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So reduziert man Baustaub Baustaub: Ab 2019 strengere Arbeitsplatzgrenzwerte

Staub gehört für viele Handwerker zur Arbeit dazu. Doch er stellt auch eine erhebliche Gesundheitsgefahr dar. Der Arbeitsplatzgrenzwert für sehr feine Stäube wurde deshalb verschärft. Noch gilt eine Übergangsfrist für die sogenannten A-Stäube. Doch sie läuft Ende 2018 aus.

Maler, Steinmetze, Schreiner und viele andere Handwerker sind sehr oft von Staub umgeben: Staub ist gefährlich, dass zeigt die Statistik. Anerkannte Berufskrankheiten durch Stäube sind noch immer unter den Top 10. Wird bei der Arbeit zu viel Staub eingeatmet, kann das zu Husten und in Folge zu chronischen Entzündungen der Atemwege führen. Bei besonders gefährlichen Stäuben wie Quarz, Metallstäuben und Asbest kann sogar Silikose oder Krebs entstehen. Krankheiten wie eine Staublunge oder die Silikose lassen sich jedoch vermeiden. Dazu müssen Arbeitgeber jedoch die nötigen Schutzmaßnahmen kennen und anwenden.

Neue Vorgaben für den Arbeitsschutz: Übergangsfrist läuft Ende 2018 aus

In der Praxis zeigt sich noch ein erheblicher Aufklärungsbedarf, denn nicht umsonst gehören verschiedene Lungenerkrankungen – darunter der Lungenkrebs, die Asbestose und die Silikose – zu den häufigsten Berufskrankheiten. Baustaub ist einer der bedeutendsten Auslöser dieser Erkrankungen. "In der Branche besteht leider oft die Auffassung, dass Staub unabdingbar zum Bauen dazu gehöre. So kommt es, dass vermeidbare Belastungen für die Gesundheit der Beschäftigten nicht als solche wahrgenommen werden", sagt dazu Joachim Förster, der Sprecher der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau). So würden viele Maßnahmen zur Staubminimierung nicht ergriffen. Doch Staub ist nicht nur lästig, sondern auch gesundheitsschädlich. Deshalb wurden auch erst in jüngster Vergangenheit neue Vorgaben zum Arbeitsschutz erlassen.

Mit dem Ziel, Gesundheitsrisiken durch Stäube zu reduzieren hat das Bundesarbeitsministerium (BMAS) den Arbeitsplatzgrenzwert für die einatembaren Stäube (E-Staub) und die noch feineren, alveolengängigen Stäube (A-Staub) – das sind vergleichsweise feine Stäube, die bis in die Lungenbläschen gelangen können – gesenkt. Zwar gilt noch bis zum 31. Dezember 2018 eine Übergangsfrist für die verpflichtende Einhaltung des Grenzwertes von 1,25 mg/m³. Dennoch sollten sich nun auch diejenigen Baubetriebe umstellen, die bislang die Ausnahmebestimmungen in Anspruch nehmen konnten. Außerdem wurde im Jahr 2017 ein neuer Beurteilungsmaßstab für Quarzstaub – dem Auslöser der Silikose – verabschiedet.

TRGS 504: Neue Vorgaben für E- und A-Stäube ab 2019

Die Technische Regel für Gefahrstoffe  TRGS 504 regelt, wie mit dem Grenzwert für gefährlichen E- und A-Staub umzugehen ist. Noch liegt dieser bei 3,0 mg/m³. Doch die noch geltende Übergangsfrist läuft aus. Der Gesetzgeber hat beschlossen, diesen Grenzwert deutlich auf 1,25 mg/m³ abzusenken. Seit 2016 gilt unter bestimmten Voraussetzungen, dass der alte Wert von 3,0 mg/m³ noch bis 31. Dezember 2018 erreicht werden darf. Ab dem 1. Januar 2019 gilt auf allen Baustellen und für alle Gewerke ein verbindlicher Grenzwert von 1,25 mg/m³ für E- und A-Stäube.

Beide neuen Vorgaben sind ein Anlass für das Bauhandwerk zu prüfen, ob die Beschäftigten ausreichend geschützt sind. Es gilt also die verpflichtenden Arbeitsschutzmaßnahmen zu kontrollieren. Dazu gehört die Vorgabe, dass Maschinen, die auf einer Baustelle zum Einsatz kommen, eine Absaugung besitzen oder der Staub oder das trockene Fegen durch Anfeuchten oder Absaugen ersetzt werden. Entsprechend dem Sprichwort –‚Wo gehobelt wird, fallen Späne‘ – werden Staubbelastungen hingenommen und das Risiko zu erkranken unterschätzt.

Das BMAS hat deshalb gemeinsam mit, Bauverbänden, Berufsgenossenschaften, Bundesländern, Gewerkschaften, Umweltbundesamt und BAuA im vergangenen Jahr ein Aktionsprogramm zum Thema Baustaub gestartet und eine dazugehörige Website mit Informationen und Anleitungen zum Schutz unter bgbau.de/staubarm-bauen online gestellt. Das Aktionsprogramm umfasst die vier Handlungsfelder Transfer und Kommunikation, Technik, Gefährdungsbeurteilung/Expositionsermittlung sowie Qualifizierung/Sachkunde.

