Strecks Brauhaus ist "Brauerei des Jahres 2022" "Als hätte Schweinfurt die Champions League gewonnen"

Axel Kochinki spricht von einer Sensation: Seine Privatbrauerei Streck-Bräu in Ostheim vor der Rhön ist mit dem Goldenen Bundesehrenpreis ausgezeichnet worden. Im Wettbewerb konnte sich der kleine Handwerksbetrieb auch gegen Großbrauereien durchsetzen. Das ist sein Erfolgsrezept.

Axel Kochinki (4. v. l.) und das Team der Privatbrauerei Streck-Bräu bei der Verleihung des Bundesehrenpreises in Berlin. Nun darf sich das Unternehmen "Brauerei des Jahres 2022" nennen. - © Streck Brauhaus

Für das Team von Strecks Brauhaus in Ostheim vor der Rhön war die Überraschung groß. Ende April wurde der Familienbetrieb in Berlin vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Goldenen Bundesehrenpreis ausgezeichnet. "Wir haben es erst gar nicht geglaubt", sagt Brauerei-Inhaber Axel Kochinki. Normalerweise, erzählt er, sind es größere Brauereien, die diese Auszeichnung gewinnen und sich damit "Brauerei des Jahres" nennen dürfen. Beim unterfränkischen Traditionsbetrieb haben sie den Titel mit "nur" 24 Mitarbeitern geholt. "Als Vergleich könnte man sagen: Das ist so, als hätte Schweinfurt die Champions League gewonnen", freut sich der Diplom-Braumeister, der den Betrieb in zehnter Generation führt.

"Kleinere Kreisläufe gibt es nicht"

Um die Ehrung zu erhalten, hat die Brauerei an der Qualitätsprüfung für Bier der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) teilgenommen. Und die Konkurrenz war tatsächlich groß: An dem Wettbewerb beteiligten sich laut DLG in diesem Jahr mehr als einhundert deutsche Brauereien mit rund 750 Bieren.

Trotzdem kann sich Axel Kochinki gut erklären, weshalb gerade seine kleine Brauerei die Ehrung erhalten hat: Es sei vor allem die Kombination aus moderner Technik, engagierten Mitarbeitern und bestmöglichen Rohstoffen, die das Unternehmen und seine Produkte so besonders machten. So wird fürs Streck-Bier Bio-Gerste verwendet, die auf eigenen Landwirtschaftsflächen in der Region angebaut wird, sagt Kochinki. Vermälzt wird die Gerste von einer Mälzerei, die sich ebenfalls ganz in der Nähe befindet. "Kleinere Kreisläufe gibt es nicht."

Daneben spiele die Qualität des Wassers eine große Rolle. Das Rhön-Gebirge ist ein ehemaliges Vulkangebiet. "Wir haben hier ein Wasser, da würden sich 99 Prozent der Weltbevölkerung die Finger nach lecken", lacht Kochinki. Insgesamt zehn verschiedene Biere brauen die Mitarbeiter bei Strecks, von Pils über Radler und Weizen bis hin zum Zwickel-Bier. Neun alkoholfreie Getränke gehören ebenfalls zum Sortiment der Brauerei, die es bereits seit 1718 gibt.

Verliehen wurde die Ehrung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. - © Streck Brauhaus

"Solche Preisexplosionen kannten wir vorher nicht"

Doppelt groß ist die Freude über die Auszeichnung, weil der Betrieb wie viele andere kleine und mittelständische Brauereien nicht nur unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leidet. Auch die hohen Preise, hervorgerufen durch die Ukraine-Krise, erschweren die Situation. "Solche Preisexplosionen kannten wir vorher nicht", sagt Kochinki. Gerade als Kleinbrauerei sei aktuell etwa die Verhandlung mit Geschäftspartnern schwierig. "Das ist etwas, was mir Sorgen macht. Weil wir Kleinen überhaupt keine Möglichkeit haben, Druck auszuüben", so Kochinki.

Positiv wertet er, dass die Biersteuersätze für kleine und mittelständische Brauereien voraussichtlich dauerhaft niedrig bleiben sollen. Dies hat das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat (StMFH) nun mitgeteilt. "Das ist nur fair", sagt Kochinki und nennt ein Beispiel zur Veranschaulichung: "Wenn ein großer Brauerei-Betrieb zum Beispiel Kronkorken einkauft, kostet ihn das vielleicht nur zehn Prozent von dem, was ein kleiner Betrieb bezahlt. Deshalb ist es ganz richtig zu sagen, dass derjenige, der günstiger einkauft und entsprechend mehr verdient, auch mehr Steuern bezahlen muss."

Hintergrund: Für kleine und mittelständische Brauereien sieht das Biersteuergesetz gestaffelte ermäßigte Biersteuersätze vor. Diese wurden vom Bundesgesetzgeber mit Wirkung zum 1. Januar 2004 erhöht. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die gestaffelten ermäßigten Steuersätze befristet für die Jahre 2021 und 2022 wieder auf das Niveau des Jahres 2003 abgesenkt. In dem von der Bundesregierung beschlossenen Gesetzentwurf zum Achten Verbrauchsteueränderungsgesetz war jedoch keine Verlängerung der abgesenkten Biersteuermengenstaffelsätze vorgesehen.

Daraufhin hat Bayern zusammen mit weiteren Ländern einen Antrag gestellt, die niedrigeren Steuersätze dauerhaft beizubehalten. Nun hat die Mehrheit der Länder bei einer Sitzung des Finanzausschusses des Bundesrats dem Antrag zugestimmt, teilte das StFMH mit. Die Entscheidung des Bundes steht noch aus.

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"Brauerei des Jahres": Auszeichnung ist Team-Erfolg

Ein großes Lob möchte Kochinki seinen Mitarbeitern aussprechen – ohne sie wäre die Auszeichnung zur "Brauerei des Jahres 2022" nicht möglich gewesen, sagt der Chef: "Sie geben jeden Tag nicht nur hundert Prozent Leistung, sondern zweihundert Prozent. Dafür möchte ich ihnen danken."

Im Handwerker Radio spricht Brauerei-Inhaber Axel Kochinki darüber, wie er und sein Team die Auszeichnung zur "Brauerei des Jahres 2022" erlebt haben. Nachzuhören hier: