Die Zahl der Arbeitnehmer, die zwischen 60 und 65 Jahre alt sind, erreicht neue Rekordwerte. Allein von Herbst 2011 an stieg sie in einem Jahr um über 12 Prozent – im Fünf-Jahres-Vergleich sogar um über 80 Prozent. Handwerkspräsident Otto Kentzler sieht darin den Beleg, dass sich der Arbeitsmarkt auf den demografischen Wandel einstellt.

Im September 2012 gingen knapp 1,484 Millionen Menschen im Alter zwischen 60 und 65 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das waren 12,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Damit habe die Zahl der älteren Beschäftigten in Deutschland hat einen Rekord erreicht.
Noch deutlicher wird es im Langzeitvergleich der vergangenen fünf Jahre. Im Verlauf dieser Zeit ist die Zahl der Beschäftigten im Alter zwischen 60 und 65 Jahren um 667.000 Personen und damit um 81,7 Prozent gestiegen. Für die einen ist das ein Beleg dafür, dass sich der Arbeitsmarkt – auch wegen des drohenden Fachkräftemangels – auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung umstellt. Andere kritisieren, dass trotzdem viele Ältere von Arbeitslosigkeit bedroht seien.
Wissen immer aktuell halten
Im Handwerk steht man den Zahlen der BA positiv gegenüber. So beurteilt Otto Kentzler, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) die Entwicklung als einen Beleg für einen Strategiewandel. Gegenüber der FAZ sagte er, dass immer mehr Betriebe mit Qualifizierungen dafür sorgen würden, dass das Wissen auf dem neuesten Stand bleibt. "Gerade im Handwerk brauchen die Betriebe die Erfahrung älterer Mitarbeiter", betonte Kenzler.
Mit diesem Wandel zeigt sich auch, dass Betriebe versuchen die zunehmenden Engpässe bei der Besetzung des Stellen, damit zu decken, dass sie langjährige Mitarbeiter halten. Auch wenn es nach Ansicht verschiedener Studien noch an Investitionen in altersgerechte Arbeitsplätze mangelt, wird die Zielgruppe 60+ zunehmend bedeutsamer für die Wirtschaft.
Spätere Rente gegen Fachkräftemangel
Kritik üben allerdings die Gewerkschaften. So hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erst kürzlich darauf hingewiesen, dass die Zahl älterer Arbeitsloser in jüngster Zeit gestiegen sei. Wer vor diesem Hintergrund Fachkräftemangel beschwöre, sei „unehrlich“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach laut FAZ dazu, dass viele Ältere aus dem Erwerbsleben ausscheiden, weil sie keine passende Stelle finden.
Dieser Kritik halten die FAZ-Autoren allerdings statische Rechengrößen entgegen, die zeigen sollen, dass sowohl der Anstieg der Beschäftigung Älterer als auch deren Arbeitslosenquote durch den Abbau staatlich gestützter Frühverrentungsprogramme zu erklären sind. Ältere, die früher diese Regelungen in Anspruch genommen hätten, würden nun als Arbeitslose gezählt, heißt es in einer Analyse der BA.
Damit das steigende Renteneintrittsalter und der Fachkräftemangel Deutschland in der weiteren Wirtschaftsentwicklung nicht stoppen, ist die Entwicklung in die richtige Richtung angestoßen. Damit es dabei nicht zu Problemen kommt, muss sich die Wirtschaft allerdings bei der Arbeitsplatzgestaltung und den Arbeitszeitmodellen noch ein wenig anpassen. jtw