US-Finanzmarktturbulenzen Aktienmärkte unter Druck

Die jüngsten Auswirkungen der Finanzmarktkrise in den USA haben die weltweite Talfahrt der Aktienmärkte am Montag noch einmal beschleunigt. In Deutschland gab der Börsenleitindex DAX bis zum Mittag rund vier Prozent nach, wozu allerdings auch eine Gewinnwarnung des Index-Schwergewichts Siemens beitrug.

Aktienmärkte unter Druck

Vor diesem Hintergrund betonte die Bundesregierung, es gebe keinen Grund, in Panik zu verfallen. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte, es gebe "gravierende Unterschiede" zwischen den Entwicklungen in den USA und in Deutschland und der gesamten Eurozone, was die konjunkturelle Entwicklung und die Stabilität der Finanzmärkte angehe.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums bekräftigte, die Regierung bleibe bei ihrer Wachstumsprognose einer Zunahme von 1,7 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums mahnte, sich die Entwicklung mit einer gewissen Ruhe anzuschauen und "nicht panisch" zu werden. "Uns liegen bislang überhaupt keine Anzeichen vor, dass sich aus diesen jüngsten Entwicklungen zusätzliche Belastungen für den deutschen Finanzmarkt ergeben", sagte Ministeriumssprecher Stefan Olbermann. "Wir sind zuversichtlich, dass die deutsche Finanzwirtschaft auch mit diesen zusätzlichen Belastungen fertig werden kann", fügte er hinzu.

Euro und Ölpreis auf Rekordhoch

Der Euro überschritt in der Nacht zum Montag erstmals die Marke von 1,59 Dollar. Das neue Allzeithoch liegt jetzt bei 1,5907 Dollar. Der Ölpreis erreichte ein neues Rekordhoch bei 111,42 Dollar pro Barrel (159 Liter). Händler berichteten vor dem Hintergrund des auf neue Rekordtiefs gesunkenen Dollars von starkem Kaufinteresse institutioneller Anleger. Diese wichen angesichts des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Bear Stearns und anhaltender Kursverluste an den weltweiten Aktienmärkten auf den Ölmarkt aus. Auch der Goldpreis stieg mit den Ängsten der Anleger. Er markierte am Morgen ein neues Hoch bei 1032,35 Dollar per Feinunze (31,1 Gramm).

Die US-Investmentbank J.P. Morgan hatte zuvor mitgeteilt, dass sie den in Schieflage geratenen Konkurrenten Bear Stearns für 236 Millionen Dollar übernehmen werde. Unterstützt werde sie dabei von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Mit dem Schritt solle der drohende Konkurs der fünftgrößten US-Investmentbank abgewendet werden, hieß es.

Die US-Notenbank will Bear Stearns bis zu 30 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) zuschießen. Etwa 20 Milliarden sind für die Finanzierung von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren vorgesehen, die von Bear Stearns gehalten werden. Zudem senkte die Fed am Sonntag in einem überraschenden Schritt ihren Diskontsatz und kündigte weitere Liquiditätshilfen für das angespannte US-Finanzsystem an.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger forderte angesichts der Immobilienkrise in den USA und des massiven Dollar-Verfalls die Europäische Zentralbank (EZB) auf, am Devisenmarkt zu intervenieren. "Die EZB muss eingreifen und versuchen, das Feuer zu löschen, bevor das gesamte Haus brennt", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung dem Online-Magazin der Zeitschrift "Stern". Die Euro-Aufwertung dürfe so nicht weitergehen.

Michael Wojtek/ddp