Barrierefreies Bauen Appell an die Politik: Bäder besser für die Pflege rüsten

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima möchte durch eine gezielte Bauvorsorge und die stärkere Bezuschussung von Bau- und Sanierungsmaßnahmen Pflegekosten einsparen.

Pflegegereches Bad



Pflegegerechte Bäder müssen laut ZVSHK mehr bieten als nur Barrierefreiheit. - © Illustration: Aktion Barrierefreies Bad / Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS)

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) fordert von der Politik, Badsanierung stärker zu fördern. Das Volumen des KfW-Programms 455-B solle dauerhaft auf 150 Millionen Euro aufgestockt werden. Unter der Aktion "Barrierefreies Bad" richten die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und der ZVSHK einen Appell an die Politik, die Fördermaßnahme langfristig zu verstetigen. Hintergrund ist unter anderem der große Bedarf. In den vergangenen Jahren seien aufgrund der hohen Nachfrage bereits zur Jahresmitte keine finanziellen Mittel für barrierereduzierende Maßnahmen verfügbar gewesen. Demnach war der bereits in diesem Jahr erhöhte Fördermitteltopf sogar schon im Juni ausgeschöpft.

Den Verbänden geht es nach eigenem Bekunden auch um die Entlastung der Pflegekassen. Laut Matthias Thiel, Referent beim ZVSHK, erspare die ambulante Pflege im eigenen Bad die hohen Pflegekosten in Heimen. Thiel ist beim ZVSHK im Referat Demografischer Wandel beschäftigt und hat eine Studie zum Thema Ausführung und Finanzierung pflegegerechter Bäder koordiniert. Thiel bezieht sich auf eine Studie des Eduard-Pestel-Instituts, wonach die Pflegekassen rund zwei Milliarden Euro jährlich sparen können, wenn es gelingt, nur 100.000 Wohneinheiten altersgerecht zu gestalten, sodass ältere Menschen darin so lange wie möglich selbstständig wohnen können. Elementar sei jedoch, dass man nicht nur "barrierefrei" bauen, sondern auch "pflegegerechtes" Bauen mitdenken sollte. Dann könne das Motto "ambulant vor stationär" gelingen.

In Bauprophylaxe investieren

Um den Bedarf langfristig und vorausschauend zu decken, plädiert der Verband deshalb zusätzlich für Investitionen in die Bauprophylaxe. Das wiederum bedeutet, im Vorfeld eines Neubaus oder Umbaus mitzudenken, welche Anforderungen an die Wohnumgebung sich aus einzelnen Lebenszyklen ergeben. Heißt im Klartext: Das Bad sollte schon beim Bau des Hauses zum Beispiel für die Pflege des Partners eingerichtet sein. Gleiches gilt natürlich bei einer späteren Sanierung. Thiel hat mit seinem Team Kriterien für ein pflegegerechtes Bad erarbeitet und eine Liste mit baulichen Minimalanforderungen erstellt. Ausreichend Platz für zwei Personen oder ein schwellenloser Zugang gehören dazu, aber auch genügend Stromanschlüsse und eine hohe Zahl an Haltemöglichkeiten. Die Liste sollte in die KfW-Förderung zum altersgerechten Umbauen zukünftig einfließen.

Vorsorgende Planung von Bädern werde immer noch stiefmütterlich behandelt, klagt Thiel. Die baulichen Veränderungen müssten zum großen Teil immer noch vorgenommen werden, wenn sich die Lebenssituation ändere – und das passiere eben oft erst im Akutfall. Dann jedoch könnten sich viele Paare den Umbau nicht leisten. Zumal die Kosten eines Badumbaus die Zuschüsse der Pflegekassen von 4.000 Euro bei weitem übersteigen. Ein kompletter Umbau eines Badezimmers in Schlauchform (1,30 x 3,50 Meter), das immer noch einen großen Bestandteil des Wohnungsbestandes ausmache, beziffert der Verband mit rund 25.000 Euro. Förderwürdig seien leider auch nicht die vorbereitenden Maßnahmen für eine spätere, schnellere Auf- und Umrüstung. Teil des Förderkataglogs solle deshalb auch ein Vorbereitungsmodul "Pflegegerechtes Bad" werden.

Große Versorgungslücke bei altersgerechtem Wohnen

Schon jetzt gibt es – auch bedingt durch die älter werdende Gesellschaft— eine große Versorgungslücke bei altersgerechtem Wohnen. Das Institut für Wohnen und Umwelt Darmstadt hat im vergangenen Jahr das KfW-Förderprogramm "Altersgerecht Umbauen" evaluiert. Demnach gab es im Jahr 2018 knapp 2,4 Millionen barrierefreie Wohnungen zu wenig. Der Rückstand werde laut der Studie nur langsam abgebaut. Noch für 2035 berechneten die Forscher eine Lücke von 1,9 Millionen Wohnungen. Im gleichen Zeitraum steige der Bedarf von 2,9 auf 3,7 Millionen Wohnungen.