Zukunft Lebensräume: Beim Bau flexibler sein Altersgerechtes Wohnen? Geht auch einfacher

Professor Thomas Jocher vom Institut Wohnen und Entwerfen der Universität Stuttgart sieht das Thema Wohnen fürs Alter ganz pragmatisch. Es muss passen und wie es am Ende aussieht, hängt vom Standard ab, den man sich erfüllen möchte. Eine vorher festgelegte Norm für altersgerechtes Wohnen ist dabei eher hinderlich.

Frank Muck

Fordert mehr Flexibilität für den Neubau altersgerechter Wohnungen: Professor Thomas Jocher vom Institut Wohnen und Entwerfen der Universität Stuttgart. - © Foto: Ivonne Rammoser

Einen sehr pointierten Vortrag mit dem Titel "Wohnen fürs Alter – ein alter Zopf?" zur Frage, was altersgerechtes Wohnen bedeutet, bot Professor Thomas Jocher am zweiten Tag des Kongresses "Zukunft Lebensräume" in Frankfurt am Main. Der Dozent am Institut Wohnen und Entwerfen der Universität Stuttgart skizzierte anhand verschiedener Optionen die altersgerechte Einrichtung von Neubauten. Jocher hat eine zweijährige Forschungsarbeit zu dieser Frage durchgeführt. Sein Team begutachtete unter anderem 160 Objekte und führte zahlreiche Interviews mit Bewohnern, Verwaltern, Hausmeistern und anderen Beteiligten.

Sein Fazit: Es muss eine Art Grundausrüstung für jede Wohnung und jedes Haus geben, Haustürenbreite von 80 Zentimeter, Bewegungsflächen für Rollstühle, ebenengleiche Fußböden, also ohne Schwellen zwischen den Räumen und im Bad, so dass alles rollstuhl- und rollatorgerecht ist. Aber viele Dinge, die eine Norm vorschreibt, seien eigentlich nicht nötig. Das fange schon bei der Frage an, ob ein Aufzug eingebaut werden sollte. Vielleicht reiche auch ein entsprechend großer Treppenaufgang, der den nachträglichen Einbau erlaube, wenn es wirklich nötig wird.

Das Leben endet nicht zwangsläufig im Rollstuhl

Das Festhalten an Normen könne hinderlich sein. "Wir sollten nicht alles nach DIN-Norm bauen, sondern die Schwellen niedriger hängen", so Jocher. Die Umsetzung vieler Bauvorschriften sei nicht nötig, weil das Leben im Alter natürlich nicht zwangsläufig auf eine Pflegebedürftigkeit oder den Rollstuhl hinauslaufe. Flexibel umbaubar würden Wohnungen beispielsweise auch durch die Verwendung von verschiebbaren Wänden.

Im Hintergrund stehe schließlich auch immer die Kostenfrage. Je nach Bedarf und Budget lassen sich bestimmte Standards aufstellen, ausgehend vom Mindeststandard, von Jocher "eco" genannt, bis hin zum "superior"-Niveau. Es muss also nicht immer alles ein- und umgebaut werden, was theoretisch vorgeschrieben oder möglich wäre. Insofern waren die Thesen Jochers, der Frage im Titel folgend, kein "alter Zopf". Auf die Frage, was in der Theorie altersgerechtes Wohnen heißt, gibt es sicherlich genug Vorgaben und Richtlinien. Jochers Forschungsarbeit wirft aber die Frage auf, ob man daran immer festhalten muss.

Die Ergebnisse werden in Kürze im Magazin "Zukunft bauen" im Rahmen der Forschungsinitiative Bau veröffentlicht.