Berufsbildungsbericht und Datenreport Lehrstellenmarkt: Nachfrage passt nicht zum Angebot

Für die Jugendlichen, die auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, haben sich die Jobchancen weiter verbessert. Für die Betriebe, die Lehrlinge suchen, wird es dagegen schwieriger. Die Zahl der Bewerber sinkt. Probleme bereitet aber auch immer noch die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

In diesem Jahr haben die Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, gute Jobchancen. Für die Betriebe wird die Auswahl jedoch geringer. - © DOC RABE Media/Fotolia

Nach den Schätzungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wird die Zahl der offenen Lehrstellen in diesem Jahr weiter steigen. Waren es 2011 knapp 30.000 Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden konnten, so könnte die Zahl 2012 noch ansteigen. Zwar ist die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze um rund 6.400 bzw. ein Prozent auf mehr als 606.000 gestiegen, doch gleichzeitig gehen die Bewerberzahlen zurück. Rund 2.100 weniger Jugendliche werden in diesem Jahr voraussichtlich einen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Damit wird die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei 571.600 liegen und geringer ausfallen als noch in den Jahren davor.

Das BIBB erstellt den jährlichen Datenreport zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt und ergänzt damit den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, der heute im Kabinett beschlossen und danach veröffentlicht wurde.

Jugendliche in Deutschland sind selten arbeitslos

Beide Berichte zeigen, wie viele verschiedene Faktoren die Lage auf dem Ausbildungsmarkt beeinflussen. So ist die Situation für die Jugendlichen durchaus positiv zu bewerten, dass ihre Jobchancen gestiegen sind. Schon zum Beginn des Jahres verzeichnete Deutschland mit 8,2 Prozent laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat die niedrigste Arbeitslosenquote bei den unter 25-jährigen. Und der Konjunkturaufschwung geht weiter wie aktuelle Zahlen zeigen. Doch mit dem damit steigenden Angebot an Lehrstellen geht aktuell kein Anstieg der Nachfrage einher. Die Schülerzahlen sinken und viele Betriebe finden keine Nachwuchskräfte.

Doch obwohl der Fachkräftemangel momentan allumfassendes Thema ist, möchte der Präsident des BIBB den Bewerbermangel nicht beschwören. "Von einem generellen Bewerbermangel ist noch nicht die Rede", sagte Friedrich Hubert Esser im DHZ-Interview. Als problematisch bewertet er vielmehr die "Passgenauigkeit, denn Bewerber seien noch genügend da. "In vielen Branchen, Berufen und Regionen gibt es extreme Unterschiede zwischen Bedarf und Nachfrage", kommentiert Esser die aktuellen Zahlen. Hierfür müssen nun Lösungen gefunden werden.

Wie das Bundesbildungsministerium im dem heute veröffentlichten Bericht meldet, zeigen einige Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren beschlossen wurden, erste Erfolge. So konnte die Zahl der Altbewerber, also derjenigen, die im vergangenen Jahr keine passende Stelle gefunden haben, reduziert werden. Zusätzlich sei die Zahl der Jugendlichen im sogenannten Übergangsbereich gesunken. Damit konnten nach Angaben des Berichts mehr Jugendliche vermittelt werden, die wegen fehlender Qualifikationen normalerweise schulische Berufsvorbereitungen in Anspruch genommen hätten und dem Arbeitsmarkt damit noch länger fern geblieben wären. Sowohl Maßnahmen, die schwächere Jugendliche gezielter auf den Beruf vorbereiten als auch Initiativen wie "Abschluss und Anschluss - Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" hätten hierbei unterstützend gewirkt.

Die Zugangsbarrieren sind immer noch zu hoch

Doch die gestiegene Nachfrage sorgt auch dafür, dass die Wirtschaft bereit ist, Jugendliche einzustellen und zu fördern, denen die grundlegenden Voraussetzungen eigentlich fehlen. Auch Handwerkspräsident Otto Kentzler wies am vergangenen Montag, am "Tag des Ausbildungsplatzes" darauf hin, dass die Betriebe, schwächere Bewerber akzeptieren müssten.

Probleme sieht die Bundesregierung aber auch selbst. So gibt es noch Defizite bei der Integration ausländischer Bewerber und von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. "In der Berufsausbildung sind ausländische Jugendliche weiterhin stark unterrepräsentiert", heißt es im aktuellen Berufsbildungsbericht. Demnach fiel die Ausbildungsbeteiligungsquote junger Ausländer mit 33,5 Prozent im Jahr 2010 auch nur etwa halb so hoch aus wie die der deutschen jungen Menschen. Diese lag zum selben Zeitpunkt bei 65,4 Prozent.

Hier besteht also dringender Handlungsbedarf, denn die Zugangsbarrieren - und vielleicht auch die Vorurteile - scheinen immer noch unüberwindlich zu sein, um hier von gleichen Chancen sprechen zu können. Die Bundesregierung hat junge Menschen mit Migrationshintergrund zwar als wesentliche Zielgruppe des "Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" erklärt, aber dieser Theorie müssen nun auch Taten folgen . jtw