Geldanlage Anlage in Gold: Nicht blenden lassen

Wer mit Gold fürs Alter vorsorgen will, sollte sich gut informieren. Es gibt nicht nur viele Zusatzkosten und Risiken. Manche Angebote sind schlicht unseriös.

Goldwaage Feder Goldbarren
Wer in Gold investieren will sollte sich nicht vom Glanz ablenken lassen. - © vetre – stock.adobe.com

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Doch lässt sich aus dem Sprichwort ableiten, dass Gold immer glänzt oder – anders ausgedrückt – immer eine sichere Geldanlage ist?

Ja, meinen zumindest viele Anleger in Deutschland. Deutsche Privatanleger horten heute fast dreimal so viel Edelmetall wie die Deutsche Bundesbank, das ergab Ende letzten Jahres eine Untersuchung der Reisebank und dem Research Center for Financial Services der Steinbeis- Hochschule. Etwa jeder fünfte Bundesbürger, zeigt aktuell eine Allensbach-Umfrage, hält Gold für eine sichere Altersvorsorge. Ein Trend, der durch Corona und die derzeit steigende Inflation noch verstärkt wurde und wird. Schließlich gilt Gold von jeher als Krisenwährung.

Große Schwankungsbreite

Eher Nein, sagen dagegen die Experten. Auch wenn der Goldpreis zuletzt praktisch konstant nach oben geklettert ist, ist Gold alles andere als eine sichere Geldanlage, so die einhellige Meinung. Denn betrachtet man die letzten 20 Jahre, entwickelt sich der Goldpreis keineswegs nur in eine Richtung, sondern schwankte stark zwischen rund 300 und 1.880 Euro pro Feinunze, wie es eine aktuelle Veröffentlichung der Verbraucherzentrale NRW ausweist. Mit anderen Worten: Wer zum falschen Zeitpunkt kauft, kann schnell Verlust machen. Zudem gibt es, egal in welcher Form in Gold investiert wird, auch nicht unerhebliche Nebenkosten (siehe Kasten).

An Goldbarren oder Münzen beispielsweise, für die meisten Anleger erste Wahl, wenn sie in Gold investieren möchten, wollen Banken oder Goldhändler schließlich noch mitverdienen. Und diese Marge macht sich umso deutlicher bemerkbar, je kleiner die gewünschte Menge ist. Wer eine Unze kauft, zahlt etwa sechs Prozent, bei einem Zehntel können es aber auch 20 Prozent werden. Will man dann bei einem späteren Verkauf keinen Verlust machen, muss der Goldpreis also entsprechend gestiegen sein.

Kosten für Schließfächer einrechnen

Zudem muss immer auch das Thema Aufbewahrung mitgedacht werden. Die Kosten für Bankschließfächer etwa sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen – vor allem von Nichtkunden wird heftig abkassiert, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest Ende 2021 ans Licht brachte – und dann ist noch nicht einmal immer vollständiger Versicherungsschutz enthalten.

Letzteres auch ein Thema, wenn man sich entschließt, den Goldschatz Zuhause aufzubewahren. Hier gilt, unbedingt bei der Versicherung nachzufragen, bis zu welchem Wert die Nuggets abgesichert sind – und wie sie gesichert werden müssen.

Und was vielen Edelmetallfans auch nicht klar ist: Nicht jede Münze hält auch tatsächlich, was sie verspricht. Zur Geldanlage eignen sich – mit den erwähnten Einschränkungen – überhaupt nur echte Anlagemünzen wie beispielsweise der südafrikanische Krügerrand oder die kanadische Maple Leaf, und spezielle vom Bundesministerium der Finanzen herausgegebene Sammlermünzen (siehe Kasten), wie Johannes Beermann Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, betont. Ihr Verkaufswert setzt sich zusammen aus dem Wert des Edelmetalls und den Herstellungskosten.

Oft unrealistische Wertsteigerungen versprochen

Weit schwieriger wird das Thema bei Goldmünzen, die von privaten Prägeanstalten und Münzhändlern angesichts bestimmter historischer Ereignisse geprägt und in großen Stückzahlen unters Volk gebracht werden. Sie sind zur Geldanlage "gänzlich ungeeignet", wie auch Münzexperte Helmut Kahnt betont. Eigentlich handelt es sich hier im engeren Sinne – da kein Wert aufgedruckt ist – auch gar nicht um Münzen, sondern um Medaillen, oft nur ein halbes oder ein Gramm (= 0,035274 Unze) leicht. Kahnt beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema, gilt als einer der profiliertesten Fachautoren und rät vom Kauf grundsätzlich ab. "Den ahnungslosen Kunden werden absolut unrealistische Wertsteigerungen versprochen, beim Wiederverkauf lässt sich wegen des geringen Goldwerts allenfalls einen Bruchteil Ihres ursprünglichen Kaufpreises erzielen."

