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Gold glänzt noch immer Warum sich Gold für Anleger immer noch lohnt

In Krisenzeiten gilt Gold als verlässliche Anlage. Seit Monaten boomt die Nachfrage nach dem Edelmetall. Immer mehr Privatkunden decken sich ein. Die Hoffnung auf steigende Preise ist nicht unbegründet.

Hier ist wirklich alles Gold was glänzt: Vom Mini-1-Gramm-Stück als Geschenk der "Zahnfee" über den Kilo-Barren bis zu Goldmünzen - das Angebot an Edelmetall ist vielfältig in der Frankfurter Zentrale von Europas größtem Goldhändler Degussa im Schatten der großen Banktürme. "Guten Morgen, ich wollte mein Gold abholen" - diskret wird die junge Frau an einen der Schalter gelotst. Ein älteres Ehepaar blättert derweil im gut gesicherten Foyer inmitten glänzender Vitrinen in einem Katalog.

"Wir sehen seit Jahren eine Flucht in Sachwerte", schildert Oliver Heuschuch, Leiter Edelmetallhandel bei der Degussa Goldhandel GmbH. "Der Brexit und die US-Wahl haben diesen Trend verstärkt. Der Oktober war ein Trump-Monat." Dass Donald Trump nun tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde, habe der Nachfrage nach Gold noch einmal einen Schub gegeben - quer durch die Gesellschaft. "Wir dachten immer, unsere Kunden sind jenseits der 50 und Besserverdiener, aber das trifft so nicht zu", sagt Heuschuch. "Unsere Kundschaft ist bunt gemischt: Vom Kleinanleger, der ein paar Silbermünzen kauft, bis zum vermögenden Privatkunden."

Weltweit 180.000 Tonnen Gold

Gold gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. "Wer Gold kauft weiß: Gold wird auch in Zukunft noch seinen Wert haben", sagt Heuschuch. "Seit 4.000 Jahren ist Gold auf dem Markt und damit die älteste Währung der Welt." Dazu kommt: Die Vorräte sind begrenzt. Weltweit gibt es etwa 180.000 Tonnen - eine Menge, die man bequem unter dem Brandenburger Tor oder in einem olympischen Schwimmbecken unterbringen könnte.

Das Edelmetall ist begehrt - seit Monaten umso mehr, weil beliebte Sparprodukte wie Tages- und Festgeld wegen der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen. Gut jeder Vierte Deutsche (27 Prozent) investierte in den vergangenen zwei Jahren in Gold - das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank. Im Schnitt nahmen Privatleute 4.197 Euro in die Hand. Der Goldschatz der privaten Haushalte in Deutschland erreichte mit einem Plus von 477 Tonnen seit 2014 die Rekordmenge von aktuell 8.672 Tonnen.

Kleine Goldkunde – Wissenswertes über Gold

Die Berliner Steinbeis-Hochschule hat 2014 überraschende und kuriose Fakten über Gold zusammengestellt. Hier die interessanten Fakten:

Gold als Geschmacksverstärker

Gold ist essbar: Mit Blattgold werden vor allem Gebäck- und Süßspeisen dekoriert. Auch Getränke lassen sich damit anreichern. So weden den Goldfäden im "Danziger Goldwasser" – einem Gewürzlikör – eine aufheiternde Wirkung zugeschrieben. Einen Eigengeschmack hat Gold allerdings nicht.

Darüber hinaus wird Gold schon seit Jahrtausenden eine heilende Wirkung nachgesagt – so zum Beispiel gegen Rheuma: Mit Gold-Spritzen oder Gold-Tabletten wird die schmerzende Krankheit auch heute noch behandelt. Allerdings erfordert die Goldtherapie eine intensive ärztliche Betreuung und kann außerdem zahlreiche Nebenwirkungen hervorrufen. Deshalb wird sie heute nur noch selten angewandt.

Gold funktioniert nicht mehr als Geld

Unter allen bekannten Metallen ist Gold das am besten dehn- und formbare. Aus einem Gramm Gold kann ein mehr als drei Kilometer langer Draht hergestellt werden, der dünner als das Haar eines Menschen ist.

