Sollte es zu Engpässen beim Strom kommen, sollen konventionelle Kraftwerke zusätzliche Energie liefern. Die Bundesnetzagentur rechnet vor allem im Süden mit Engpässen im Winter. Die acht stillgelegten Atomkraftwerke bleiben jedoch abgeschaltet.

Angst vor Stromengpass im Winter
Zur Überbrückung möglicher Stromengpässe infolge der Energiewende setzt die Bundesnetzagentur auf konventionelle Kraftwerke. An grauen und windstillen Wintertagen sollen in Süddeutschland bei Bedarf vier Blöcke zusätzlichen Strom liefern können.
Vom Tisch ist der ursprünglich ins Gespräch gebrachte Reservebetrieb eines von acht stillgelegten Atomkraftwerken.
Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur kann es besonders im Süden Deutschlands im Winter zu Stromengpässen kommen. Die Behörde geht davon aus, dass insgesamt rund 1.000 Megawatt Puffer benötigt werden und hat daher mehrere Kraftwerke ausgemacht, die bei Bedarf genau diese Menge Strom liefern können. Weitere 1.075 Megawatt könnten im Bedarfsfall österreichische Kraftwerke liefern.
Verwirrung um Kraftwerk Ensdorf
Bei den deutschen Reservekraftwerken handelt es sich um das Steinkohle-Großkraftwerk 3 in Mannheim, das Gaskraftwerk Mainz-Wiesbaden 2, das Gaskraftwerk Freimann in München sowie das Kraftwerk der Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe. Die Bundesnetzagentur nannte zudem Block 3 des Kraftwerks im saarländischen Ensdorf, das mit mehreren Energieträgern betrieben wird.
Der Saarbrücker Energiekonzern VSE allerdings widersprach. Die Netzagentur habe diesen Block offenbar "in Unkenntnis der Gegebenheiten vor Ort" in die Planungen aufgenommen, sagte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch auf dapd-Anfrage.
VSE hatte Block 3 des Kraftwerks Ensdorf Ende Juli vom Essener Stromversorger RWE Power übernommen und an Saarstahl verpachtet, um die Stromversorgung für die Stahlproduktion zu sichern. Die Bundesnetzagentur erklärte dazu, der Verkauf sei erst nach den Berechnungen der Behörde erfolgt. Damit sei die ursprünglich angenommene Stromlücke kleiner geworden, es handle sich also um das erste Reservekraftwerk, das in Betrieb genommen werde.
Kurth sieht weiterhin Risiken für Versorgungssicherheit
Mit der Verabschiedung der neuen Energiegesetze hatte die Bundesnetzagentur den Auftrag erhalten, bis zum 1. September zu entscheiden, ob einer der im Zuge des Atommoratoriums stillgelegten Atomreaktoren zur Sicherung der Netzstabilität vorübergehend weiter in Bereitschaft gehalten werden soll. Die Behörde kam nun zu dem Schluss, dass mögliche Stromengpässe auch durch den Einsatz konventioneller Kraftwerke abgefedert werden können.
Grund zur Entwarnung gibt es nach Einschätzung von Behördenchef Matthias Kurth dennoch nicht. "Unstrittig ist, dass mit der Anordnung des Reservebetriebs noch immer Risiken für die Versorgungssicherheit verbleiben", sagte er. Kurth appellierte insbesondere an die Atomkraftgegner, für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung für den Bau neuer konventioneller Kraftwerke und den Ausbau der Stromnetze zu sorgen. "Die beiden Dinge gehören ebenso wie das Abschalten der Kernkraftwerke zum Thema Energiewende. Sonst wird sie in Deutschland nicht gelingen."
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler begrüßte die Entscheidung der Bundesnetzagentur. Dies sei "ein wichtiges Signal für die Unternehmen, dass diese sich auch in den kommenden Wintern auf eine gesicherte Versorgung mit Strom verlassen können", erklärte der FDP-Politiker. Zugleich müsse aber auch der Ausbau der Netze vorangetrieben werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
dapd