Test kostet bis zu 400.000 Euro - Extrembedingungen werden simuliert Anlage in Bremerhaven kann 90 Meter lange Rotorblätter prüfen

Noch sind sie Zukunftsmusik - doch Bremerhaven ist bereits auf extrem lange Windradflügel vorbereitet. Bis zu 90 Meter lange Rotorblätter können künftig im Institut für Windenergie und Energie-Systemtechnik (IWES) der Fraunhofer-Gesellschaft auf ihre Material-Beständigkeit getestet werden.

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Anlage in Bremerhaven kann 90 Meter lange Rotorblätter prüfen

Bremerhaven (dapd). Noch sind sie Zukunftsmusik - doch Bremerhaven ist bereits auf extrem lange Windradflügel vorbereitet. Bis zu 90 Meter lange Rotorblätter können künftig im Institut für Windenergie und Energie-Systemtechnik (IWES) der Fraunhofer-Gesellschaft auf ihre Material-Beständigkeit getestet werden. Diese sei eine der weltweit größten Anlagen für statische und dynamische Ganzblatt-Prüfungen, wie Arno van Wingerde vom IWES am Dienstag sagte.

Der elf Millionen Euro teure Neubau wird am (kommenden) Donnerstag eingeweiht. Das IWES sei damit gut gerüstet für immer größere Blattlängen. Bislang konnten im IWES bis zu 70 Meter lange Windmühlenflügel darauf getestet werden, ob sie eine 20-jährige Betriebsdauer unbeschadet überstehen. Standard seien zurzeit 60 Meter lange Blätter. "Wir haben aber bereits einen Auftrag über 80 Meter", sagte Wingerde.

Er rechnet damit, dass die Größe der neuen Anlage bis zu zehn Jahre ausreichen werde. Finanziert wurde der Prüfstand vor allem aus Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Hersteller lassen vor einer Serienanfertigung von Rotorblättern Prototypen mit neuem Design und neuen Werkstoffen im IWES-Institut testen. Eine unabhängige Prüfung sei Voraussetzung für eine Zertifizierung, sagte Falko Bürkner vom IWES. Während einer bis zu sechs Monate langen Testphase werden Beanspruchungen durch Wind und Ermüdung simuliert.

Einmalig an der neuen Prüfanlage ist ein kippbarer Block, 1.000 Tonnen schwer, an dem der Flügel in horizontaler Lage befestigt wird. Das Blatt lässt sich so fixiert in verschiedene Richtungen bis zu 25 Meter biegen oder auch schwingen. "Während das Blatt gezogen wird, kippen wir den Block zurück", sagte Wingerde. "Dadurch braucht man eine geringere Hallenhöhe." Mithilfe von rund 200 zuvor am Flügel befestigten Sensoren sind die Auswirkungen auf das Material messbar. Ein Test kostet den Hersteller bis zu 400.000 Euro, sagte Bürkner.

Seit 2009 prüfte das Bremerhavener Institut Rotorblätter, zunächst nur mit einer Anlage. Die IWES-Einrichtung ist den Angaben zufolge die einzige für alle Hersteller in Deutschland. Einige Hersteller hätten zwar eigene Teststände, sagte Bürkner. Diese stießen zum Teil aber an ihre Grenzen. Das IWES-Institut erhalte Aufträge von Herstellern weltweit, die Nachfrage sei steigend. "Bis Mitte 2012 sind wir ausgebucht", sagte Bürkner. Im Herbst werde ein dritter, kleinerer Prüfstand installiert.

dapd