Wirtschaftsexperten prognostizieren Arbeitslosigkeit wird deutlich ansteigen

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute sagen einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland voraus. Gerechnet wird mit rund 4,3 Millionen Arbeitslosen.

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Arbeitslosigkeit wird deutlich ansteigen

Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph M. Schmidt, sagte am Osterwochenende, er erwarte Ende 2009 eine Arbeitslosenzahl von rund 4,3 Millionen. Etwas optimistischer ist der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Im Jahresschnitt werden seiner Einschätzung nach "weit unter vier Millionen" Menschen ohne Arbeit sein.

Die Wirtschaftsexperten begründen ihre negativen Prognosen mit der anhaltenden Konjunkturschwäche. Die wirtschaftliche Entwicklung sei unverändert besorgniserregend, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die Schrumpfung der deutschen Produktion insbesondere bei den exportorientierten Investitionsgüterbranchen werde dieses Jahr "ein nie gesehenes Ausmaß erreichen", sagte Zimmermann. Schmidt fügte hinzu: "Ein derart starker Produktionseinbruch wie zurzeit schlägt naturgemäß deutlich auf den Arbeitsmarkt durch." Kurzarbeit, die nun stark gefördert werde, könne "das nur verzögern, aber nicht verhindern".

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, sprach von "beträchtlichen" Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den deutschen Arbeitsmarkt. Allerdings wollte er der Arbeitslosenprognose von vier Millionen Menschen auch etwas Gutes abgewinnen: "Das ist eine Million mehr als ein Jahr zuvor – aber positiv formuliert eine Million weniger als zum Höhepunkt der Arbeitslosigkeit in Deutschland zu Beginn 2005 oder Anfang 2006." Im März waren offiziell 3,586 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.

Bezüglich der Situation auf dem Arbeitsmarkt im kommenden Jahr äußerten sich die Wirtschaftsexperten verhalten. Der RWI-Präsident betonte: "Auch 2010 wird kein einfaches Jahr, selbst wenn die Wirtschaftsleistung wieder leicht steigt." So dürfte sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit fortsetzen – "wenn auch verlangsamt". Straubhaar betonte, es sei möglich, dass die Weltwirtschaft im Laufe der zweiten Jahreshälfte wieder in Schwung komme. In diesem Fall müsse die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland 2010 nicht stark über die Vier-Millionen-Marke steigen.

Angesichts der schlechten Arbeitsmarktsituation forderte Hundt: "Wir benötigen ein Belastungsmoratorium: keine neuen finanziellen Belastungen für Wirtschaft und Arbeit, keine neuen Belastungen aus der Umweltpolitik, keine neue Bürokratie und keine neuen staatlichen Eingriffe in die Tarifautonomie".

Zimmermann forderte Arbeitsmarktreformen und eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes. "Wenn nicht jetzt eine zielführende Reform für die Zeit nach der Wahl vorbereitet wird, kann man sich schon bald im Gefolge der Wirtschaftskrise wieder eine sich verfestigende, rasch wachsende Dauerarbeitslosigkeit vorstellen", sagte der DIW-Präsident.

Allzu schwarzmalerisch wollten die Experten trotz der schlechten Aussichten nicht sein. "Pessimismus hilft nicht weiter. Deutschland hat zunächst einmal ein konjunkturelles und kein strukturelles Problem hat", sagte der HWWI-Direktor. Hundt warnte davor, sich gegenseitig mit schlechten Nachrichten und negativen Prognosen zu überbieten.

ddp