Zwei Handwerksbetriebe aus Bayern haben auf eigene Faust Spanier angeworben, um ihrem Fachkräftemangel zu begegnen. Beim Bewerbungsverfahren hatten sie Hilfe von einer deutschen Rechtsanwältin.
Barbara Oberst
Uwe Holzvoigt war es leid. Ob Zeitungsannoncen, Internet oder Arbeitsagentur, über die klassischen Wege fand er für sein 100-Mann Unternehmen keine Fachkräfte mehr. Die auf Heizungs- und Sanitärinstallationen spezialisierte Schäch Haustechnik GmbH sitzt in Wolnzach, zwischen München und Ingolstadt, mitten im Einzugsgebiet von Audi, BMW und Co. Aus Mangel an Mitarbeitern muss das große Handwerksunternehmen Aufträge ablehnen.
Kaum besser ergeht es dem befreundeten Kollegen Roman Neuber mit seinem Elektrobetrieb. So kam es zu der Idee, in Spanien Fachkräfte zu suchen: "Ich hatte aus früheren Zeiten noch Kontakte nach Spanien und habe da nachgefragt", erklärt der studierte Betriebswirt Holzvoigt. Das Arbeitsamt von Castelldefels nahe Barcelona kooperierte sofort und erlaubte den Deutschen, seine Räume und das EDV-System nutzen. Zusätzlich schalteten die Firmen Stellenanzeigen in spanischen Zeitungen. Gesucht: Zwei Elektriker und zwei Installateure.
Zweisprachige Arbeitsverträge
Eine deutsche Rechtsanwältin, Susanne Schulte, lebt und arbeitet in Barcelona. Sie half bei allen Formalien. Stellenausschreibung, Bewerbungsverfahren und Vorauswahl erledigte sie. "Wir sind letztlich noch nicht einmal für die Vorstellungsgespräche hingeflogen, sondern haben das alles Frau Schulte überlassen", berichtet Holzvoigt. Er schickte die firmeneigenen Arbeitsverträge nach Spanien, wo sie die Rechtsanwältin übersetzte und in Doppelspalten ausdruckte: links deutsch, rechts spanisch, so dass die neuen Mitarbeiter sicher sein konnten, was sie da unterschrieben.
Deutsch war keine Bewerbungsvoraussetzung, denn direkt nach der Unterschrift der Arbeitsverträge begann für die Spanier noch in ihrer Heimat ein vierwöchiger Deutsch-Crashkurs. Auch in Deutschland werden sie weiter einen Kurs besuchen. Die Kosten hierfür tragen die beiden Handwerksbetriebe, ebenso die für die Flüge hierher und die Personalsuche in Spanien. "Aber in Deutschland kann ich eine Zeitungannonce nach der anderen schalten und habe hinterher immer noch niemanden. Hier habe ich 2500 Euro investiert und zahle noch einen Deutschkurs, dafür habe ich aber auch auf jeden Fall einen neuen Mitarbeiter", rechnet Holzvoigt.
Genaues Anforderungsprofil
Er hofft nun auf hochmotivierte neue Mitarbeiter: "Die vier Spanier, die hierherkommen, sind Facharbeiter mit langjähriger Berufserfahrung, gestandene Männer mit einer eigenen Familie. Die haben sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Für sie ist die Bewerbung keine Übergangslösung, sie sehen das als Schritt in eine neue Heimat, in die sie auch ihre Familie nachholen wollen", beschreibt Holzvoigt seinen Eindruck und hofft, dass die Männer nicht zu sehr vom Heimweh geplagt werden.
Insgesamt hat Uwe Holzvoigt ein gutes Gefühl. Er und Roman Neuber hatten ein sehr genaues Anforderungsprofil geschrieben und sich kundig gemacht, welche Qualifikationen den deutschen in etwa entsprechen. "In Spanien gibt es keine geschlossene Ausbildung wie bei uns, sondern ein Sammelsurium an Berufsausbildungen und Weiterbildungen. Aber wenn einer sich viel weitergebildet hat und eine ganze Reihe an Zusatzausbildungen und Zertifikaten vorweisen kann, kann man davon ausgehen, dass er ein Pfiffikus ist", zeigt sich Holzvoigt zuversichtlich. Ob die neuen Mitarbeiter wirklich so gut sind, wie das Papier verspricht, müsse man abwarten: "Aber das ist bei einer deutschen Bewerbung genauso."
Informationen unter schaech.de , elektro-neuber.de , g-i-consult.com .