Baustaub reduzieren: Technische Ausrüstung ist Pflicht

Denn nach Angaben der Berufsgenossenschaft ist die Umsetzung der neuen Regelungen in die Praxis der Betriebe eine große Herausforderung. "Ohne den Einsatz wirksamer technischer Lösungen zur Staubminderung lassen sich die Grenzwerte nicht einhalten", sagt Joachim Förster.

Für viele Tätigkeiten in der Bauwirtschaft gäbe es aber bereits heute technische Lösungen oder Verfahren, mit deren Hilfe sich die Staubbelastungen wirksam vermindern lassen. Als Basisausrüstung, die Staubfreisetzung ganz erheblich reduziert, dienen dabei bei den üblichen auf Baustellen durchzuführenden Tätigkeiten wie Bohren, Schleifen, Stemmen diese vier Komponenten:

  • Bearbeitungsgeräte mit wirksamer Stauberfassung 
  • Bau-Entstauber 
  • Luftreiniger 
  • Abschottungen bzw. Staubschutztüren

"Ohne eine derartige Basisausrüstung lässt sich keine wirksame Minderung der Belastung durch Staub beim Bauen erreichen", sagt der BG-Sprecher. Eine solche Basisausrüstung für staubarmes Arbeiten kann mit Investitionskosten in Höhe von etwa 3.000 Euro erworben werden. Seit einigen Jahren fördert die BG Bau die Beschaffung staubarmer Techniken jedoch finanziell im Rahmen von Arbeitsschutzprämien. Der Katalog der geförderten staubmindernden Technologien wird ständig erweitert; er kann hier eingesehen werden >>>

Bei diesen Tätigkeiten wird besonders viel Staub aufgewirbelt

  • Trocken kehren, Staub abblasen
  • Stemmen, meißeln von Estrich-/Betonflächen, Fliesen, Putzen ohne Absaugung
  • Maschinell trocken schneiden, schleifen, fräsen ohne Absaugung
  • Bohren ohne Absaugung
  • Putz, Fliesen abschlagen ohne Luftreiniger

Diese Tätigkeiten dürfen nur mit Maschinen und Geräten betrieben werden, die eine wirksame Stauberfassung haben.

Quelle: BG Bau

Doch was zeigt die Praxis wirklich und wie sieht ein gutes und praktikables Schutzkonzept aus? Die folgenden Zeilen klären auf:

Staubfrei arbeiten in der Praxis 

Wie sich Maßnahmen gegen den Baustaub im Arbeitsalltag umsetzen lassen, hat Schornsteinfegermeister Klaus Dank erfahren. Die Sonne hatte ihm ein Aha-Erlebnis beschert. Als er eine Holzhackschnitzelheizung reinigte, drangen durch das Kellerfenster Lichtstrahlen. "Ich hatte meinen Staubsauger laufen, aber in der Sonne sah ich, dass der Staub in der Luft nicht weniger wurde", beschreibt er,

Was Klaus Dank aus Feldkirchen sah, war A-Staub: feinste Teilchen, kleiner als 10 μm (1 Mikrometer = 1 tausendstel Millimeter), die Stunden brauchen, um sich zum Boden abzusetzen und die vom kleinsten Lufthauch aufgewirbelt werden. Im Alltag sieht man sie nur bei bestimmtem Lichteinfall – oder wenn große Mengen davon Räume regelrecht vernebeln.

Klassische Staubsauger versagen bei diesen Stäuben, ihre Papierfilter verstopfen, die Saugwirkung geht gegen Null. Mit Fegen ist ihnen ohnehin nicht beizukommen.

Arbeitsplatzgrenzwerte für Staub verschärft 

Schon Ende 2013 wurden die Arbeitsplatzgrenzwerte für Staub dramatisch verschärft. Höchstens 1,25 Milligramm A-Staub pro Kubikmeter Luft sind noch zulässig. Die Übergangsregelungen für die Einhaltung dieses Wertes läuft zum 31. Dezember 2018 aus. Für Quarzfeinstäube gelten sogar nur 0,05 mg.

Norbert Kluger, Leiter des Gefahrstoff- Informationssystems der BG Bau, erklärt, was das bedeutet: "Stellen Sie sich ein Stück Würfelzucker vor, das Sie pulverisieren und in einem Raum verteilen. Damit ist der Grenzwert schon weit überschritten, der Würfelzucker wiegt 2.000 Milligramm."

Diese Grenze einzuhalten ist anspruchsvoll, aber wichtig, meint Kluger: "A-Stäube können bis in die Alveolen, die Lungenbläschen, vordringen und dort dramatische Gesundheitsschäden verursachen", warnt er. "Staublunge" nennt der Volksmund Krankheiten wie Lungenfibrose, Silikose, Siliko-Tuberkulose, Asbestose und deren Folgen Lungen- oder Kehlkopfkrebs. Diese Krankheiten stehen an zweiter Stelle der anerkannten Berufskrankheiten und sie nehmen nicht ab. Allein in den Bauberufen kommen jährlich zwischen 120 und 150 neue Fälle hinzu, ausgelöst durch Quarzstäube.

Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt: Welche Folgen hat das?

Bei den Baustellenkotrollen durch die BG Bau wird die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben kontrolliert. "Nur so kann ein Unterlaufen der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen zu Lasten der engagierten und zuverlässigen Unternehmen wirksam vermieden werden", sagt BG-Sprecher Joachim Förster. Werden von Aufsichtspersonen der BG Bau im Rahmen ihrer Revisionstätigkeit auf Baustellen Tätigkeiten bzw. Verfahren angetroffen, die ohne staubmindernde Maßnahmen ausgeführt werden, so können die Kontrolleure die Arbeiten unterbrechen. Konkret: Wenn keine ausreichenden Schutzmaßnahmen getroffen und keine Persönliche Schutzausrüstung (PSA)  getragen wird und wenn auch keine Gefährdungsbeurteilung erstellt wurde. Die Berufsgenossenschaft kann die Umsetzung dieser Maßnahmen einfordern. "Eine Fortführung der Arbeiten kann dann nur mit dem Einsatz staubmindernder Techniken erfolgen", so Förster.

Staublunge wird erst spät bemerkt 

Oft merken Erkrankte erst nach Jahren, dass der Staub ihre Lunge dicht gemacht hat. Betroffen sind Handwerker aus dem Bauhauptgewerbe, dem Ausbau, zudem Schreiner, Maler und Gebäudereiniger.

Klaus Dank wandte sich an die BG Bau, die das Projekt "Weniger Staub am Bau" vorantreibt. Mit den Experten testete er einen Vorabscheider, ein Gerät mit einem Zyklon, das er vor einen Industriesauger setzte. 98,5 Prozent des aufgesaugten Staubes landeten im Vorabscheider: grobes Material, aber auch die feinsten Partikel, die sonst in der Raumluft geblieben und damit in die Lunge gelangt wären. "Das ist eine wirklich gute Sache. Ich werde mir einen eigenen kaufen", resümiert Dank.

Staubarm bohren ohne Wasser 

Auch Michael Neuhaus setzt immer mehr auf staubarme Technik. Der Projektleiter für Fassadenbau des Ahauser Handwerksbetriebs Daume kam über Umwege zur Staubreduktion: "Wir haben hier regelmäßig Kernbohrungen, sehr große Bohrlöcher, bei denen Wasser eingesetzt wird. Das Wasser schadet aber manchen chemischen Dübeln", erklärt Neuhaus.

Also suchte er nach Alternativen und fand einen Hohllochbohrer, der ohne Wasser arbeitet – und gleichzeitig den Staub während des Bohrens absaugt. Mit der Lösung ist Neuhaus sehr zufrieden, einziger Minuspunkt: Der hohe Preis.

Staub vermeiden geht oft günstig 

Mit den Kosten allein lasse sich die Zurückhaltung vieler Betriebe aber nicht erklären, meint Norbert Kluger. Seit Jahren teste er staubarme Bearbeitungssysteme und Materialien, darunter ganz kostengünstige Lösungen, vorgestellt auf der Webseite der BG. Zudem gebe es Arbeitsschutzprämien für deren Anschaffung. Trotzdem würden die Geräte kaum genutzt, beobachtet Kluger: "Staub wird als normal betrachtet. Den Leuten ist nicht bewusst, dass es staubarme Techniken gibt."

Hier gibt es weitere Informationen zum Thema Baustaub.>>>

So arbeiten Sie staubarm

Vor allem am Bau ist Staub ein Problem. Folgende Tipps helfen, die Belastung zu mindern:

1 . Staubarme Materialien: Anstelle anmischbarer pulvriger Massen gibt es Granulate oder fertig angemischte Mörtel und Spachtelmassen.

2. Staubarme Verfahren: Möglichst Nass- oder Feuchtbearbeitungsverfahren anwenden.

3. Sofort absaugen: Staub schon an der Entstehungsstelle absaugen; bei Trennschleifern, Schlitz- und Putzfräsen oder Schleifgeräten nur geprüfte Systeme verwenden.

4. Arbeitsräume lüften: Bei hohen Staubbelastungen Lüftungsgeräte mit Abluftfilterung verwenden.

5. Regelmäßige Wartung: Maschinen und Geräte zur Stauberfassung regelmäßig prüfen und warten, Filter und Absaugleistung kontrollieren.

6. Staub niederschlagen: Staub durch Wasser niederschlagen, zum Beispiel bei Abbrucharbeiten.

7. Richtig reinigen: Arbeitsplätze und -räume regelmäßig mit Staubsauger oder Kehrsaugmaschine reinigen; nicht trocken fegen oder abblasen.

8. Aufwirbeln oder Ausbreiten verhindern: Staubablagerungen oder Schutt sofort beseitigen.

Staub beim Schaufeln
Vorabscheider

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