Zahlreiche Deutsche haben in den vergangenen Monaten einen Anruf vom Windows-Support erhalten. Das Problem: Der US-Konzern betont, dass er Privatanwender nur in den seltensten Fällen anruft – und niemals unaufgefordert. Über eine dreiste Betrugsmasche und darüber, wie sich Betroffene im Fall der Fälle verhalten sollten.

Erst 2016 sorgte eine von Microsoft veröffentlichte Studie für Aufsehen. Jeder zweite Deutsche gab darin an, schon einmal einen Anruf oder eine E-Mail von einem angeblichen Microsoft-Mitarbeiter erhalten zu haben – oder zumindest über eine gefälschte Online-Werbeanzeige des Tech-Giganten gestolpert zu sein. Auf diese Weise versuchen Verbrecher immer wieder sensible Daten oder Geld für fiktive Produkte von ihren Opfern abzuknöpfen.
Anruf vom Windows-Support: Erfolgreiche Betrugsmasche
Die meisten Betrugsversuche wurden zügig als solche enttarnt. Doch nicht alle. Drei Prozent der Befragten beklagten damals, dass sie durch die Betrugsmasche einen finanziellen Schaden erlitten haben. Und bis heute scheint das sogenannte "Tech Support Scam" ein lukratives Geschäft für Verbrecher zu sein. Vor allem die direkte Ansprache per Telefon scheint zu funktionieren. Nach Angaben von Microsoft wurden 2017 weltweit mehr als 153.000 solcher Fälle gemeldet – 24 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
15 Prozent derer, die einen Anruf durch einen vermeintlichen Microsoft-Mitarbeiter meldeten, hatten dadurch auch Geld verloren. Der finanzielle Schaden belief sich im Schnitt auf einen Betrag zwischen 200 und 400 US-Dollar. Einen Niederländer traf es besonders hart. Ihm entwendeten die Kriminellen 89.000 Euro von seinem Bankkonto. Überraschend: Viele junge Menschen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren seien auf die Masche der Betrüger hereingefallen.
Fake-Anrufe: Mit diesen Tricks ködern die Betrüger
Die Verbrecher arbeiten nicht immer mit derselben Masche. Meist behaupten die Betrüger jedoch, dass der PC des Nutzers von einem Virus befallen sei. Den Opfern wird daraufhin angeboten, dass der Trojaner per Fernzugriff oder mit einer kostenpflichtigen Software unschädlich gemacht werden kann. In Wahrheit behebt das zu installierende Programm aber kein Problem, sondern schafft es erst.
Die Verbrecher erhalten Zugriff auf sämtliche Daten im System. So etwa auf Passwörter, die später für Abbuchungen per Online-Banking genutzt werden. In anderen Fällen fordern die Kriminellen hohe Summen für Support-Leistungen, Lizenzen, Updates oder Software. Auch beim Stichwort "Microsoft-Lotterie" sollten Betroffene hellhörig werden. Eine solche gäbe es überhaupt nicht, betont Microsoft. Vermeintliche Gewinne würden lediglich als Köder dienen.
"Microsoft-Mitarbeiter" am Telefon: Wie reagiere ich richtig?
Der Tech-Konzern gibt einen einfachen Tipp, wie Betroffene das falsche Spiel enttarnen können: "Microsoft führt unter keinen Umständen unaufgeforderte Telefonanrufe durch, in denen das Unternehmen anbietet, ein schadhaftes Gerät zu reparieren", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Selbst auf Support-Anfragen würden Hilfestellungen fast ausschließlich per E-Mail erfolgen. Wer einen unaufgeforderten Anruf von einem Microsoft-Mitarbeiter erhält, sollte also so schnell wie möglich wieder auflegen und den Betrugsfall auf einer eigens hierfür eingerichteten Plattform sowie bei der Polizei melden.
Ein Kontakt zum Microsoft-Support erfolge ausschließlich auf Initiative der Nutzer, niemals umgekehrt. Das gelte auch für E-Mails.
Ich habe die Software installiert: Was jetzt?
Wer auf Drängen des Anrufers eine entsprechende Software installiert hat, sollte das Gerät so schnell wie möglich vom Netz trennen, rät Microsoft. Zudem sollten so schnell wie möglich sämtliche Passwörter von einem sicheren Gerät aus geändert werden – speziell die für den Online-Banking-Account. Anschließend müsse die Angelegenheit unbedingt bei der Polizei angezeigt und auf der Meldeplattform von Microsoft gemeldet werden. fre