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Drei Jahre war Manuel Stein weltweit unterwegs Wie es ist, als Zimmerer auf die Walz zu gehen

"Gute Zimmerleute sind auf der ganzen Welt gefragt", sagt Manuel Stein. Er weiß, wovon er spricht. Drei Jahre lang war der 23-Jährige aus Steinberg auf der Walz. Rund zwei Monate nachdem er seinen Gesellenbrief in der Tasche hatte, ging es im Oktober 2015 los: über die deutschsprachigen Länder durch Europa und dann weltweit.

Bis auf Asien hat Manuel Stein auf jedem Kontinent gearbeitet. Er war unter anderem in Australien und Neuseeland, Äthiopien, Argentinien, Somalia, dem Libanon, Sierra Leone, Kanada und zur Zeit der Elchjagd in Schweden. Viele schöne, beeindruckende Dinge hat der Handwerksgeselle während seiner Wanderschaft erlebt, "Ein Highlight kann ich eigentlich gar nicht ausmachen", erklärt Manuel Stein, schiebt dann aber doch schnell nach: "Ich habe auf der Walz meine Freundin kennengelernt."

"Meistens hat es mit der Arbeit dann auch so geklappt"

Und auf vielen seiner Stationen in der Welt hat der Zimmermann erfahren, welche Qualität das Holzbauhandwerk in Deutschland hat. Mal war er mit anderen Gesellen seiner Zunft der "Freien Vogtländer Deutschlands" unterwegs, mal alleine. Mal war schon klar, wo es Arbeit geben würde, mal ging es einfach hinein ins Blaue. "Meistens hat es mit der Arbeit dann auch so geklappt, wir sind selten abgelehnt worden", erzählt Manuel Stein. Gerade während der ersten Monate war er in Begleitung erfahrener Wandergesellen unterwegs, konnte so viel lernen und bekam so manchen Tipp.

Mit übersichtlichem Gepäck auf die Walz

Für manch einen unvorstellbar – ohne Handy und ohne EC-Karte ist Manuel Stein aufgebrochen und hat nichts vermisst. An öffentlichen Telefonzellen oder von der jeweiligen Arbeitsstelle aus hielt er den Kontakt mit Zuhause. Maximal drei Monate blieb er an einem Ort, dann zog er stets weiter – mit leichtem Gepäck: Schlafsack, Hygieneartikel, Arbeitskleidung, das Bündel des Zimmermanns war klein, das Outfit immer passend: Jacke, Schlaghose, Weste, weißes Hemd, Hut und – nicht zu vergessen – der Wanderstab, auch Stenz genannt.

"Ein Handwerk wollte ich schon immer lernen", sagt Manuel Stein, dem mit seinem Abitur auch andere Wege offengestanden hätten. Für die Zimmermannlehre sprachen der Umgang mit Holz und das Draußensein. Von der Walz hat er erst im dritten Lehrjahr erfahren – aber dann war es um ihn geschehen. Während der drei Jahre seiner Wanderschaft war Manuel Stein nun auch darum bemüht, auf die Tradition der Walz aufmerksam zu machen, um sie am Leben zu er­halten.

Die Reise geht weiter

Kaum in Steinberg angekommen, ist der Zimmermann auch schon wieder weg. "Von Oktober bis Weihnachten werde ich in Sierra Leone zusammen mit den Grünhelmen beim Bau einer Schule mithelfen", erzählt er, und betont: "Die Hilfsorganisation geht dort hin, wo andere Organisationen nicht hingehen." Zusammen mit der einheimischen Bevölkerung werden zum Beispiel soziale Einrichtungen wie Schulen gebaut und "dabei sei auch viel Improvisationstalent gefragt", sagt Manuel Stein, dem dies durchaus gefällt: "Die Leute dort sind echt cool."

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