Seit 1634 wird in Oberammergau alle zehn Jahre das Passionsspiel aufgeführt – in Erfüllung eines Gelübdes aus dem Jahre 1634. Das Spiel von Leben und Tod geloben die Oberammergauer mitten im Dreißigjährigen Krieg, nach monatelangem Leiden und Sterben an der Pest. An vielen Orten in Mitteleuropa gab es damals Passionsspiele, aber das Besondere an Oberammergau ist seine fast lückenlose Tradition, die auch die Zeiten überdauerte, als staatliche und kirchliche Obrigkeit die Vermengung von Religion und Possenspiel als nicht mehr ins Konzept passend verbot.

Am Anfang steht das Pestgelübde
Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Oberammergau eine große Anzahl an Textfassungen. Eine der großartigsten lieferte 1750 der Benediktinerpater Ferdinand Rosner. 1770 wurden die Oberammergauer durch ein Spielverbot gezwungen, alle allegorischen Figuren und die Teufelsszenen aus dem Spiel zu verbannen. 1810 schrieb der Ettaler Pater Otmar Weiß die Grundlage des bis heute gespielten Textes. 1860 wurde der Text von Pater Weiß von Pfarrer Josef Alois Daisenberger überarbeitet. Die wohl größte Textreform des 20. Jahrhunderts wurde für das Passionsspiel 2000 von Christian Stückl und Otto Huber durchgeführt. Und die wohl größte Herausforderung bestand darin, den Antisemitismus, der sich unheilvoll durch die gesamte Geschichte Europas und des Christentums zieht und an dessen Verbreitung Passionsspiele ihren Anteil hatten, aus dem Spiel zu verbannen.
Seit Aschermittwoch 2009 lassen sich nun alle Mitwirkenden, einer alten Tradition – dem "Haar- und Barterlass" folgend, die Haare und die Männer auch die Bärte wachsen. Am 18. April wurden alle Darsteller öffentlich bekannt gegeben: Neben den großen Figuren Jesus, Maria, Petrus, Judas, Pontius Pilatus und Kaiphas gibt es 120 größere und kleinere Sprechrollen. Insgesamt wirken über 2 400 Oberammergauerinnen und Oberammergauer mit – davon über 650 Kinder.
Damit Besucher aus aller Welt die Passionsspiele entspannt genießen können, bietet Oberammergau traditionell Arrangements an. An den Spieltagen Freitag, Sonntag, Dienstag und Donnerstag gibt es Arrangements in 13 verschiedenen Unterkunftskategorien. An allen Samstagen sowie am Freitag, 1. Oktober 2010 und Sonntag, 3. Oktober 2010, werden Eintrittskarten ohne Arrangement verkauft. Diese stehen Gästen, die Oberammergau bequem in einer Tagesreise erreichen können, zur Verfügung. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen.
Die Premiere der Passionsspiele 2010 ist am 15. Mai 2010, die letzte Vorstellung findet am 3. Oktober 2010 statt.
Info und Kartenverkauf: Geschäftsstelle der Passionsspiele 2010 Oberammergau und DER Reisebüro oHG, Eugen-Papst-Straße 9 a, 82487 Oberammergau; Tel. 08822/92310; Fax 923152.
dhz