Druck auf Geschäftsführung soll erhöht werden - Verhandlungen über Standortsicherung erneut geplatzt Alstom-Mitarbeiter kündigen unbefristete Betriebsversammlung an

Der Betriebsrat des Bahntechnikherstellers Alstom in Salzgitter will wegen der abgebrochenen Verhandlungen mit der Geschäftsführung zur Standortsicherung eine unbefristete Betriebsversammlung abhalten. Ab Donnerstag um 7.00 Uhr sind die Beschäftigten wie bereits am Mittwoch und am vergangenen Freitag aufgerufen, sich vor dem Werk zu versammeln.

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Alstom-Mitarbeiter kündigen unbefristete Betriebsversammlung an

Salzgitter (dapd). Der Betriebsrat des Bahntechnikherstellers Alstom in Salzgitter will wegen der abgebrochenen Verhandlungen mit der Geschäftsführung zur Standortsicherung eine unbefristete Betriebsversammlung abhalten. Ab Donnerstag um 7.00 Uhr sind die Beschäftigten wie bereits am Mittwoch und am vergangenen Freitag aufgerufen, sich vor dem Werk zu versammeln. Neben den Versammlungen solle auch der Abbau von Überstunden eine Form des betrieblichen Widerstands darstellen, sagte ein Sprecher der IG Metall am Mittwoch in Salzgitter.

Dieser Widerstand soll den Druck auf die Geschäftsführung erhöhen, weil die Voraussetzungen für einen Streik derzeit nicht gegeben sind. Nach Darstellung der Gewerkschaft und des Betriebsrats hatte es bei einer Klausurtagung in der vergangenen Woche in Goslar bereits eine Einigung über die Bedingungen zur Standortsicherung gegeben. Die Geschäftsführung habe sich aber intern gestritten und in letzter Minute nicht unterschrieben.

Nach der Klausurtagung waren die Verhandlungen auf Initiative der Geschäftsführung am Montag wieder aufgenommenen, aber am Mittwoch erneut abgebrochen worden. Die Zugeständnisse der Arbeitnehmer im Umfang von 120 Millionen Euro bis 2017 reichten der Geschäftsführung nicht aus, hieß es in einer Mitteilung der IG Metall. Die Belegschaft solle die Fehlleistungen des Managements in der Vergangenheit alleine bezahlen.

Alstom hatte vor Monaten angekündigt, als Teil eines Anpassungsplans für die Sparte Transport in Salzgitter 700 Stellen abbauen zu wollen. Laut IG Metall liegen in dem Werk jedoch so viele Aufträge vor, dass Mehrarbeit bis März 2012 angestrebt wird. Zusätzlich sollen 300 Leiharbeiter eingestellt werden. Es gebe Großaufträge bis 2017.

Der Deutschlandchef von Alstom Transport, Martin Lange, rechnet unterdessen mit einer deutlichen Verbesserung der Geschäftslage. "Ich erwarte in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Steigerung des Umsatzes mit Fahrzeugen in Deutschland auf 450 bis 500 Millionen Euro", sagte Lange der "Financial Times Deutschland". Derzeit erlöse der Konzern in diesem Markt hierzulande 350 bis 400 Millionen Euro.

Getrieben werde das Geschäft durch große Ausschreibungen im deutschen Regionalverkehr, die Einführung moderner Sicherungstechnik und den Ausbau des Wartungsgeschäfts für Bahnbetreiber, sagte Lange. Dennoch seien die geplanten Einschnitte am Standort Salzgitter unumgänglich. Salzgitter sei "heute nicht mehr wettbewerbsfähig". Zuletzt seien in dem Werk jährliche Verluste von bis zu 50 Millionen Euro aufgelaufen.

dapd