Sieht man von diesen weitgehend wertlosen Medaillen ab, heißt die Tatsache, dass der Kauf von Gold auch Risiken birgt, allerdings nicht zwangsläufig, dass man komplett darauf verzichten muss. Zumal es neben der Investition in physisches Gold auch andere Möglichkeiten gibt, vom Goldkurs zu profitieren, beispielsweise durch Goldfonds oder Goldaktien (siehe Kasten). Im Sinne der Risikostreuung, kann es durchaus sinnvoll sein, auch etwas Gold ins Portfolio aufzunehmen. "Frühere Krisen", so heißt es dazu ebenfalls bei der Verbraucherzentrale NRW, "haben gezeigt, dass der Goldkurs den Verlust bei anderen Aktien teils ausgleichen kann." Allerdings sollte immer nur ein kleiner Teil des Vermögens in Gold fließen.

Goldfonds, Zertifikate & Co.

Wer in Gold investieren möchte, hat mehr Möglichkeiten, als das Edelmetall direkt zu erwerben. Große oder kleine Risiken bergen aber alle.

Goldaktien und Goldaktienfonds
Hier handelt es sich um Beteiligungen an Unternehmen, die Gold schürfen. Für die Wertentwicklung spielen also einerseits die Nachfrage nach Gold und der Goldpreis eine Rolle, andererseits ist entscheidend, wie profitabel das Unternehmen selbst wirtschaftet.
Kosten: Bei Aktien Odergebühren, bei Aktienfonds Ausgabeaufschlag. Außerdem Depotgebühren, die stark variieren können.
Wichtig: Die Kurse können sich vollkommen anders entwickeln als der Preis des Goldes.

Goldsparpläne
Es wird monatlich ein bestimmter Betrag in einen Sparplan gezahlt und so nach und nach das Eigentum an Gold erworben, das der Anbieter lagert.
Kosten: Gebühren (da immer nur kleine Summen investiert werden, sind sie sehr hoch) und nicht selten zusätzlich Vermittlungsprovisionen.
Wichtig: Da oft nicht klar ist, wo das Gold gelagert wird und es viele unseriöse Angebote auf dem Markt gibt, raten Verbraucherschützer grundsätzlich von dieser Anlageform ab.

Goldfonds
Das Geld fließt in einen Fonds, der den Goldkurs nachempfindet.
Kosten: Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr für das Management des Fonds.
Wichtig: Da laut Gesetz nie alle Gelder in eine einzige Geldanlage investiert werden dürfen, investiert ein Goldfonds nicht wirklich in Gold. Stattdessen werden andere Geldanlagen erworben, die sicherstellen sollen, dass der Anteilswert exakt mit dem Goldpreis schwankt. Für die Anleger soll dies die Wirkung haben, als hätten sie direkt Gold gekauft. Das ist aber letztlich nur ein Versprechen, keine Garantie.

Gold-ETCs
ETCs (Exchange Traded Commodities) heißt übersetzt: börsengehandelte Rohstoffe. Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen, die die Wertentwicklung von Rohstoffen möglichst exakt nachvollziehen.
Kosten: Börsengebühren und laufende Verwaltung.
Wichtig: Trotz verschiedener Sicherheiten besteht das Risiko eines Totalverlustes.

Goldzertifikate
Hierbei handelt es sich im Prinzip um Wetten auf die Entwicklung des Goldwertes.
Kosten: Die Kostenstruktur ist sehr verzwickt, es werden meistens keine laufenden Kosten ausgewiesen. Durch die Spannen zwischen An- und Verkaufskurs entstehen sie aber dennoch.
Wichtig: Zertifikate sind typische Spekulationsobjekte. Es locken also hohe Gewinne, aber bei einer Insolvenz des Emittenten kann es zum Totalverlust kommen.

Das 100-Euro-Münzgold

2002 wurde die erste 100-Euro-Goldmünze geprägt. Seitdem kam jedes Jahr eine weitere dazu. Bis auf die erste und die aus dem Jahr 2005, als es um die Fußballweltmeisterschaft 2006 ging, zeigen die Münzen bis 2019 alle deutschen Städte, Regionen und Bauwerke, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Dann wurde die Serie "Säulen der Demokratie" eröffnet: Nach "Einigkeit" (2020) und "Recht" (2021) kommt in diesem Jahr "Freiheit". Die vom Bundesfinanzministerium herausgegebenen Stücke unterscheiden sich von den reinen Anlagemünzen noch dadurch, dass sie in limitierter Auflage geprägt werden und damit für Sammler interessant und wertvoll sind. Trotzdem hängen ihr Verkaufswert und ­damit ein möglicher Sammelgewinn eng am Goldpreis. Aus finanzieller Sicht lohnt sich der Kauf also nur, wenn der Ausgabepreis niedrig ist und man mittelfristig nicht auf das investierte Geld angewiesen ist. Denn auch ­Verluste sind möglich. Zum Vergleich: Die erste ­100-Euro-Münze kostete im Ausgabejahr 193 Euro, 2012 lag der Ausgabepreis für das Motiv "Aachen" bei 738,70 Euro für 15,55 Gramm (1/2 Unze). Ein Jahr später mussten für "Dessau-Wörlitz" nur noch 544,48 Euro ­bezahlt werden. Die "Recht"-Münze kostete im vergangenen Jahr 809,35 Euro, derzeit (11. April 2022) hat der Preis für die halbe Unze 900 Euro erreicht. Die "Freiheit" wird also wohl teurer.