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Elektronische Traktionsregelung hilft über’n Berg Allrad-Sprinter: Kletterkünstler auf Schnee und Eis

Im ersten Quartal 2019 geht der neue Mercedes-Benz Sprinter mit Allradantrieb an den Start. Die Deutsche Handwerks Zeitung durfte ihn in den Alpen schon testen.

Anfang Dezember standen die ersten Modelle an der Mautstation unterhalb des Timmelsjochs, bereit für eine Bewährungsprobe auf Eis und Schnee am Hochgebirgspass, der das Ötztal vom Passeiertal in Südtirol trennt.

Für den Verkehr ist das Timmelsjoch schon seit Ende Oktober gesperrt, aber bis zum Scheitelpunkt auf gut 2.500 Metern Höhe haben Schneefräsen die Passstraße noch freigehalten. Hier sollen die ersten 4x4-Sprinter der neuen Generation ihre Stärken zeigen. Zur Verfügung steht je ein Kastenwagen mit 163 oder 190 PS, ­also ein Vier- und ein Sechszylinder. Beide ver­fügen über die optionale Automatikschaltung 7G-Tronic plus und sind mit rund 400 Kilogramm beladen. Vor ihnen liegen reichlich 300 Höhenmeter und sieben Serpentinen auf schneebedeckter Straße, gespickt mit einigen Eisplatten.

Mit dem Sprinter aufs Timmelsjoch

Um es vorwegzunehmen: Beide Sprinter hatten keine Mühe mit den winterlichen Verhältnissen bei der Steigung. Freilich kommt der Sechszylinder mit der dünnen Luft, bei der auch Motoren unter dem Sauerstoffmangel leiden, besser zurecht als der Vierzylinder. Immerhin steht hier fast ein Liter mehr Hubraum zur Verfügung. Vor allem nach den vereisten Kehren, vor denen das Tempo stark verringert werden muss, bringen die 190 PS den Kasten flott wieder in Schwung. Was jedoch nicht nur an den Pferdestärken liegt.

Elektronik ersetzt Differenzialsperre

Der zuschaltbare Allradantrieb verteilt die Kraft im Normalbetrieb zu 65 Prozent auf die Hinterachse, während die elektronische Traktionsregelung durchdrehende Räder abbremst und die Kraft auf die Räder mit gutem Grip verteilt. Nach Angaben von Mercedes wirkt die Elektronik wie eine Differenzialsperre. Jedenfalls schafft auch der Kastenwagen mit dem kleineren Motor genug Vortrieb, um ohne Schneeketten sicher das Timmelsjoch zu erklimmen.

Das ist aber nur die Hälfte der Übung. Denn wer den Berg hinaufkommt, muss auch wieder hinunter. Wenn rund drei Tonnen talwärts schieben, braucht der Fahrer entweder eine gehörige Portion Erfahrung oder muss sich auf die Elektronik im Transporter verlassen können.

Und das ist die eigentliche Überraschung des Testwochenendes in den Tiroler Bergen: Den mit halber Nutzlast beladenen Sprinter würde dank des intelligenten Allradantriebs jeder halbwegs begabte Pkw-Fahrer ohne Schweißperlen auf der Stirn sicher durch die Serpentinen steuern, ein gesundes Maß an Vorsicht vorausgesetzt.

Bodenfreiheit für die Baustelle

Dass sich Daimler für seine Demonstration ausgerechnet das Timmelsjoch ausgesucht hat, liegt nahe. Die Hoteliers in den Skigebieten der Alpen sind eine attraktive Zielgruppe für den Allrad-Sprinter, der hier als Bus-Shuttle seine Stärken ausspielen kann.

Aber auch auf Baustellen, wo Handwerker über unbefestigte Wege ihren Einsatzort ansteuern müssen, kann der Sprinter 4x4 eine lohnende Alternative zum heck- oder frontgetriebenen Transporter sein. Dank der größeren Bodenfreiheit (155 mm vorn bzw. 135 mm hinten) steigt der Böschungswinkel laut Hersteller bei normalem Radstand um zehn auf 26 Grad. Ähnliches gilt für den Rampenwinkel. Der Sprinter kommt also im unebenen Gelände deutlich besser zurecht als ein Transporter mit klassischem Hinterradantrieb.

Wer diese Vorzüge in seinem Betriebsalltag nutzen will, muss dafür mindestens 46.272 Euro netto berappen. Das ist der Einstiegspreis für einen Kastenwagen mit Standard-Radstand. Ein nacktes Fahrgestell gibt es schon ab 43.652 Euro.

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