2012 waren nach Expertenschätzungen weltweit circa 170.000 Tonnen Gold zu Tage gefördert worden – der größte Teil davon erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Innerhalb von einer Stunde wird weltweit eine größere Menge an Industriestahl produziert, als bis heute an Gold gefördert worden ist.

Den bisher größten Goldnugget – den "Welcome Stranger" – haben 1869 zwei Australier ausgegraben. Er war 10 x 25 Zentimeter groß. Erst seit etwas mehr als 40 Jahren funktioniert Gold endgültig nicht mehr als Geld. Am 15. August 1971 verkündete Richard Nixon, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, dass der US-Dollar nicht mehr in Gold eintauschbar sei.

Gold ist wie Würfel

Spätestens von diesem Zeitpunkt an verwandelten sich alle Währungen der Welt in nicht einlösbares Papiergeld. Auf Gold als Währungsdeckung wurde fortan verzichtet. Eine Ausnahme: die Schweiz. Bis zum IWF-Beitritt des Alpenlandes im Jahr 1999 waren 40 Prozent jedes Schweizer Frankens durch Gold gedeckt.

Nach Expertenschätzungen von 2005 betrug die weltweit zu Tage geförderte Goldmenge zu diesem Zeitpunkt ungefähr 8.000 Kubikmeter. Das ist ein Würfel, dessen Kanten etwa 20 Meter lang sind.

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Anleger investieren 5.000 bis 10.000 Euro in Gold

Wer Gold kauft, ist - das zeigen Umfragen seit Jahren - überzeugt, langfristig Geld in einen stabilen Wert zu stecken. In der Steinbeis-Erhebung schlossen sich gut 93 Prozent ganz oder teilweise der Einschätzung an, Edelmetall sei ein "sicherer Hafen". Degussa-Experte Heuschuch berichtet: "Viele Anleger kaufen Gold aus Angst vor einer Währungskrise. Sie gehen davon aus, dass sie damit künftig ihre Brötchen bezahlen müssen, wenn der Euro abgeschafft würde." 5.000 bis 10.000 Euro investieren Anleger im Schnitt, Degussa rechnet für das laufende Jahr mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz - ein Viertel mehr als 2015.

Rund 90 Prozent der Befragten zeigten sich in der Steinbeis-Umfrage zuversichtlich, dass sich der Wert des Edelmetalls in den nächsten Jahren noch erhöhen wird. Diese Erwartung ist durchaus berechtigt: Von seinem Rekordpreis bei 1920 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm) vom September 2011 ist Gold noch weit entfernt. Die Rohstoff-Experten der Commerzbank erwarten zum Ende des laufenden Jahres eine Notierung bei 1.250 Dollar, Ende 2017 dann schon von 1.450 Dollar.

Goldpreis soll weiter steigen

"Im nächsten Jahr sollte der Goldpreis seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen", schreiben die Commerzbank-Analysten. "Dafür spricht die weiterhin extrem expansive Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken. Hinzu kommen die zahlreichen Unsicherheiten mit mehreren richtungsweisenden Wahlen in Europa und die verschiedenen geopolitischen Krisenherde."

Gold steht auch bei den Kunden der Deutschen Börse hoch im Kurs. Nach jüngsten Angaben lagern inzwischen 113,1 Tonnen des Edelmetalls in den Tresoren des Marktbetreibers in Frankfurt. Damit hat sich der Bestand seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Neues Gold kommt immer dann hinzu, wenn Kunden die sogenannte Xetra-Gold-Anleihe erwerben. Für jeden Anteilschein hinterlegt die Börse ein Gramm Gold.

Gold zum Anfassen gibt es bei Händlern wie Degussa oder der Reisebank. Im "Goldzimmer" bei Degussa in Frankfurt sind sogar die Tapeten aus Gold - und selbst der Türstopper, der allerdings nur auf den ersten Blick. dhz/dpa

Investitionen in Gold lohnen noch immer

Wer sich freimacht von der emotionalen Betrachtung der Tagesschwankungen, für den hat Gold an seinem Glanz nichts eingebüßt. Die Geldanlage in das Edelmetall bringt viele Vorteile.

Von Thomas Buckard

Ein stabiler Anteil an Gold im Portfolio ist gut. Besser ist es, in physisches Gold zu investieren. Sei es in Maple-Leaf-Münzen oder in Exchange Traded Funds (ETFs, die einen Auslieferungsanspruch von physischem Gold haben.

Schaut man auf die Goldpreisentwicklung der vergangenen Jahre, man mag sich an den Dax erinnert fühlen. Von historischen Höhen ging es in einer Berg- und Talfahrt auf knapp 1,050 US-Dollar pro Feinunze im November 2015 herunter. Seitdem hat - Stand Juli 2016 - wieder eine Erholung eingesetzt.

Absolutes Basisinvestment 

Das sollte aber Anleger nicht davon abhalten, Gold als absolutes Basisinvestment anzusehen. Denn das Edelmetall ist sehr gut geeignet, im Portfolio für Schutz im Sinne einer Crash-Reserve zu sorgen. Fünf bis zehn Prozent des liquiden Vermögens lassen sich durchaus strategisch in Gold platzieren, ganz gleich, auf welchem Preisniveau es gerade notiert. Der Fokus liegt dabei eben nicht auf der Rendite, sondern auf der Sicherungsfunktion gegen Inflation. Gleichzeitig kann Gold das Auf und Ab in einem breit gestreuten Portfolio mildern, auch wenn der Kurs selbst wechselhaft ist.

Zurzeit überzeugt das Argument der Inflation nicht unbedingt viele Anleger. Die Geldentwertung ist laut dem offiziellen Wert historisch niedrig, sogar von Deflationstendenzen wird gesprochen. Aber in einigen Wirtschaftsbereichen sind bereits steigende Preise zu spüren, zum Beispiel bei der Energie – der Ölpreis ist zuletzt von 30 auf 50 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Das treibt natürlich im ersten Schritt die gefühlte Inflation an und führt aufgrund des statistischen Basiseffektes zwangsläufig auch zu einer höheren Inflation. Dazu kommt die weltweite Geldmengenexpansion.

Inflation dürfte wieder anziehen 

Die extreme Liquiditätsversorgung durch die Europäische Zentralbank dürfte ebenso dazu führen, dass die Inflation generell wieder anzieht und ein Inflationsschutz im Portfolio benötigt wird. Ganz abgesehen von der wieder aufkommenden Staatsschuldenkrise in verschiedenen europäischen Ländern. Diese Problematik ist noch lange nicht gelöst, sodass die Europäische Notenbank die Kombination aus Reflationierung und gleichzeitig langfristig niedrigen Zinsen verstärken könnte, um regulierend einzugreifen.

Ein weiterer Vorzug von Gold als Alternative zu Cash ist auch, dass es keine Opportunitätskosten, also entgangene Erlöse, mit sich bringt. Der Zinsverzicht ist aufgrund der Situation im Rentenmarkt nahezu gleich null, sodass Anleger unter Renditegesichtspunkten keinen Nachteil in Kauf nehmen. Es lohnt sich also, gezielt in Gold zu investieren und damit einen Schutz ins Portfolio einzuziehen.

Münzen oder ETF kaufen 

Doch wie gehen Anleger strategisch vor? Sie haben zwei Möglichkeiten, Gold zu erwerben. Natürlich ist es möglich, einen effektiven Besitz anzustreben. Dies gelingt zum Beispiel mit der kanadischen Maple Leaf-Münze, die einen Feingehalt von 99,99 Prozent hat und deren Verkauf in allen EU-Staaten sowie der Schweiz von der Mehrwertsteuer befreit ist.

Der andere Weg ist, einen börsennotierten Indexfonds (ETF) zu erwerben, der in physisches Gold investiert und dementsprechend damit unterlegt ist. Investoren sollten aber darauf achten, dass es bei dem ETF einen Auslieferungsanspruch auf das Edelmetall gibt.

Thomas Buckard ist Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG in Wuppertal.

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