Sachsens Wirtschaftsminister will Mindesverdienstgrenze absenken Arbeitsmarktforscher fordert Punktesystem zur Zuwanderung

Der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, fordert ein Punktesystem zur Zuwanderung, um einem künftigen Fachkräftemangel vorzubeugen. Die Bundesrepublik stehe in einem internationalen Wettbewerb, in dem viele Länder schon seit langem um hochqualifizierte Arbeitnehmer werben. Vor allem der Bedarf Chinas steige immer weiter.

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Arbeitsmarktforscher fordert Punktesystem zur Zuwanderung

Berlin (dapd). Der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, fordert ein Punktesystem zur Zuwanderung, um einem künftigen Fachkräftemangel vorzubeugen. Die Bundesrepublik stehe in einem internationalen Wettbewerb, in dem viele Länder schon seit langem um hochqualifizierte Arbeitnehmer werben. Vor allem der Bedarf Chinas steige immer weiter. "Die Demografie lässt uns keine Zeit mehr. Eine gesteuerte Zuwanderung ist nötig", sagte Zimmermann in Berlin.

Unter dem Mangel an Fachkräften würden laut Zimmermann auch Geringqualifizierte leiden, da Unternehmen ihre Produktion einstellen oder ins Ausland verlagern. Der Wissenschaftler präsentierte eine Studie, die das IZA im Auftrag der sächsischen Landesregierung anfertigte. In dem Papier empfiehlt das Institut ein Punktesystem mit integrierter Quotenregelung. So könne die deutsche Zuwanderungspolitik transparenter und damit attraktiver gestaltet werden, sagte Zimmermann. "Deutschland muss ein besseres Image am Humankapitalmarkt erwerben." Bislang sei das Verfahren zu bürokratisch.

Nach Zimmermanns Empfehlung sollten Fachkräfte in Kategorien wie Qualifikation, Sprachkenntnisse oder Berufserfahrung maximal 100 Punkte sammeln können. Ab 60 Punkten sollen sie zu einem Verfahren zur Aufnahme in den deutschen Arbeitsmarkt zugelassen werden und unter Berücksichtigung einer Höchstquote eine Arbeitserlaubnis erhalten. Ab 80 Punkten solle ein sofortiges Daueraufenthaltsrecht bewilligt werden.

Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) sprach sich dafür aus, die Zuwanderung nach einem Punktesystem auch ohne bestehenden Arbeitsvertrag für ein Jahr zu ermöglichen. "Wir konzentrieren uns auf das politisch Machbare," sagte Morlok und verwies auf eine entsprechende Initiative, die das Land im Bundesrat bereits auf den Weg gebracht hat. Für Ausländer, die bereits eine Stelle haben, soll demnach die bisherige Mindestverdienstgrenze von 66.000 Euro im Jahr auf rund 40.000 im Westen und 35.000 Euro im Osten Deutschlands gesenkt werden. "Wenn der Arbeitsvertrag nach zwei Jahren noch besteht, gibt es eine unbefristete Arbeitserlaubnis", sagte Morlok.

Der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Achim Dercks, erklärte, es müsse eine "Willkommenskultur" geschaffen werden. Deutschland habe wegen der hohen bürokratischen Zuwanderungshürden ein Imageproblem. Ein Punktesystem könne diesem entgegenwirken.

dapd