Ob Klassiker wie Karteikarten oder die Loci-Methode: Haben Azubis Probleme damit, sich Arbeitsschritte oder Lernstoff einzuprägen, sollten sie es einmal mit einer Merktechnik probieren. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt einfache Wege, mit denen Azubis ihrem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

Viele sehen das Erlernen eines Gedichts in der Schule als unsinnig oder Strafe an. Dabei schult es die Merkfähigkeit und hilft, den Sprachausdruck zu verfeinern. Einige werden sicher die Meinung vertreten, was in der Schulzeit nicht an Grundlagen gelegt wurde, lässt sich im Verlauf der Lehrzeit noch nachholen.
Zum Beispiel ist es aber in der Praxis leider so, dass nicht alles in Checklisten darstellbar ist, die man nur abarbeiten muss. Es gibt in jedem Beruf sehr viele Arbeitsabläufe und Tätigkeiten, die sich Lehrlinge merken müssen.
Wenn sich die Lehrlinge nichts merken können, können oft auch harmlose Ursachen wie Müdigkeit, Flüssigkeitsmangel oder Schlafstörungen die Gründe sein. Auf jeden Fall gibt es viele Möglichkeiten zur Abhilfe, in Form verschiedener Merktechniken.
Die richtigen Merktechniken können die Leistungsfähigkeit des Gehirns und damit die Merkfähigkeit und das Gedächtnis verbessern.
Mit diesen Merktechniken klappt's
Der Merkvers ist eine Technik zum Einprägen einer Information. Er erleichtert das Speichern in Gedächtnis. Dabei wird im Kopf die Möglichkeit der gedanklichen Verbindung zum Merken der Einzelheiten genutzt. Eine ähnliche Aufgabe wie der Merkvers hat das Merkbild, das beim Erlernen der richtigen Schreibweise von einem Wort hilft.
Geschichten- und Zahlenmethode: Bei der Geschichtenmethode wird der zu merkende Inhalt mit einer Geschichte verbunden. Bei der Zahlenmethode legt man sich für die Zahlen von eins bis neun Bilder fest, die gut zu merken sind.
Mindmap: Die Gedächtnislandkarte oder neudeutsch Mindmap ist eine anschauliche Möglichkeit, Gedanken und Themen bildhaft dazustellen. Bei dieser Merktechnik lässt man zum Beispiel auf einem Blatt Papier von einem Punkt in der Mitte einzelne Zweige wachsen. An den Enden der Zweige werden Hauptüberschriften zum Thema notiert. Aus diesen Ästen wachsen wiederum kleine Zweige, an denen Einzelheiten zu den Hauptüberschriften aufgeschrieben werden können.
Karteikarte: Natürlich ist die gute alte Karteikartei als Hilfsmittel nicht ausgestorben. Beim Sammeln der Begriffe wird das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis gefordert. Als Werkzeug dient ein Karteikartensystem. Dafür gibt es drei Fächer. Am Anfang befinden sich alle Karten innerhalb der Fächer. Die Karten im "Fach 1" werden täglich wiederholt, die Karten im "Fach 2" jeden zweiten Tag und die Karten im "Fach 3" jeden vierten. Wird die Lösung einer Karteikarte richtig erkannt, so wird diese hinten in das jeweils nächste Fach gesteckt. War sie nicht bekannt, wandert sie wieder in das "Fach 1". Dieses Hilfsmittel kann entweder selbst geschrieben und gestaltet oder ein Computerprogramm genutzt werden.
Merksätze: Auch Merksätze können als geeignete Technik dienen. Genutzt werden Wörter, aus deren Anfangsbuchstaben wiederum ein neues Wort gebildet wird. Daraus kann man dann auf die Informationen schließen.
Zum Beispiel: "Zuerst den ABLAUF verschließen."
- Arbeit
- Büro
- Lager
- Ausgang
- Umfeld
- Freizeit
Auch die sogenannte Eselsbrücke ist ein Merksatz. Zum Beispiel:
"Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich."
Loci-Methode: Bei der sogenannten Loci-Methode wird eine Gedächtnisroute festgelegt und der Lernstoff mit bekannten Orten verknüpft. Der Lehrling kann sich zum Beispiel sein Wohnzimmer vorstellen und das zu Merkende darin gedanklich hinterlegen. Ein einfaches Beispiel, um sich die Methode vor Augen zu führen, ist eine Einkaufsliste. Will sich der Auszubildende zum Beispiel Ketchup merken, kann er sich vorstellen, wie die Klinke der Wohnzimmertür damit beschmiert ist. Dann geht er gedanklich weiter zum Fernseher, den er mit einem weiteren zu merkendem Gegenstand seiner Einkaufsliste verknüpft hat. Auf dem Fernseher liegt zum Beispiel ein Apfel. In dem er diesen Weg weiter spinnt und immer wieder gedanklich wiederholt, verinnerlicht er das zu Merkende.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.