Interessantes und Kurioses aus 60 Berufsjahren Als die Dauerwelle noch rund 10 Mark kostete

Friseurmeister Walter Heineck kennt sein Handwerk ganz genau. Seit mehr als 60 Jahren steht er in seinem Salon in Allstedt. In Vorträgen berichtet er von alten Zeiten und damaligen Trends wie der "Charleston-Frisur" und der "Olympia-Welle".

Friseurmeister frisiert Haare
Nach dem Vortrag ließen die Gäste Haare. Wer wollte, bekam von Friseurmeister Walter Heineck kostenfrei einen neuen Schnitt plus Styling. - © HWK Halle/Yvonne Bachmann

Walter Heineck hat in seinem Leben schon viele Köpfe frisiert. Und es ist bis heute seine Leidenschaft. Mit 80 Jahren steht er noch einmal in der Woche in seinem Salon in Allstedt. Aber nicht nur das: Weil er so in seinem Beruf verwurzelt ist, hält er kostenfreie Vorträge über die Geschichte von Frisuren und berichtet Interessantes und Kurioses aus seinem Handwerk. "Ich will der damaligen Mode und dem Können ein Denkmal setzen", sagt er.

Zuletzt zog es Walter Heineck deshalb ins Gemeindehaus in Edersleben. Mit dabei: seine Ehefrau und etliche andere hübsche Damen mit aufwendig frisiertem Haar – allerdings aus Plastik. Die Frisierköpfe dienen zur Anschauung. Vor einer Gruppe Senioren berichtete Friseurmeister Heineck auf humorvolle Weise von Frisuren aus vergangenen Tagen, die heute in Vergessenheit geraten sind. "Charleston-Frisur", "Entwarnung", "Olympiarolle" oder "die Beschiffte" – so hießen sie, und sie waren genauso aufwendig wie elegant. Und sie hatten alle eine Geschichte. So wie etwa die Olympiarolle, die auf die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin zurückgeht und zu dieser Zeit top modisch war. Oder die "Entwarnung", die nach Kriegsende entstand.

"Haare wurden auf dem Kopf quasi gekocht"

Auch über die inzwischen einhundert Jahre alte Dauerwelle wusste der Friseurmeister Interessantes zu berichten. Wer die früher tragen wollte, musste nämlich leiden. "Die Apparate waren wie ein kleiner Tauchsieder, die Haare wurden auf dem Kopf quasi gekocht", so Walter Heineck, der allerdings in den 50er-Jahren seine Friseurlehre absolvierte, als es schon modernere Verfahren gab. Von früh bis abends habe er zu DDR-Zeiten im Laden gestanden, weil die Nachfrage früher groß und die Preise klein waren. "Eine Wasserwelle kostete 2,85 Mark, eine Dauerwelle 10,80 Mark und ein Herrenhaarschnitt nur eine Mark", erinnert er sich. Es sei eine harte, aber schöne Zeit gewesen und in Gedanken sei er noch oft dort.

Was einen guten Friseur ausmacht? "Interesse, Geschicklichkeit, Freundlichkeit, Kreativität und Ehrlichkeit", sagt Walter Heineck. Diese Eigenschaften lebt er in seinem Beruf seit mehr als 60 Jahren. Und ein Ende ist nicht geplant.