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Weiterbildung, Eingliederungszuschuss, Beschäftigtenqualifizierung Arbeitslos mit 50+: Diese Fördermöglichkeiten gibt es

Ob eine kurze fachliche Weiterbildung oder eine mehrjährige Umschulung, es gibt zahlreiche Möglichkeiten sich für die steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter übernehmen in vielen Fällen die Kosten. Ältere Menschen über 50 erhalten oft eine spezielle Förderung.

Wer seinen Job verliert, hat viele Fragen im Kopf: Wie finde ich einen neuen Job? Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld? Welche staatliche Unterstützung kann ich in Anspruch nehmen? Insbesondere ältere Arbeitnehmer haben es oft schwer wieder einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Daher gibt es mehrere staatliche Förderprogramme, die es speziell der Generation 50+ erleichtern sollen wieder einen festen Arbeitsplatz zu finden und langfristig dort zu arbeiten. Im Folgenden werden drei dieser Programm vorgestellt: Weiterbildung, Eingliederungszuschüsse für Arbeitgeber und die Beschäftigtenqualifizierung (Qualifizierungschancengesetz).

1. Weiterbildung - Was die Arbeitsagentur fördert

Wer wird gefördert?

Eine berufliche Weiterbildung soll die Vermittlungs­chancen von arbeitslosen Männern und Frauen verbessern. Die Förderung ist unabhängig vom Alter und steht damit auch Menschen über 50 Jahren zur Verfügung.

Wie hoch ist die Förderung?

Wer sich für eine bestimmte Weiterbildung entschieden hat, sollte einen Termin bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter vereinbaren und klären, ob sie gefördert wird. Wenn die Weiterbildung genehmigt wird, können unterschiedliche Kosten übernommen werden, u.a. Lehrgangskosten, Fahrtkosten, Kinderbetreuung und Kosten für eine erforderliche auswärtige Unterbringung.

Seite dem 1. August 2016 gibt es außerdem einen finanziellen Anreiz die Weiterbildung bis zum Schluss durchzuziehen: die Weiterbildungsprämie. Voraussetzung ist, dass man sich für eine Weiterbildung entscheidet, die mindestens zwei Jahre dauert und zu einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf führt. Bei erfolgreicher Zwischenprüfung erhalten die Teilnehmer 1.000 Euro. Wer die Abschlussprüfung erfolgreich besteht, erhält 1.500 Euro. Als Nachweis müssen die Teilnehmer das Zeugnis bei der Agentur für Arbeit vorlegen.  

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Agentur für Arbeit entscheidet für jeden Fall einzeln, ob eine berufliche Weiterbildung finanziert wird. Dabei werden die Fähigkeiten, der beruflicher Werdegang sowie die persönlichen Voraussetzungen wie Eignung und Mobilität der Antragsteller berücksichtigt. Weitere entscheidende Faktoren sind die Aufnahmefähigkeit des regionalen Arbeitsmarktes und die Mobilitätsbereitschaft.

Weitere Infos zur Förderung von Weiterbildungen

Arbeitslos mit 50+: Wie lange steht mir Arbeitslosengeld zu?

Wer innerhalb der vergangenen 24 Monate mindestens zwölf Monate lang einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist, bekommt mindestens sechs Monate lang Arbeitslosengeld I .

Der Bezugszeitraum steigt mit der Zahl der Beitragsjahre . Ältere Arbeitslose haben daher in den meisten Fällen viel länger Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Die Tabelle zeigt, wie lange ältere Arbeitslose ab 50, 55 und 58 Jahren Arbeitslosengeld beziehen dürfen.

Versicherungspflichtige Beitragsmonate in den letzten 5 Jahren Vollendetes Lebensjahr Höchstanspruchsdauer (in Monaten)
12
6
16
8
20
10
24
12
30 50. 15
36 55. 18
48 58. 24
 

Quelle: Bundesarbeitsministerium

2. Eingliederungszuschüsse für Arbeitgeber

Wer wird gefördert?

Der Eingliederungszuschuss ist eine Fördermaßnahme, die es unter anderem attraktiver machen soll, ältere Arbeitnehmer einzustellen. Eingeführt wurde das Programm am 1. Mai 2007. Im Jahr 2018 haben die Arbeitsagenturen und Jobcenter 133.213 Eingliederungszuschüsse gefördert. Unterstützt werden Arbeitnehmer, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben.  

Wie hoch ist der Zuschuss für den Arbeitgeber?

Arbeitgeber, die einen Mitarbeiter einstellen, auf den diese Kriterien zutreffen, können von der Bundesagentur für Arbeit einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt erhalten. Der Eingliederungszuschuss kann bis zu 50 Prozent des zu berücksichtigenden Arbeitsentgelts betragen. Der Eingliederungszuschuss wird für maximal zwölf Monate und im Umfang von bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts ausbezahlt.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die das 50. Lebensjahr bereits vollendet haben, gibt es erweiterte Fördermöglichkeiten. Diese können bis zu 36 Monate mit einer Förderhöhe von bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts bezuschusst werden. Damit soll die Minderleistung des eingestellten Arbeitnehmers ausgeglichen werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Voraussetzung für den Eingliederungszuschuss ist in der Regel die Nachbeschäftigungspflicht. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer mindestens so lange regulär bei dem Arbeitgeber beschäftigt werden müssen, wie dieser zuvor den Eingliederungszuschuss erhalten hat.

Arbeitslose, die älter als 50 sind, können erst dann über den Eingliederungszuschuss gefördert werden, wenn sie mindestens sechs Monate lang arbeitslos waren und Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II bezogen haben.

Sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber können den Antrag auf den Zuschuss beim zuständigen Jobcenter stellen. Wichtig ist, dass der Zuschuss vor Beginn des Arbeitsverhältnisses beantragt wird. Andernfalls ist eine Förderung in der Regel nicht mehr möglich, weil die berufliche Eingliederung mit der vereinbarten Arbeitsaufnahme bereits ohne eine Förderzusage gelungen wäre.

Die Förderung ist ausgeschlossen, wenn die Einstellung bei einem früheren Arbeitgeber erfolgt, bei dem der Arbeitnehmer während der letzten vier Jahre vor Förderbeginn mehr als drei Monate versicherungspflichtig beschäftigt war.

3. Beschäftigtenqualifizierung

Wer wird gefördert?

Mit dem Qualifizierungschancengesetz gibt es seit Anfang 2019 eine gesetzliche Möglichkeit, Beschäftigte, die vom Strukturwandel am Arbeitsmarkt oder Digitalisierung betroffen sind, zu qualifizieren. Je nach Unternehmensgröße kann die Bundesagentur für Arbeit die Qualifizierungskosten anteilig fördern. Zudem kann ein anteiliger Arbeitsentgeltzuschuss für die Zeiten der Weiterbildung bewilligt werden. Dieses Förderprogramm steht zwar nur Berufstätigen Menschen zu Verfügung, ist aber auch für viele Ältere eine Chance sich besser für den zunehmend digitalisierten und automatisierten Arbeitsmarkt fit zu machen. 

Welche Zuschüsse gibt es?

Mehr Zuschüsse für Kleinstunternehmen <10 Kleine und mittlere Unternehmen <250 Größere Unternehmen >250 Große Unternehmen >2.500
Lehrgangskosten Bis zu 100 Prozent Bis zu 50 Prozent Bis zu 25 Prozent Bis zu 15 Prozent
    Bis zu 100 Prozent ab 45 Jahren und für schwerbehinderte Menschen   Bis zu 20 Prozent bei Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen mit Qualifizierungselementen
Arbeitsentgelt Bis zu 75 Prozent Bis zu 50 Prozent Bis zu 25 Prozent Bis zu 25 Prozent
Arbeitsentgelt bei fehlendem Berufsabschluss und berufsabschlussbezogenen Weiterbildungen Bis zu 100 Prozent Bis zu 100 Prozent Bis zu 100 Prozent Bis zu 100 Prozent

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung mehr als 160 Stunden umfasst, wobei die Durchführung der Qualifizierung flexibel sein darf, zum Beispiel hinsichtlich der Schulungszeiten (z. B. Vollzeit, Teilzeit, berufsbegleitend…).

Wie das Bundesarbeitsministerium weiter mitteilt, können nur solche Beschäftigte gefördert werden, deren Berufsabschluss mindestens vier Jahre zurückliegt und die während der vergangenen vier Jahre keine öffentlich geförderte Weiterbildung in Anspruch genommen haben. Die Fortbildung sollte die Dauer von vier Wochen übersteigen und nicht im Betrieb erfolgen. Möglich sind nach dem Gesetz auch berufsbegleitende Weiterbildungsmaßen und Weiterbildungen für Teilzeitkräfte. Wird die Fortbildung genehmigt, gibt es einen Bildungsgutschein, der bei einem zertifizierten Bildungsträger eingelöst werden kann.

Weitere Infos zur Beschäftigtenqualifizierung

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