefährlichen Maschinen oder Arbeitsstoffen zu tun haben. Mindestens einmal pro Halbjahr, bei Bedarf auch öfter, müssen Arbeitgeber dies wiederholen und dokumentieren.

Thorsten Welz, Aufsichtsperson bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall empfiehlt, neben der reinen Information auch praktisches Üben in die Unterweisungen zu integrieren. "Man spricht hier von der Behaltenswahrscheinlichkeit. Bei einem reinen Vortrag liegt diese nur bei 20 Prozent. Kann ich aktiv werden, liegt sie bei 90 Prozent."

Neben den potenziellen Risiken innerhalb des Betriebs müssen Chefs ihre Azubis auch auf andere Gefahren hinweisen. Die Standardberufsbildpositionen zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sehen vor, dass Azubis auch über Themen wie Wegeunfälle, psychische Belastungen oder Ergonomie unterrichtet werden. In allen nach dem 1. August 2021 in Kraft tretenden modernisierten und neu entwickelten anerkannten Ausbildungsberufen sind diese Mindestanforderungen verbindlich, für die anderen werden sie empfohlen.

Standardberufsbildpositionen: Was Ausbilder ihren Azubis vermitteln müssen

Die Standardberufsbildpositionen wurden im Juni 2021 überarbeitet. Ausbildungsordnungen enthalten jetzt modernisierte und neue verbindliche Mindestanforderungen für die Bereiche "Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht", "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit", "Umweltschutz und Nachhaltigkeit" sowie "Digitalisierte Arbeitswelt". Im Bereich Sicherheit und Gesundheit müssen Ausbilder über die gesamte Ausbildungszeit hinweg folgende Inhalte vermitteln:

  1. Rechte und Pflichten aus den berufsbezogenen Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften kennen und diese Vorschriften anwenden
  2. Gefährdungen von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg prüfen und beurteilen
  3. Sicheres und gesundheitsgerechtes Arbeiten erläutern
  4. Technische und organisatorische Maßnahmen zur Vermeidung von Gefährdungen sowie von psychischen und physischen Belastungen für sich und andere, auch präventiv, ergreifen
  5. Ergonomische Arbeitsweisen beachten und anwenden
  6. Verhaltensweisen bei Unfällen beschreiben und erste Maßnahmen bei Unfällen einleiten
  7. Vorschriften des vorbeugenden Brandschutzes anwenden sowie Verhaltensweisen bei Bränden beschreiben und erste Maßnahmen zur Brandbekämpfung ergreifen

Das Bundesinstitut für Berufsbildung erklärt in Erläuterungen zu den modernisierten Standardberufsbildpositionen, worauf Ausbilder achten müssen.

Arbeitsschutz aus dem Internet

Jugendliche bevorzugen digitale Medien und Videoclips als Lernmittel. Auf folgenden Plattformen finden Ausbilder passendes Material:

  • Jugend will sich erleben: Das Präventionsprogramm unter dem Dach der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat wechselnde Jahresthemen und stellt dazu kostenlos umfangreiche Materialien für verschiedene Branchen zur Verfügung. 2022 ist das Jahresthema Hautschutz. Auch die Jahresthemen aus früheren Jahren stehen noch bereit, beispielsweise zu Wegeunfällen, Fehlerkultur, Sucht oder Gehörschutz.
  • Die Initiative "Gesundheit und Arbeit" hat in der Broschüre "Junge Beschäftigte in Ausbildung" Hintergrundinformationen zusammengetragen, wie Ausbilder und Berufsschullehrer Gesundheitsförderung und Prävention grundsätzlich besser vermitteln können.
  • Die DGUV bietet auf dem Portal "Lernen und Gesundheit" sehr umfassende Unterrichtsmaterialien, mit denen Ausbilder und Berufsschullehrer Azubis gut strukturiert in verschiedensten Arbeitsschutzthemen schulen können.
  • Speziell um die psychische Gesundheit von Auszubildenden geht es in dem E-Learning-Programm der Stiftung "Achtung! Kinderseele!". Auszubildende sollen damit Tools uns Skills an die Hand bekommen, um psychischen Herausforderungen in der Ausbildung zu begegnen. Animationen, Hörtexte und kleine Leseabschnitte thematisieren mögliche Schwierigkeiten in der Ausbildung, beispielsweise Überlastung oder Mobbing und wie sich Azubis in solchen Situationen verhalten können.

Außerdem bieten die Berufsgenossenschaften jeweils passend zu ihren Branchen Informationen, zum Beispiel: