Kritik an den Rentenplänen Aktivrente: Selbstständige protestieren

Die Aktivrente soll ältere Menschen länger aktiv am Arbeitsmarkt halten – per Steuervorteil. Diesen sollen dem aktuellen Gesetzesvorschlag zufolge allerdings nur Arbeitnehmer bekommen – Selbstständige nicht. Das sorgt für Protest.

Aktivrente: Selbstständige sind ausgeschlossen
Selbstständigen sollen nicht von der neuen Aktivrente profitieren. Das sorgt für Kritik. - © Aleksandr Matveev - stock.adobe.com / generiert mit KI

Vor rund einer Woche hat der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) eine Online-Petition mit dem Titel "Aktivrente auch für Selbstständige: Wir sind keine Erwerbstätigen zweiter Klasse!" gestartet. Über 24.500 Unterschriften sind seither zusammengekommen – fast 10.000 Kommentare stehen unter dem Petitionstext. Darin äußern viele Menschen ihren Ärger über die Ungleichbehandlung, die sie empfinden, weil nicht alle arbeitenden Menschen gleichermaßen von der Aktivrente profitieren sollen.

In einem Kommentar steht als Begründung für die Unterschrift: "Damit Selbstständige – übrigens auch viele Handwerker:innen und Ärzt:innen – weder die Freude an der Arbeit noch das Vertrauen in einen gerechten Staat verlieren."

Ein anderer Kommentar lautet: "Ich bin selbst seit vielen Jahren mit viel Freude selbstständig. Ich sehe keinen Grund, warum Selbstständige finanziell benachteiligt werden sollten, wenn sie im Alter weiterarbeiten wollen – im Gegenteil, wenn wir in Deutschland so viele Menschen wie möglich so lange wie möglich am Arbeitsmarkt halten müssen, sollte die Regierung auch uns Selbstständige entsprechend einbeziehen."

Ein weiterer Nutzer schreibt: "Hier wird der im Grundgesetz festgeschriebene Gleichheitsgrundsatz verletzt! Selbstständige leisten viel, auch für die Allgemeinheit und den Staat. Warum soll hier einseitig Selbstständigen eine finanzielle Verbesserung der Rente verweigert werden?"

Aktivrente: Selbstständige sollen ohne Steuervorteil weiterarbeiten

Bei vielen Selbstständigen stößt die Aktivrente auf Kritik. Dabei geht es allerdings nicht um das Rentenkonzept an sich, sondern darum, dass die Selbstständigen nicht davon profitieren sollen. Ab dem 1. Januar 2026 möchte die Bundesregierung mit der Aktivrente das Arbeiten über das gesetzliche Rentenalter hinaus fördern. Arbeitnehmer, die dann weiterarbeiten, sollen bis zu 2.000 Euro dieses Einkommens nicht versteuern müssen.

Der Gesetzesentwurf, der bereits vom Bundeskabinett verabschiedet ist, schließt Selbstständige allerdings aus. Die Bundesregierung begründet dies nach Angaben des VGSD damit, dass Selbstständige ohnehin häufig länger arbeiten und von daher keine Anreize benötigen würden. Außerdem betont sie, dass Angestellte dann, wenn sie im Alter weiterarbeiten, auch weiterhin pflichtweise in die Sozialversicherungssysteme einzahlen. Die Aktivrente sieht zwar eine Steuerbefreiung, aber keine Befreiung von den Sozialabgaben vor. Somit würden Rentenkasse sowie Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung profitieren.

Andreas Lutz, der Vorstandsvorsitzende des VGSD, wiederum sieht die Selbstständigen in ein falsches Licht gestellt. "Viele Selbstständige und gerade die meisten Handwerker zahlen ebenfalls verpflichtend in die gesetzliche Sozialversicherung ein und fühlen sich jetzt umso ungerechter behandelt", erklärt er. Andreas Lutz hat ausgerechnet, dass der Steuervorteil, den die Aktivrente verspricht, bei voller Ausschöpfung des Freibetrags, bei 504 bis 919 Euro pro Monat liegt. Das gelte für Rentner, die keine weiteren Einkommen erzielen als die gesetzliche Rente. Einkünfte aus Kapitalerlösen, Vermietung und Verpachtung sind nicht begünstigt, weil sie kein Einkommen aus "aktiver Tätigkeit" darstellen. Das Vorliegen einer aktiven Tätigkeit zweifelt der Gesetzentwurf laut VGSD auch bei Selbstständigen an.

Aktivrente: Verband hofft, dass die Bundesregierung nachbessert

Dass dieser große Bonus nur Angestellten gewährt wird, wertet der Vorsitzende als Entscheidung, die gesellschaftlich eine starke Missstimmung erzeugen kann. Andreas Lutz warnt davor, dass sich dadurch in Zukunft noch mehr Selbstständige zurückziehen und weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Schon jetzt haben viele kleine Betriebe Probleme, Nachfolger zu finden. "Das Problem wird sich verschärfen", warnt Lutz, der hofft, dass die Bundesregierung noch gegensteuert und die Selbstständigen mit in die Aktivrente aufnimmt. Er verweist auf die ursprünglichen Pläne im Eckpunktepapier der CDU/CSU zur Aktivrente, in dem noch keine Rede davon war, Unterschiede zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen zu machen. Da die Aktivrente allerdings schon zum 1. Januar 2026 in Kraft treten soll, müssen Änderungen nun zügig eingebracht und umgesetzt werden.

So kämpft der VGSD mit der Online-Petition für eine Aktivrente auch für Selbstständige. Gerichtet ist sie konkret an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas, Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Petition zielt jedoch auch darauf ab, über das Thema aufzuklären und öffentlich zu zeigen, dass bei der Aktivrente Handlungsbedarf besteht. Unterstützer der Petition sind zahlreiche Verbände.

Aktivrente ohne Selbstständige: Bundesregierung verschenkt Potenzial

"Es geht nicht darum, die Aktivrente an sich anzuzweifeln. Wir wollen aber, dass sie gerecht umgesetzt wird", sagt Andreas Lutz. Außerdem zeigt er auf, dass die Bundesregierung viel Potenzial verschenkt, wenn sie die Selbstständigen nicht mit einbezieht. So würden Umfragen immer wieder zeigen, dass es eben nicht hauptsächlich die finanziellen Gründe sind, die Menschen dazu veranlassen, auch nach dem Erreichen des Rentenalters weiterzuarbeiten. "Es sind das soziale Netz und die Kontakte, die viele nicht aufgeben wollen." Selbstständige hätten eine große Motivation, den eigenen Betrieb aufrechtzuerhalten und nutzen so der gesamten Wirtschaft. Diese Motivation sollte die Politik nicht durch ein Gesetz untergraben, das bei den Selbstständigen für großen Unmut sorgt.

So liest man in den Kommentaren der Petition – und ebenso in den sozialen Netzwerken – sehr oft Formulierungen, die Ungerechtigkeit und eine mangelnde Wertschätzung ausdrücken. Zu lesen ist beispielsweise: "Ich fordere daher, die besonderen Lebens- und Arbeitsrealitäten von Selbstständigen ernst zu nehmen und nachhaltige, faire Lösungen zu entwickeln." Oder: "Da zahlen wir jahrzehntelang höhere Beiträge in die Renten- und Sozialversicherung als viele Angestellte und werden als Rentner weiter zur Kasse gebeten. … Ich finde das ziemlich ungerecht."