Kolumne Anpassen? Nicht sportinteressiert, aber alle reden über Fußball

In einem Team gibt es oft ähnliche Interessen und Meinungen. Das ist aber nicht von Anfang an gegeben. Wenn neue Lehrlinge zum Team stoßen, können sie sich entweder anpassen oder fallen schlimmstenfalls als Querulanten und Unruhestifter auf. Was Konformität in diesem Fall bedeutet und warum sie das Wir-Gefühl stärken kann, darüber spricht Ausbildungsberater Peter Braune in seiner aktuellen Kolumne.

buntes Chamäleon
Konformität bedeutet nicht, dass man seine eigene Meinung aufgibt. Aber ähnliche Interessen können das Wir-Gefühl im Team stärken. - © lukjonis - stock.adobe.com

Karl beginnt eine Lehre als Maurer. Er interessiert sich überhaupt nicht für Fußball. Er will nicht hören, welche Vereine in der ersten Bundesliga wie gespielt haben, wer an der Tabellenspitze steht und wer voraussichtlich in die zweite Liga absteigen muss oder warum es eine Nationalmannschaft der Frauen gibt. 

Schon in der Probezeit bekommt er mit, dass Fußball ein Hauptthema bei jeder Gelegenheit ist. Er hört sich an, worum es in den Gesprächen rund um den Fußball geht und wessen Mannschaft am Wochenende wie gespielt hat. Er versteht nun auch besser die schlechte Laune des jeweiligen Kollegen. Nach und nach befasst er sich mehr mit dem Thema und wird so in die Diskussionen einbezogen. Er verhält sich konform, um von den anderen nicht ausgeschlossen zu werden. 

Konformität stärkt den Zusammenhalt im Team

Konformität bedeutet, einer Gruppe zugehörig zu sein oder sich ihr verbunden zu fühlen. Von solchem Verhalten können Ausbilderinnen und Ausbilder in der Regel auf die gemeinsamen Gewohnheiten, Meinungen, aber auch Einstellungen schließen. Es geht auch um mehrheitlich geäußerten Urteile, Meinungen und Einstellungen.

Manchmal verhalten sich Lehrlinge nicht konform, solange ihnen der Einblick, die Kenntnis oder Erfahrung in eine bestimmte Situation fehlt. Manche Ausbilder bekommen jedoch schon bei dem Wort Konformität Bauchschmerzen. Damit verbinden sie gemischte Gefühle. Lehrlinge, die nicht konform sind, gelten bei ihnen schnell als Querulanten, Unruhestifter – oder sind aus ihrer Sicht eigenbrötlerisch. Sie passen nicht in ihre persönlichen Vorstellungen von Verhaltensnormen. Das kann zu einem Widerspruch in sich führen, denn einerseits fordern sie die Lehrlinge zum Mitdenken auf und gleichzeitig wird von ihnen ein angepasstes Verhalten erwartet.

Konformität entsteht nicht nur, weil die Lehrlinge vom Sinn, Wert oder Nutzen ihres Verhaltens überzeugt sind, sondern weil angepasstes Verhalten für sie selbst einen Nutzen hat. Gleichförmigkeit bezeichnet jedoch auch, dass auf einen Lehrling, von den anderen, Druck ausgeübt wird, sich so zu verhalten, wie es in der Gruppe erwartet wird.  

Anpassung kann Interessen oder den Kleidungsstil betreffen

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, durch die Konformität beeinflusst werden kann. Da ist zunächst einmal die Größe der Lehrlingsgruppe. Hier spielt der sogenannte Mehrheitseinfluss eine Rolle. Die Mehrheit übt Einfluss auf die Minderheit aus. So entstehen Veränderung im Verhalten oder in der Meinung. Eine junge Frau kauft sich zum Beispiel andere Kleidung, ändert ihr Verhalten und Aussehen, um sich der Mehrheit anzupassen. Das geschieht, weil sie sich optisch nicht von der Gruppe unterscheiden möchte oder negative Folgen fürchtet, wenn sie sich nicht optisch anpasst. In Betrieben mit vielen Lehrlingen schließen sich manche den Überzeugungen anderer an, auch wenn das den eigenen Vorstellungen widerspricht.

Eine Rolle spielt die wechselseitige Beziehung, die sich über unmittelbare oder mittelbare Kontakte zwischen den an der Berufsausbildung beteiligten Personen ergibt. Das ist im Ergebnis die Summe dessen, was zwischen Personen in Aktion und Reaktion geschieht. Durch Konformität wird den Lehrlingen das Gefühl vermittelt, dass sie dazugehören und ein wichtiger Teil der Betriebsgemeinschaft sind. Dank Konformität werden auch Streitigkeiten vermieden, das gemeinschaftliche Miteinander erleichtert und zum Teil sogar erst ermöglicht.

Das Forscherteam um Eddie M. W. Tong hat übrigens herausgefunden, dass Konformität auch von der Stimmung abhängt. Bei guter Laune ist sie stärker ausgeprägt als bei Niedergeschlagenheit.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.