Nach Einschätzung der Stiftung Warentest ist die Beratung der Banken "so schlecht wie ihr Ruf". Von 21 getesteten Banken erhielt nicht eine die Noten "sehr gut" oder "gut".
Anlageberatung der Banken schneidet schlecht ab
Nicht eine Bank mit "gut" bewertet
Von 21 auf ihre Anlageberatung getesteten Banken habe nicht eine einzige die Note "gut" erhalten, berichtet die Zeitschrift "Finanztest" (01/2010) in ihrer Januar-Ausgabe. Dafür hätten zwei Banken "mangelhaft" und 16 "ausreichend" abgeschnitten. Die drei Testsieger seien lediglich "befriedigend" bewertet worden.
Grundlegende Fragen vernachlässigt
"Schockiert hat uns die nach wie vor laxe Auffassung der Banken davon, was 'sicher' bedeutet", schreibt die Verbraucherzeitschrift. Als "grobe Nachlässigkeiten" kritisierten die Tester, dass viele Bankberater den Kunden nicht einmal "elementare", vom Wertpapierhandelsgesetz vorgeschriebene Fragen stellten, wie etwa nach deren finanziellen Verhältnissen.
Nicht nach der Sicherheit gefragt
Die Tester haben "Finanztest" zufolge beim Beratungsgespräch angegeben, 30.000 Euro auf fünf Jahre bei einer Rendite von vier Prozent sicher anlegen zu wollen. Die eingebaute "Hürde" für die Berater habe darin bestanden, dass es zur Zeit der Tests von Juli bis September für eine sichere Geldanlage über fünf Jahre keine vier Prozent Rendite gegeben habe. Das hätten die Banker erkennen und den Kunden fragen sollen, ob ihm die Rendite oder die Sicherheit wichtiger sei. Bereits diese gestellte Aufgabe hätten viele Anlageberater nicht lösen können.
Testsieger sind dem Verbrauchermagazin zufolge mit "befriedigend" die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse. Mangelhaft sei die Anlageberatung der BW Bank und der Ostsächsischen Sparkasse gewesen.
Provision wichtiger als korrekte Beratung
Als besonders "krasse Fehlleistungen" kritisierten die Tester Empfehlungen der Berater, in Aktien- oder Rohstofffonds zu investieren, die nicht zu sicherheitsorientierten Anlegern passten. Bemängelt wurde auch, dass einigen Bankern die eigene Abschlussprovision wichtiger zu sein schien als die korrekte Beratung der Kunden.
Banken blamieren sich
Auch ein Jahr nach der Lehman-Pleite beraten Banken ihre Kunden weiter häufig schlecht. "Die Banken haben sich blamiert", kommentierte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest" in Berlin den Test. Zahlreiche Berater hätten gesetzliche Vorschriften nicht eingehalten, den Kunden riskante Zertifikate und Fonds empfohlen oder hauptsächlich die eigene Provision im Blick gehabt.
"Verblüffend" und "erschreckend" seien die Untersuchungsergebnisse, ergänzte Tenhagen. Beispielsweise hätten viele Berater der Volksbanken den Testern Zertifikate empfohlen. "Es waren zwar nicht mehr die von Lehman, aber andere, die mindestens so kompliziert sind, wenn nicht gar riskant", erläuterte er.
Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko
"Ein Drittel war nicht in der Lage, den Kunden die simple Weisheit zu vermitteln, dass mehr Rendite auch mehr Risiko bedeutet und dass der Wunsch, vier Prozent Rendite zu erhalten, zurzeit unrealistisch ist", sagte Tenhagen.
Zwei Drittel der Berater hätten nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebene Frage nach den Einkommensverhältnissen des potenziellen Kunden gestellt. Wer seine Kunden so wenige kenne, könne nicht anlegergerecht beraten, erläuterte Tenhagen. Die Empfehlungen der Banker "können allenfalls zufällig passen." Es sei verwunderlich, wie Banken mit gesetzlichen Vorschriften umgingen.
Lehman-Fall wiederholt sich
Im Grunde habe man den "Lehman-Fall eins zu eins nachgestellt", sagte Stephan Kühnlenz, Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen der Stiftung Warentest, und stellte fest: "Die Kunden haben wieder alles angedreht bekommen."
Als weiteres Negativbeispiel führten die Tester die Beratung der Ostsächsischen Sparkasse an. Deren Banker hätten vor allen "an den eigenen Vorteil gedacht", als sie versucht hätten, den Testkunden private Rentenversicherungen zu verkaufen. Diese würden für fünf Jahre zwar viel Provision für den Berater, aber wenig Rendite für den Kunden bringen. Eine Sprecherin der Ostsächsischen Sparkasse sagte auf Anfrage, man nehme "solche Ergebnisse sehr ernst." Die Bank werde den Bericht prüfen und mit den Mitarbeitern über mögliche Verbesserungen beraten.
Nur Kaufen, was man versteht
Finanzexperte Kühnlenz hält nicht nur klarere gesetzliche Rahmenbedingungen bei der Anlageberatung für notwendig. Die Testergebnisse hätten auch gezeigt, dass die Einhaltung bestehender Gesetze besser kontrolliert werde müsse. Den Verbrauchern rät er: "Kaufen Sie nur, was Sie verstehen!"
ddp/Tatjana Schäfer