Ein totgesagter Leipziger Stadtteil wird zum Flächendenkmal
Alte Industriearchitektur erlebt neue Blütezeit
In Leipzigs Westen hat sich mit dem Stadtteil Plagwitz ein rund 90 Hektar großes Flächendenkmal der Industriearchitektur erhalten, das seinesgleichen sucht. Durch das Engagement von Karl Heine in den Jahren zwischen 1840 und 1880 wurde Leipzig zum Vorreiter der deutschen Industrialisierung. Die Kombination von Wohnquartieren und Arbeitsstellen war einmalig. Ab 1920 ließen Rüstungsindustrie, Aktienspekulation, Krieg und sozialistische Planwirtschaft den Industriestandort immer mehr ins Hintertreffen geraten. Nach der Wende erfolgte endgültig der Niedergang von Plagwitz. Der Stadtteil wurde totgesagt und schien endgültig dem Verfall preisgegeben. Die meisten Bauensembles der Gründerzeit und der frühen Moderne überdauerten die schwierigen Jahre und entfalteten nach ihrer Restaurierung neuen Reiz. Heute kann man die prachtvollen Backsteinbauten sowie Brücken über den Karl-Heine-Kanal bewundern, die Leipzig zur Hafenstadt machen sollten. In ehemaligen Fabrikhallen sind exklusive Lofts entstanden. Wer sich für die Plagwitzer Industrieanlagen interessiert, findet außergewöhnliche Bauten. Architektonisch bedeutsam sind die „Wollgarnfabrik Titel & Krüger“, das Verwaltungsgebäude der „Konsum-Zentrale“ – eine Symbiose von Backsteinexpressionismus und „neuer Sachlichkeit, die „Maschinenbaufabrik Unruh & Liebig“ und die „Buntgarnwerke“ – eines der größten Gründerzeitdenkmale Deutschlands. Wer eine Bootstour auf dem Karl-Heine-Kanal macht, dem wird mit Sicherheit ein Gebäude auffallen: Das „Stelzenhaus“ – ein ehemaliges Wellblechwalzwerk der Firma „Grohmann & Frosch“ – wurde wegen Platzmangels Ende des 19. Jahrhunderts an einer Kanalbiegung errichtet. Getragen wird das streng funktionalistische Gebäude von wuchtigen Betonstützen.
Plagwitz hat sich inzwischen zu einem modernen, grünen, sozial verträglichen und begehrten Quartier für Wohnen, Arbeit und Freizeit gewandelt, das in Deutschland seinesgleichen sucht.hjs
Informationen: Leipzig Tourist Service e.V., Richard-Wagner-Straße 1, 04109 Leipzig, E-Mail: Info@LTS-Leipzig.de